Himmelslampe im Lampenfieber

Opulente Kinderoper bei den Salzburger Festspielen

Sebastian Mach, Tobias Hechler und Miriam Kutrowatz als Stern
Sebastian Mach, Tobias Hechler und Miriam Kutrowatz als Stern © SF/Erika Mayer

Auch für Kinder produzieren die Salzburger Festspiele alljährlich eine Oper. An Opulenz steht „Der Stern, der nicht leuchten konnte“ den Großen in nichts nach.

In Zusammenarbeit mit dem „Young Singers Project“, und den „Salzburg Orchester Solisten“ komponierte die erfahrene, einfallsreiche Cellistin und Komponistin Elisabeth Naske eine abenteuerliche Klanggeschichte. Das Libretto zu den ungeahnten Hintergründen am Theater stammt von Ela Baumann, die auch Regie führte.

Hinter den Kulissen glaubt der lang gediente Nachtwächter Alfred: „Niemand hier, außer mir“, bis ihn die Requisiten bei seiner Jause stören. Die Sprechrolle besetzt Branko Samarovsky mit der grantelnden Liebenswürdigkeit einer Löwingerbühnenfigur.

Der Stern hat die Generalprobe vermasselt. Unbändiges Lampenfieber überfiel die Himmelslampe, so dass ihr das Leuchten verging. Hell hingegen strahlt der Sopran von Stern Miriam Kutrowatz, selbst wenn sie in klägliches Weinen versinkt. Mit allen fünf Zacken umarmt sie den grantelnden Alfred und bittet um Hilfe. Der hat nicht lange Zeit zum Wundern. Die anderen Requisiten stürmen auf die Bühne. Im Hintergrund waren sie im dissonanten Chor schon zu hören.

Immer wieder-rrrrr tönt der Trommelrevolver (Nikolai Zemlyanskikh), ein Kinderliedmotiv kennzeichnet seine Tollpatschigkeit. Das Orchester schießt und rattert mit. Als Blumenstrauß erscheint Liobov Medvedeva mit Koloraturen so lieblich wie ihr Kostüm. Eigentlich sollte doch der Stern in erster Linie ihre Schönheit ins Licht stellen. Im Hintergrund bewegt sich ein mächtiger Thron. Der Bass (Gabriel Rollinson) sinniert über Besitz und besetzt werden. Das große Ensemble in überwältigenden Kostümen von Florian Angerer ergänzt ein Kinderchor.

Wie Staubwölkchen wuseln sie in weißen Tutus um Madame Kandelaber (Freya Apffelstaedt, Alt). Zwei mächtige streitsüchtige Perücken (Countertenor Tobis Hechler und Tenor Sebastian Mach) mischen sich in den finalen Zank. Ein Textbuch oder Übertitel hätte die Dramatik noch besser zur Geltung gebracht. Finalement mahnt Herr Alfred zur Eintracht, denn nur so kann eine Premiere gelingen.

Tatsächlich gewinnt der Stern mithilfe der Freunde seine Selbstsicherheit zurück. Hoch oben leuchtet er im entscheidenden Moment. Der junge Grazer Patrick Hahn dirigiert die eingängige Musik mit Leichtigkeit und Temperament. Scharf zeichnet das Orchester Charaktere, Stimmungen und Motive, fein entspricht die Instrumentierung, bis im Finale das prächtige Ensemble mit Orchester strahlt wie der Stern.

Von Eva Hammer

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