„Hinrichten? Was denn sonst?“

In berechtigte Sorge nach Freistädter Moschee-Zwischenfall mischt sich radikale Hetze

Aufrufe zur Selbstjustiz nach Zwischenfall in Freistädter Moschee auf der Facebook-Seite des Alif-Dachverbandes.
Aufrufe zur Selbstjustiz nach Zwischenfall in Freistädter Moschee auf der Facebook-Seite des Alif-Dachverbandes. © Screenshots: Facebook

Von Manfred Maurer

FREISTADT – Der Auftritt eines falschen Polizisten mit Softgun im Hosenbund versetzte, wie berichtet, am Samstag Muslime in der Freistädter Moschee in Aufregung. Keine drei Monate nach dem Massaker von Christchurch ist die Angst nachvollziehbar, auch wenn Ermittler den Möchtegern-Kollegen (18) als geistig beeinträchtigt einstufen und bislang keinerlei religiösen oder politischen Motive sehen. Im Moment des Zwischenfalls und angesichts einer nicht auf den ersten Blick als harmlos erkennbaren Softgun erscheint jede (Panik-)Reaktion verständlich.

Allerdings nützen Radikalinsiks den Zwischenfall, um von außen Öl ins Feuer zu gießen. Die Austria Linz Islamische Föderation (Alif), welche die Freistädter Moschee betreibt, lässt auf ihrer Facebook-Seite eine heftige Diskussion mit teils krass verhetzenden Beiträgen zu. Neben Kritik am Umstand, dass der junge Mann nach einer ersten Einvernahme auf freiem Fuß gesetzt wurde, gibt es auch mehrere Aufrufe zur Selbstjustiz. „Hofft nicht auf die Hilfe anderer, helft euch selbst“, ist noch ein vergleichsweise harmloser Aufruf. Ein User hätte „einen Vorschlag zur Güte“ für den Umgang mit dem falschen Polizisten: „Den Mann wegen erheblicher Gefahrenlage … bis zur Unkenntlichkeit verprügeln, Waffe abnehmen und anschließend der Polizei übergeben.“ Die Frage eines Chat-Teilnehmers, ob denn „der Spinner direkt hingerichtet werden“ sollte, wird prompt beantwortet: „Ja was denn sonst?!“

Die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) unternahm zumindest bis gestern keinen Kalmierungsversuch. Seit Montag steht auf deren Facebook-Seite nur ein „Dank an die muslimische Zivilgesellschaft, die sich hier seit den Morgenstunden lautstark zu Wort meldet!“

Die Behörden nehmen den Fall in allen Facetten ernst. Den 18-Jährigen erwartet noch diese Woche eine Einvernahme durch das Landesamt für Verfassungsschutz, welches aber auch die hetzerischen Postings sichert und zum Ermittlungsgegenstand macht, wie das VOLKSBLATT gestern aus Polizeikreisen erfuhr.

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