Hirntod und andere Probleme

An ihrem 70. Geburtstag hat die Nato nicht viel zu feiern

Erdogan und Macron bereiten der Nato Kopfzerbrechen.
Erdogan und Macron bereiten der Nato Kopfzerbrechen. © AFFP/Kose

Ihren 70. Geburtstag wollte die Nato eigentlich als „Erfolgsgeschichte“ feiern. Doch der heute beginnende Gipfel in London ist von Konflikten innerhalb der mächtigsten Militärallianz der Welt überschattet.

Weiter schwelt der Streit mit US-Präsident Donald Trump über die Verteidigungsausgaben, die Türkei überrumpelte die Verbündeten mit dem Einmarsch in Syrien und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron attestiert dem Bündnis gar den „Hirntod“.

Sieben Jahrzehnte nach der Nato-Gründung sollte der Gipfel ursprünglich beweisen, dass die Organisation zukunftsfähig ist. Der Weltraum wird neues militärisches Einsatzgebiet, die Allianz bekommt erstmals eigene Aufklärungsdrohnen und beginnt, ihre Position gegenüber der aufstrebenden Militärmacht China zu definieren. Doch nun stellt sich die Sinnfrage.

„Drei Dinge bereiten Probleme“, sagt ein Nato-Diplomat: „Das Verhalten von Donald Trump, die Türkei und Macron. Sie destabilisieren ein ohnehin schwieriges Gleichgewicht.“ Beim Gipfel gehe es deshalb „um Schadensbegrenzung“, sagt ein weiterer Bündnis-Diplomat. „Wir müssen in London Einigkeit zeigen.“

Das wird schwierig. Denn in London kommt schon der nächste interne Konflikt aufs Tapet: Griechenland kündigte am Montag an, die Nato im Streit mit der Türkei und Libyen um die Seegrenzen im östlichen Mittelmeer um Hilfe zu bitten. Griechenland sieht — wie auch Ägypten — dadurch seinen eigenen Rechte verletzt. Um die Aufteilung des Seegebiets im östlichen Mittelmeer gibt es schon lange Streit zwischen der Türkei und den anderen Anrainerstaaten. Im Zentrum des Konflikts steht die Ausbeutung der Gasvorkommen rund um Zypern.

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