Hitlers und andere Kindheiten

Linzer Stadtmuseen präsentieren ihr Programm für 2021 und ziehen Bilanz über das Coronajahr

Alain Laboile,Boudin, 2013
Alain Laboile, Boudin, 2013 © Alain Laboile

Die Ausstellungen waren ein Drittel des Jahres geschlossen, fast zwei Drittel weniger Besucher verzeichneten die Museen der Stadt Linz im Coronajahr 2020: gut 20.000 das Lentos, 7000 das Nordico.

Dafür freut sich Direktorin Hemma Schmutz über „Meilensteine“ wie digitale Formate: So wurden virtuelle Ausstellungsrundgänge gestaltet, die Fotosammlung des Nordico online erfasst und die Reihe „Spotlight on“ gestartet, die in Videos einzelne Kunstwerke vorstellt. 2020 wurde der Museumsshop im Lentos neu gestaltet und die Corporate Identity modernisiert, demnächst auch die Homepage. Mit der Sammlung Zamp-Kelp konnte bedeutende oö. Kunst erworben werden.

„Das Jahr hat die Kultur verändert, dennoch hat man viel neue Qualität dazugewonnen, wenn wir an die Digitalisierung denken, stimmt auch Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer ein. Nichtsdestrotrotz seien Live-Kunsterlebnisse, zu denen man die Menschen jetzt wieder ermutigen wolle, unersetzbar.

Reduziertes Programm

Dank eines Konsolidierungspaketes für alle Bereiche sei es gelungen, finanzielle Ausfälle aus eigener Kraft auszugleichen, so der kaufmännische Direktor Gerald Barounig. 40 Prozent der Umsätze seien 2020 entfallen. Einen Teil ersetzten Unterstützungen und Förderungen. Für 2021 geht Barounig von einem Budget, das ein wenig unter dem des vergangenen Jahres liegt, aus, soll heißen rund 4,2 Mio. Euro statt 4,6. Die Stadt schießt als Eigentümer wieder 950.000 Euro zu. Das Programm wurde entsprechend reduziert.

Sie hoffe, im Februar öffnen zu können, so Schmutz. Man sei bereit, dafür in Sachen Corona jegliche Form des Prozederes umzusetzen und warte auf entsprechende Instruktionen. „Ein Besuch im Museum ist jedenfalls weit weniger gefährlich als andere Dinge, die im Moment erlaubt sind.“ Um noch ausreichend Gelegenheit zum Besuch zu bieten, wurden laufende Ausstellungen verlängert, darunter jene zu Alfred Gertsch bis 18. April.

Künstlerinnen und Zeitgeschichte

YT
Video
Ich möchte eingebundene Social Media Inhalte sehen. Hierbei werden personenbezogene Daten (IP-Adresse o.ä.) übertragen. Diese Einstellung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in der Datenschutzerklärung oder unter dem Menüpunkt Cookies geändert werden.

Die Ausstellungen 2021 stehen im Zeichen von Künstlerinnen und Zeitgeschichte. Am 12. Mai startet im Großen Saal die neue Ausstellung „Wilde Kindheit“, die ein breites Publikum anziehen soll: Die internationale Gruppenausstellung beleuchtet mit Arbeiten von 170 Künstlern aus der Zeit von 1900 bis heute gesellschaftliche Entwicklungen. Ab 24. September füllt „Feministische Avantgarde aus der Sammlung Verbund“ die Museumswände. Die Ausstellung wurde u.a. bereits in London und Madrid gezeigt. „Auch für Österreich ist sie sehr spannend, weil etwa Auguste Kronheim, der das Lentos 2018 eine Retrospektive widmete, Teil davon ist“, so Schmutz.

Nachgeholt wird ab 24. März im Untergeschoß des Lentos die bereits für 2020 geplante Ausstellung „Transformation und Widerkehr“, im Rahmen derer sich zeitgenössische Künstler mit dem Thema Nationalismus auseinandersetzen. „Besonders spannend angesichts jüngster Ereignisse in den USA“, ergänzt Schmutz. Weitere Ausstellungen präsentieren Zeichnungen von Emmy Haesele (ab 25. Juni) und das Werk von Ida Maly, die 1941 Opfer des NS-Euthanasieprogramms wurde.

Im Nordico wird die Schau „Graffiti und Bananas“ bis 21. März verlängert. Ein Highlight, wenn auch kein selbst gestaltetes, wird ab 16. April geboten: Das Stadtmuseum übernimmt vom Haus der Geschichte in St. Pölten die Schau „Der junge Hitler — Prägende Jahre eines Diktators 1889-1914“ und hat dafür noch tiefer gegraben: „Wir werden neue Forschungsergebnisse präsentieren“, freut sich Nordico-Chefin Andrea Bina. Historiker Roman Sandgruber veröffentlicht ein Buch mit Korrespondenzen von Hitlers Vater Alois, Originale daraus sollen im Nordico ebenso gezeigt werden wie das Originalmanuskript zu jenem Buch, das Hitlers Jugendfreund August Kubizek einst veröffentlicht hat. Die zweite Ausstellung im Haus beschäftigt sich unter dem Titel „Gebaut für alle“ ab 3. September vor allem mit sozialem Wohnbau im Linz der Zwischenkriegszeit. Dabei werden dem Besucher wohlbekannte Gebäude wie das Parkbad begegnen.

Wie ist Ihre Meinung?