Hochexplosives Spezial-„Ei“ gefunden

Ur-Handgranate — Orsini-Bombe — im Kammerhofmuseum Gmunden

Johannes Weidinger, Leiter des Kammerhofmuseums Gmunden mit dem ehemals explosiven „Ei“.
Johannes Weidinger, Leiter des Kammerhofmuseums Gmunden mit dem ehemals explosiven „Ei“. © Stadtgemeinde Gmunden

Ein spezielles „Osterei“, man könnte es in Zeiten wie diesen auch als überdimensionales Corona-Virus sehen, wird künftig in der Kuriositäten-Vitrine im Gmundner Kammerhofmuseum zu sehen sein.

Das „Eisen-Ding“ löste im Februar Aufregung aus. Der Leiter des Kammerhofmuseums Johannes Weidinger hatte es beim Sichten von Sammlungsbeständen auf dem Dachboden des Pepöck-Hauses entdeckt und Explosives vermutet.

Stadtpolizei, Bundespolizei sowie Entminungs-Experten des Bundesheeres inspizierten das Ei. Schließlich identifizierte es der Spezialist des Heeres. Das sei wohl „ein ganz seltenes Stück fürs Museum“, meinte er. Und es sei harmlos, weil leer.

Drei Orsini-Bomben auf Kaiser Napoleon III.

Der Fund entpuppte sich als Orsini-Bombe, eine Frühform heutiger Handgranaten, wie sie vor allem europäische Anarchisten und Terroristen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzten. Felice Orsini, ein italienischer Revolutionär und Terrorist, hatte den Sprengkörper Ende 1857 entwickelt und selber als erster eingesetzt.

Er und Komplizen warfen am 14. Januar 1858 drei dieser Handgranaten auf Kaiser Napoleon III., als dieser zur Oper unterwegs war. Napoleon und seine Frau blieben unverletzt, aber es gab acht Tote und 142 Verletzte, unter ihnen Orsini. Funde belegen, dass die Konföderierten auch während des amerikanischen Bürgerkrieges diese Bomben einsetzten.

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Jeder der nicht nur gefährlich wirkenden Stacheln enthielt Knall-Quecksilber, das bei einem Aufprall eine Initialzündung auslöste und das Schwarzpulver im Bauch der Bombe zur Detonation brachte.

Außer der Gmundner Orsini-Bombe, die laut Prägung 1864 gebaut wurde, existiert in Österreich nur noch ein zweites Exemplar aus einer Sammlung von Kaiser Franz Joseph I. Es ist im Kunsthistorischen Museum in Wien ausgestellt.

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