Hochmotiviert in den Festspielsommer gestartet

Salzkammergut Festwochen eröffneten 34. Saison gleich doppelt

Eine Eröffnung unter nicht ganz gewohnten Bedingungen.
Eine Eröffnung unter nicht ganz gewohnten Bedingungen. © R. Gigler

Keine 100 Zuhörer saßen am Nachmittag im Konzertsaal Toscana Congress Gmunden, für die Abendvorstellung wurden 250 Karten verkauft. Die Salzkammergut Festwochen eröffneten am Donnerstag ihre heurige Ausgabe zweimal, und noch dazu mit keinem reduzierten Programm.

Mit Masken geschützt betrat ein junges international besetztes Orchester die Bühne und spielte dann gegen Corona siegreich an. Die störenden Bedingungen waren rasch weggefegt.

Erst seit 2018 musiziert das Oberton String Octet auch als Oberton+ als Kammerorchester auf höchstem Niveau mit absolut professioneller Attitüde, so wie man es von dem hochkarätigen Festival gewöhnt ist. Es hat sich anfangs kammermusikalisch durchwegs überzeugend vorgestellt mit Edvard Griegs 1884 entstandener Suite für Streichorchester „Aus Holbergs Zeit“ mit seiner kraftvoll nationalen Musiksprache, mit der das „Original-Genie“ gegen die romantische Bewegung eines Mendelssohn einst erfolgreich aufgetreten ist. Das braucht er heute nicht beweisen, obwohl einiges von seiner frischen Ausdrucksweise vielleicht nicht mehr punktet und gerade deshalb die ausgefeilte Gestaltung der „Obertöner“ dem Werk von Grieg schmeichelte. Dafür konnte der 25-jährige lettische, vielfach schon mit Preisen bedachte Konzertmeister Jevgenijs Cepoveckis garantieren.

So besiegte Beethoven alle Einschränkungen

Ebenso einnehmen konnte der Topgeiger mit seinem Streichoktett in den eigenen Arrangements von Liedern aus Schuberts „Winterreise“. Da fehlte rein gar nichts an der melodisch-harmonischen Struktur der Vokalkompositionen, indem die instrumental äußerst farbige Umsetzung jeweils durch hohe und tiefe Streicher die inhaltliche Auslotung noch steigerte. Enthusiastisch gefeiert wurde das für Beethoven und sein Gedenkjahr ins Programm genommene „Tripelkonzert“ op.56 mit den Rising-Stars Aaron Pilsan (Klavier), Cepoveckis (Violine) und Julia Hagen (Violoncello). Eine glückliche Wahl dieses für Streichorchester von Anselm Schaufler arrangierte literarische Ausnahmewerk mit mehreren Soloinstrumenten, als Sinfonia concertante eines der letzten seiner Art, (als letztes gilt das Doppelkonzert von Brahms) in dem das barocke Zeitalter in die klassische Epoche mündete. Neu erfunden hat es Beethoven lediglich durch den Einsatz des Klavierparts. Der tempostarke Zugriff des Ensembles ohne Einbuße präzisionstechnischer Ansprüche wurde zum Höhepunkt des Eröffnungskonzertes.

So besiegte Beethoven im Spielfieber der Musiker alle Einschränkungen der derzeitigen auf das Konzertleben sich auswirkenden Krise.

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