Hochwohlgeboren, am Ende

Ferenc Molnars Aristokraten-Komödie „Olympia“ auf Schloss Tillysburg

Von links: Magdalena Mair (Olympia), Hubert Wolf (Fürst Plata-Ettin), Karin Kienzer (Fürstin Eugenie)
Von links: Magdalena Mair (Olympia), Hubert Wolf (Fürst Plata-Ettin), Karin Kienzer (Fürstin Eugenie) © Palffy

Von Christian Pichler

Der Kaiser allgegenwärtig, sein Untertan Albert preist die „hervorragende österreichische Politik“. Krieg sei in den nächsten hundert Jahren praktisch ausgeschlossen, verkündet Albert. Doch seine Herrin, die Fürstin Eugenie, plagen derzeit andere Sorgen. Tochter Olympia flirtet mit dem Rittmeister Barna. Einem Bürgerlichen! Eine der unsäglichen Erfindungen der elenden Bourgeoisie die freie Presse, nicht auszudenken, wenn diese Wind bekäme von der Affäre.

Boshafter Abgesang auf die Aristokratie

Ein Kurort irgendwo in der kakanischen Monarchie, die exzellente österreichische Politik wird wohl bald in den 1. Weltkrieg stolpern. Ferenc Molnár (1878-1952), in Budapest geboren, berühmt geworden mit dem Vorstadtdrama „Liliom“ (1909), schrieb 1928 einen boshaften Abgesang auf die Aristokratie. Die Hochwohlgeborenen ignorant, borniert und der Sargnagel der Monarchie. Premiere von „Olympia“, einer Komödie in drei Akten, war am Donnerstag im herrlichen Innenhof von Schloss Tillysburg.

Magdalena Mair spielt die Olympia schön unterkühlt, Standesbewusstsein geht vor Eros und ihrer Zuneigung zu Barna. Man darf einen Mann nicht quälen, aber töten, hat die Fürstin Eugenie (sehr elegant: Karin Kienzer) in unergründlicher Weisheit geraten. Olympia folgt als brave Tochter, zerstört den armen Barna. Tätschelt mitleidig die Wange des Rittmeisters, seine Verliebtheit doch nur die Fantasie eines armen Bauern. Der aber kontert furios, stachelt mit einem Gerücht die Angst der feinen Damen vor einem Skandal an.

Leonhard Srajer ist ein ansehnlicher Barna, forsch und klar in seinem Auftreten. Unter den ulkigen älteren Herren sticht Hubert Wolf hervor, bekannt auch aus der Möbelfirma-Werbung, kaum wiederzuerkennen als schrulliges Familienoberhaupt. Kaisertreu und leicht gekränkt Clemens Aap Lindenberg als Albert, Stefan Wancura ein patscherter Gendarm, jederzeit bereit, Frauenehre mit dem Degen zu verteidigen. Claudia Dallinger verbirgt als blaublütige Lena wenig erfolgreich ihre sexuelle Lust hinter Entrüstung und netten kleinen Gehässigkeiten.

Mit einigem Bedacht auf Details inszeniert

Lisa Wildmann, gebürtige Linzerin, inszeniert diese „Olympia“ mit einigem Bedacht auf Details. Mit Mut zur Stille, wenn diese Schwätzer einmal verstummen und einfach nur — in all ihrer Würde — warten. Doch fehlt die letzte Schärfe, den untergehenden Figuren den festen Tritt in den Hintern zu verpassen, den Molnar für sie vorgesehen hatte. Flotte Unterhaltung über knapp hundert Minuten, die Aristokratie bekam nur Schrammen ab.

Bis 16. August, Karten: 0681/842 673 66

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