Höhen und Tiefen der Gefühlswelt

Händels selten gespielte Oper „Ariodante“ überzeugte und begeisterte am Landestheater Niederbayern in Passau

Reinhild Buchmayer (Polinesso) und Emily Fultz (Dalinda)
Reinhild Buchmayer (Polinesso) und Emily Fultz (Dalinda) © Peter Litvai

Von Rudolf Lessky

Die jüngste Premiere am Landestheater Niederbayern gestaltete sich in Passau zu einem vom Publikum umjubelten Erfolg: Georg Friedrich Händels Dramma per musica „Ariodante“ — 1735 in London uraufgeführt —, ein vierstündiges Meisterwerk, das allerdings heutzutage selten als Repertoire-Aufführung auf Spielplänen steht, konnte in einer auf drei Stunden reduzierten Fassung des international erfolgreichen englischen Regisseurs Stephen Medcalf in jeder Hinsicht überzeugen und begeistern.

Es geht in dem barocken Werk um den jungen Adeligen Ariodante, der die Königstochter Ginevra liebt und heiraten will. Polinesso will dies verhindern und möchte selbst an die Macht. Mit raffiniertem Verkleidungs- und Täuschungstrick wird Ginevra der Untreue bezichtigt, es kommt zum Selbstmordversuch von Adriodante und einem entscheidenden Ritterduell in voller Rüstung und mit echten Schwertern. Schließlich siegen Wahrheit und Liebe.

Voller emotionaler Einsatz der Sänger

Diese Höhen und Tiefen der Gefühlswelt von überschwänglicher Liebe und Freude über Eifersucht, Verrat und Intrigen bis Schwermut und Todesangst, von Händel in typisch barockem Affektwechsel gestaltet, wurde von den Sängerinnen und Sängern mit vollem emotionalen Einsatz in Gesang und Darstellung eindrucksvoll und überzeugend vermittelt. Überragend Sabine Noack — in der Hosenrolle des Titelhelden — beherrscht ähnlich wie Maria Pietsch als geliebte Ginevra alle Ausdrucksphasen der barocken Klangsprache. Reinhild Buchmayer (Mezzosopran) gab einen markanten machtgierigen Polinesso, Emily Fultz konnte als Dalinda die Herzen der Zuschauer auch hörbar für sich gewinnen.

In weiteren Rollen ergänzten Peter Tilch (König Il Re), Mark Wattson Williams (Lurcanio) und Gabriel Bittner (Odoardo) das Ensemble vorzüglich. In der praktisch– stilvollen Bühnengestaltung (Karlheinz Beer) und mit den in die Sechzigerjahre versetzten mittelalterlichen Kostümen (Iris Jedamski) lief das Bühnengeschehen in einer bis ins Detail ausgefeilten Übereinstimmung mit der Musik ab, die von Margherita Colombo temperamentvoll und stilsicher geleitet wurde. Überzeugend gelangen auch die Tanzeinlagen in der Choreografie von Michael Schneider. Der von Eleni Papakyriakou einstudierte Chor trug zum guten Gesamteindruck wesentlich bei.

Nächste Vorstellungen: 9., 10. (16 Uhr) und 29. März; 12., 20. und 21. (18 Uhr) April, jeweils 19.30 Uhr; Karten: 0049/851/9291913

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