Höhepunkt mit Bruckner

Jubiläumskonzert der St. Florianer Sängerknaben mit Franz Welser-Möst am Pult

Löst ohne große Geste Bruckners symphonische Spannungsfäden auf: Dirigent und Florianer Ehrenpräsident Franz Welser-Möst
Löst ohne große Geste Bruckners symphonische Spannungsfäden auf: Dirigent und Florianer Ehrenpräsident Franz Welser-Möst © (Hermann Wakolbinger)

Die St. Florianer Sängerknaben feiern heuer gemeinsam mit dem Augustiner-Chorherrenstift St. Florian ihr 950-jähriges Bestehen. Ein Höhepunkt der Festreihe war das Jubiläumskonzert am Freitag im Marmorsaal des Stiftes, der oftmaligen Heimstätte von Konzertereignissen der langjährigen Sängerknabenschar.

Dass es dieses Mal unter dem Ehrenpräsidenten der St. Florianer Sängerknaben Franz Welser Möst als Dirigent stattfinden konnte, war ein besonderes Ereignis. Dafür und für alle anderen notwendigen Zuwendungen dankte Leo Windtner als Obmann des Trägervereines und auch Landeshauptmann Thomas Stelzer, der immer wieder froh und stolz ist auf seine Sängerknaben.

Dann rückten sie ein auf die Bühne in ihren festlichen Trachten und in strammer Haltung, dahinter der Männerchor der einstigen St. Florianer Sängerknaben, für den ersten Teil des Chorkonzertes mit dem jungen Chorleiter Markus Stumpner und Altmeister Franz Farnberger als Klavierbegleiter.

Mit dem Chor „Also hat Gott die Welt geliebt“ von Heinrich Schütz (1585-1672), sowie dem „Tota pulchra es“ von Augustinus Franz Kropfreiter (1936-2003) und zwei Volksliedern stand vorerst gepflegter und homogener A-capella Chorgesang am Programm.

Es folgte mit Klavierbegleitung (Franz Farnberger) Franz Schuberts „Nachtgesang im Walde“ und aus Gustav Mahlers Rückert-Liedern „Um Mitternacht“, das Langzeit-Sängerknabe und inzwischen internationaler Solist Alois Mühlbacher vortrug. Mit „Wach auf, meins Herzens Schöne“ von Johann F. Reichardt (1752-1814) schloss der erste Teil des Festkonzertes für eine Kurzpause für das nun mitwirkende Brucknerorchester für Anton Bruckners großer d-Moll-Messe.

Sanfte Andacht, Gebet und Wohlklang

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Franz Welser-Möst dirigierte, Solist im Sopran ein Sängerknabe, mit Alois Mühlbacher (Alt), Matthäus Schmidlechner (Tenor) und Klemens Sander (Bass). Anton Bruckner komponierte die drei großen Messen neben und zwischen seinen ersten Symphonischen Entwürfen vor seinem Umzug nach Wien.

So ist auch in der d-Moll-Messe eine eigenartige Wende zu Bruckner als Symphoniker zu hören. Dem Chor und den Solisten sind große Textteile des lateinischen Ordinariums anvertraut und spannungsgeladene Kombinationen wechseln in den Bläserpassagen mit dem Streicherklang.

Franz Welser-Möst zieht ohne große Geste die symphonischen Spannungsfäden dieser sechsteiligen Messkomposition und löst die inhaltlich stimmungsvolle Dramatik auf in sanfte Andacht, Gebet und Schönklang. Mit Betroffenheit und langer Stille, nach dem „dona nobis pacem“, dankte ihm und allen Mitwirkenden die festliche Versammlung im Marmorsaal. Langer Applaus und Standing Ovations.

Von Christine Grubauer

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