„Höre erst auf, wenn ich die Augen zumache“

Sänger Waterloo wird 75 und spricht über die Liebe zur Natur, Corona & sein neues Album

Feiert am 27.11. seinen 75. Geburtstag: Waterloo alias Johann Kreuzmayr.
Feiert am 27.11. seinen 75. Geburtstag: Waterloo alias Johann Kreuzmayr. © picturedesk.com/Johannes Ehn

Wenn man ihn anruft, dann wartet man zu den altbekannten Klängen von „Hollywood“, bis er abhebt.

Und so, wie seine Musik positiv stimmt, tut das auch er: Morgen, Freitag, feiert Musikerlegende Waterloo alias Johann Kreuzmayr seinen 75. Geburtstag. Ans Aufhören denkt der beliebte oö. Sänger nicht.

Am „österreichischen Meer“ gut eingelebt

Seinen Geburtstag verbringt Waterloo „ganz in Ruhe“ zuhause. Seine „kleine Welt“ hat er vor zwei Jahren, wie er im VOLKSBLATT-Gespräch sagt, ans „österreichische Meer“, an den Neusiedlersee verlegt. „Vielleicht schaut wer von den Kindern vorbei, wenn´s zugelassen wird.“

In Mörbisch haben seine Frau Andrea und er sich wunderbar eingelebt: „Wir fühlen uns hier absolut wohl, es ist wunderschön.“ Oberösterreich werde er deshalb freilich nicht vergessen: „Ich bin ja ein Kind des Innviertels“, sagt der gebürtige Altheimer.

Viel Zeit verbringt Waterloo draußen, wandert mit seinem Hund durch die Weinberge und erkundet mit dem Fahrrad die Gegend. „Die Menschen hier sind lieb, und das ist das Wichtigste überhaupt“, so der Sänger. Die ruhige Zeit jetzt nutze er auch zum Nachdenken. Auftritte hat er coronabedingt bis auf drei dieses Jahr alle absagen müssen: „Natürlich geht es mir ab, von der Bühne aus den Menschen eine Freude zu bereiten.“

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Hören tut man aber trotzdem von ihm. So hat Waterloo gemeinsam mit anderen Austropop-Legenden wie Wolfgang Ambros den Titel „Mia san Österreich“ aufgenommen, der in schwierigen Zeiten Mut machen soll. Sein letztes eigenes Album, das 35., trägt den Titel „Alles Leben dieser Erde“. Ganz tolle österreichische Musiker hätten dabei mitgeholfen, so Kreuzmayr.

Mit seiner Musik eine Botschaft zu transportieren, ist dem langhaarigen Barden ganz wichtig, schließlich hat er — auch zur aktuellen Situation — viel zu sagen: „Ich hab´ genau gespürt, irgendetwas muss einmal kommen, damit auf der Welt zusammengeräumt wird.“ Man müsse sich wieder auf die schönen Dinge besinnen. „Ich will ja was von Österreich in die Welt hinausbringen, was sinnvoll ist“, sagt der Sänger. Und zwar keinen Alpenjodler, wo die anderen dann wieder sagen würden, die Österreicher seien Waldmenschen. Um seine Musik und seine Botschaften hinauszutragen, nutzt er auch Facebook und Co: „Musik ist die beste Politik, die beste Religion der Welt.“

Die Seele der Tiere & die Vorliebe fürs Indianische

Corona richte die Aufmerksamkeit der Menschen wieder auf sich selbst, auf Sauberkeit innen und außen. „Die ganzen Verschwörungstheorien brauchen wir nicht.“ Es gelte, die Natur, Mensch und Tier zu schützen. „Je älter man wird, umso mehr merkt man, wie beseelt Tiere sind, was für eine Seele ein Hendl hat, ein Vogel oder ein Wurm. Und da passe ich doch drauf auf.“Es komme immer wieder vor, dass er anhält, weil eine Schnecke gerade die Straße überquert und das Tier dann aus der Gefahrenzone bringt: „Das Gute, das ich tue, bekomme ich dann auch wieder zurück“, ist Waterloo überzeugt.

Zu seiner Naturverbundenheit gehört auch die Vorliebe für das Indianische. „Den Indianer“ trage er „wie die Musik“ immer schon in sich, sagt Waterloo: „Ich war schon als Kind nie ein weißer Cowboy, ich war immer ein Halbblut.“ Gerade die indigenen Völker liebe er sehr: „Das sind Riesenkulturen, die tausende Jahre zurückgehen. Von denen kannst du wirklich etwas lernen.“

Wenn er auf seine lange Karriere zurückblickt, erinnert sich der gelernte Tischler gern an die ersten Auftritte im Linzer Rosenstüberl oder an seine Zeit als Boutiquenbesitzer. 1974 gelang dem 1969 gegründeten Duo Waterloo & Robinson der große Durchbruch mit „Hollywood“, das elf Millionen Mal verkauft worden ist. „Dann kamen die großen Fernsehauftritte und der Erfolg hat sich durchgezogen bis jetzt.“ 1976 belegte das Duo mit „My Little World“ Platz 5 beim Song Contest. Und Waterloo ist bei allem Erfolg stets bescheiden geblieben: „Man freut sich einfach, sagt dankeschön, wir haben doch das richtige gemacht und tut weiter. Ich bin ein ganz normaler Mensch, der Freude am Leben hat und anderen eine Freude bereiten will.“ Seit der Trennung von Robinson 1981 ist Waterloo als Solokünstler unterwegs.

Unvergesslich für ihn auch, als er Ende der 1990er-Jahre den Winnetou bei den Karl May-Festspielen in Niederösterreich gespielt und dort seine jetzige Frau Andrea kennengelernt hat. Ein Glück, das bis heute anhält: „Ich sag immer, die Andrea steht wie der Dachstein oder der Großglockner hinter mir.“

Ausgetanzt hat hingegen der „Dancing Star“ in ihm: „Ich bin damals 2008 ausgesucht worden und hab´ überhaupt nicht tanzen können.“ Aber als Musiker habe man ja eh ein Gefühl für Rhythmus, das weiterhelfe. „Dann haben wir (Anm., Waterloo und Tanzpartnerin Alice Guschlbauer) Tag und Nacht getanzt und sind weit nach vorn gekommen.“ Waterloo schied in der siebten Runde aus. Das Tanzen hätte er aber danach wieder aufgehört.

Sein Gefühl für Musik hat Waterloo nicht nur beim Song Contest und bei „Dancing Stars“ viele Punkte und einen vorderen Platz eingebracht, sondern schon in der Volksschule geholfen: „Wenn ich eine schlechte Note gekriegt habe, habe ich den Lehrer einfach gefragt, ob ich vorsingen darf“, erinnert er sich lachend. Manche hätten ihm daraufhin eine bessere Note gegeben …

„Ich bin da, wenn man mich braucht“

Den Eurovision Song Contest sehe er immer noch jedes Jahr, sei auch in der Jury für den ORF und würde jederzeit wieder selbst antreten: „Ich bin da, wenn man mich braucht.“

So hält er es auch mit seiner Karriere: Ans Aufhören denkt Hansi Kreuzmayr nicht. „Ich bin dafür geboren. Aufhören kann ich erst dann, wenn ich die Augen zumache.“

Von Melanie Wagenhofer

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