Hörspielautorin Magda Woitzuck nimmt am Bachmann-Preis teil

„Ich bin ja nicht unbedingt eine Rampensau“, lacht Magda Woitzuck. Als Hörspielautorin gelingt es der Wienerin in der Regel gut, hinter ihren Texten in Deckung zu gehen. Nun aber die Teilnahme am Bachmann-Preis, bei dem öffentlich diskutiert wird. „Das live zu erleben, wäre für mich eine gruselige Vorstellung.“ Nun sollen die Teilnehmer aber wie im Vorjahr zu Hause bleiben. Glück gehabt? „Na ja, insgesamt ist es natürlich schon schade, dass es nicht normal stattfinden kann.“

Neo-Jurorin Vea Kaiser habe sie eingeladen, einen Text einzureichen, erzählt die 37-Jährige. „Eigentlich wollte ich ablehnen, weil ich damals wahnsinnig viel zu tun hatte. Mein Freund hat aber gesagt: Das lehnt man nicht ab!“ Ein Text wurde also geschrieben, fand Gefallen – und so kommt es, dass Woitzuck als eine von fünf Österreicherinnen und Österreichern ab 16. Juni beim Wettlesen an den Start geht.

Begonnen hat Woitzuck, die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Uni Wien studierte, als Prosaautorin. 2015 erschien dann ihr Roman „Über allem war Licht“. Wirklich erfolgreich wurde sie jedoch mit ihren Hörspielen. Schon am 21. Juni, am Tag nach der Preisverleihung in Klagenfurt, stellt SWR2 ihre neue Podcast-Serie „Shit happens – Erinnerungen einer Großdealerin“ online: 13 Folgen über eine Frau, die für den Handel mit einer Tonne Haschisch fünf Jahre im Gefängnis verbrachte. „Das ist zum ersten Mal eine Feature-Arbeit von mir.“ Und im Juli kommt das nächste Hörspiel, das von ORF und dem Hessischen Rundfunk produziert wurde.

Im angelsächsischen Raum boome das Hörspiel bereist seit Jahren, erzählt die Autorin, „bei uns dagegen wird es seit 20 Jahren totgeredet. Jetzt mit dem Erfolg der Podcasts stellt sich aber heraus, dass doch Luft nach oben ist.“ Dennoch sei es auch als mehrfach ausgezeichnete Autorin harte Arbeit, zu neuen Hörspielaufträgen zu kommen. „Ich hab’ da auch wahnsinnig viel Glück gehabt“, meint sie im Gespräch mit der APA.

Aufgewachsen ist Woitzuck als Tochter eines Mödlinger Vaters, der lange zur See gefahren ist, und einer polnischen Mutter, auf einem Bauernhof bei Neulengbach. „Meine Eltern waren sehr untypische Bauern, sie haben sich in das Abenteuer Biobauerhof gestürzt und ein sehr offenes Haus geführt, in dem immer auch viele Intellektuelle und Künstler aus und ein gegangen sind. Bei uns zu Hause wurde wahnsinnig viel gelesen und geredet.“ Aber auch Stall ausgemistet, Schafe geschoren und Schweine gefüttert. Aus dem Bauernhof wurde schließlich eine Pension, und die Tochter wusste: „Landwirtschaft und Gastronomie mache ich beides nicht!“ Heute wohnt sie zwar wieder auf dem einstigen Bauernhof, jedoch als freie Schriftstellerin. „Und Tiere gibt es auch nicht mehr – außer meinen Hund…“

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Für ihr bereits aufgenommenes Lese-Video hat sie sich eine stille Ecke im alten Heuboden ausgesucht, kein einfaches Unterfangen, „denn man glaubt ja gar nicht, wie laut es am Land sein kann“. Ihr Text sei „eine ganz klassische Kurzgeschichte, über eine Frau in den mittleren Jahren“, verrät sie.

Ein geläuterter IS-Soldat aus Syrien, der sich auf den Weg nach Europa macht, stand dagegen im Mittelpunkt ihres von Peter Kaizar und Philip Scheiner umgesetzten fünften Hörspiels „Die Schuhe der Braut“. Mit ihm trat sie 2018 im ZKM Karlsruhe beim ARD-Hörspielpreis an. „Dort sitzen 200 Leute, und man muss der Jury öffentlich Rede und Antwort stehen“, erzählt Woitzuck von einer Situation, die an Klagenfurt erinnert. „Das war echt hart, vor allem, weil auch das Publikum Fragen stellen durfte.“ Und – wie ist es ausgegangen? Woitzuck strahlt: „Ich habe gewonnen.“

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