Hofer sieht Post-Vorstand wegen Leiharbeit “rücktrittsreif”

Die FPÖ schießt sich im Zusammenhang mit der Coronakrise nun auf die Post ein. Für Parteichef Norbert Hofer ist der Vorstand wegen der Beschäftigung von Leiharbeitern rücktrittsreif, wie er im APA-Interview sagte. Die Lockerungen der Regierung kommen für ihn zu spät, er fordert ein Ende des “Rotztüchls” und die sofortige Öffnung der Grenzen zu den Nachbarstaaten.

“Weg damit!” Hofer hält nichts mehr von den auch nach den jüngsten Lockerungen weiterhin bestehenden Beschränkungen der Regierung. Zwar habe man die Maßnahmen zuerst noch mitgetragen, “aber wir wurden von der Regierung nicht über die Vorschläge der Experten informiert”, ärgert sich der FPÖ-Obmann. “Das Parlament muss natürlich richtig informiert sein, um auch richtig entscheiden zu können. Und das ist der große Sündenfall, der hier passiert ist”, so Hofer.

Auch wenn ein Untersuchungsausschuss zum Handeln der Regierung in der Coronakrise fürs Erste vom Tisch ist, glaubt Hofer, dass es irgendwann dazu kommen werde. Auch das Verhalten der Post solle ein Thema sein. Dort sei “leichtsinnigerweise Leiharbeit umgesetzt worden”, von dort ausgehend habe sich das Virus wieder verbreitet. “Wir haben eine Rekordarbeitslosigkeit und viele Menschen würden sich freuen, eine Anstellung bei der Post zu bekommen”, meint Hofer.

Was der FPÖ-Obmann nicht verstehen kann: “Dass wir bei der Post ein Management haben, das so gut bezahlt ist wie in kaum einen anderen Bereich. Von diesen Gagen träumt ein Bundespräsident nur.” Drei Vorstände erhielten in Summe 5,8 Mio. Euro Jahresgage “und dann passieren solche Fehler”. Selbst das Bundesheer müsse bei der Post aushelfen. Hofer: “Das Management hat versagt und ist in Wirklichkeit rücktrittsreif.”

Seinen Vergleich des Coronavirus mit der Grippe relativiert Hofer nun. “Es ist ja auch keine Grippe”, sagt er dazu – “aber man kann es durchaus vergleichen mit dem Rahmen der Gefährlichkeit”. Die Grippe sei zudem eine unterschätzte Krankheit. “Wenn wir uns ähnliche Hygienemaßnahmen angewöhnen, wie in der Coronakrise, dann wird es auch positive Auswirkungen bei der Grippe haben”, glaubt er.

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Zudem fragt sich Hofer, ob es künftig auch bei anderen Virenerkrankungen ähnliche Maßnahmen wie gegen das Coronavirus geben soll, wie etwa die Installation einer App. Ob er diese selbst installiert hat? “Natürlich nicht!” Darum und auch aus anderen Gründen will die FPÖ auch weiterhin Demonstrationen gegen den “Corona-Wahnsinn” veranstalten, denn: “Dieses Rotztüchl, das man sich ins Gesicht hängen muss, ist ja mehr Schaden als Nutzen.”

Nicht zuletzt will Hofer – der zum Ausbruch der Krise vehement die sofortige Schließung der Grenzen gefordert hatte – nun auch die sofortige Grenzöffnung. Kroatien etwa sei überhaupt kein Hotspot, ganz im Gegenteil. Die Regierung könne einfach nicht loslassen: “Man ist Opfer der eigenen Propaganda geworden.” Den Verdacht etwa aus Italien des “Tourismusdumping” teilt der FPÖ-Chef zum Teil. “Ich bin ich ein großer Freund des Urlaubs in Österreich, aber so wird es nicht funktionieren.”

Für den aus Politik und Partei ausgeschiedenen Johann Gudenus hat Hofer Lob übrig: “Gudenus hat sich im Nachfeld von Ibiza wie ein Herr verhalten”, so der FPÖ-Chef. Mit dem weiteren “Hauptdarsteller” im Video, Heinz-Christian Strache, will sich dessen Nachfolger am liebsten nicht mehr beschäftigen. Die Parteireform wurde wegen der Coronakrise auf Jahresende verschoben.

Strache und Gudenus sind am ersten Tag des Ibiza-Untersuchungsausschusses als Zeugen geladen. Interessant ist für Hofer allerdings das vollständige Ibiza-Video, das nun in den Händen der Ermittler liegt. Von Strache erwartet sich Hofer nichts Neues im Ausschuss. Dass dieser nun ausgerechnet zum Konkurrenten bei der Wien-Wahl wird, lässt dessen Nachfolger kalt: “Ich habe für mich beschlossen, mich nicht mehr mit dem zu befassen, was der ehemalige Obmann jetzt tut. Weil ich war monatelang damit befasst im Nationalrats-Wahlkampf und das reicht für ein ganzes Leben.”

Überhaupt heiße der Gegner in Wien Rot-Türkis-Grün, “das sind die Player, die für uns wesentlich sind”, findet Hofer. Daher wolle man sich in Wien auch gar nicht erst in eine Auseinandersetzung mit dem “Team Strache” begeben: “Das ist ja genau das, was die DAÖ will: polemisieren um dann auf Basis dieser Auseinandersetzung stärker zu werden. Das wäre unsinnig.” Von Straches Detektivrechnungen auf Kosten der Partei hat Hofer laut eigener Aussage nichts gewusst.

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