Honda HR-V: Er fährt seinen eigenen Weg

Glattgebügelte SUV, die sich höchstes am Logo erkennen lassen, gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Doch es gibt auch gefällige Ausnahmen, eine davon ist der Honda HR-V, der einerseits eine markante Front zur Schau stellt und andererseits mit scharf gezeichneten Linien an der Seite Sportlichkeit signalisiert und dessen Heck schließlich coupéartig abfällt.

Die dynamische Note des Wagens unterstreichen dann auch noch die in die hinteren Seitenfenster eingelassenen Türschnallen sowie die zwei Auspuffrohre. Fast, als wollte der Japaner sagen: „Bleibt schön hinter mir.“

Typenschein

Honda HR-V 1.5 VTEC Turbo Sport MT

Preis: ab € 31.790,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 32.505,- inklusive Platinum Grey Premiumlackierung € 715,-; einen Honda HR-V (1.5 i-VTEC Comfort) gibt es ab € 23.290,-
NoVA/Steuer: 4 %/ € 768,96 jährlich
Garantie: 3 Jahre bis max. 100.000 km, 3 Jahre Lackgarantie, 12 Jahre gegen Durchrostung
Service: laut Serviceheft bzw. Bordcomputer

Technische Daten:
Motor: R4, 16V, Turbolader, 1498 cm³, 134 kW/182 PS bei 5500 U/min, max. Drehmoment 240 Nm bei 1900-5000 U/min
Getriebe: Sechsgangschaltung
Antrieb: Frontantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 215 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,8 s
Leistungsgewicht: 7,35 kg/PS
WLTP-Verbrauch: 6,7 Liter
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 7,0 Liter
CO2-Ausstoß: 135 g/km
NOx: 0,006 g/km; Euro 6

Eckdaten:
L/B/H: 4346/2019/1605 mm
Radstand: 2610 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1338/1790 kg
Kofferraum: 448-1043 Liter
Tank: 50 Liter (Benzin)
Reifen: 4 x 225/50 R18 94V auf 18“-Alus

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/RSR/LDW
Airbags: 6

Denn der HR-V Sport gehört einer rasch wachsenden Gruppe, eher klein dimensionierten SUV, an – er ist gerade einmal 4346 Millimeter lang –, die dafür ordentlich Schmalz unter der Haube haben. Der HR-V Sport entpuppt sich alsdann auch als Brandstifter im Biedermannkleid.

Der aufgeladene 1,5-Liter-Benziner mit seinen 182 Pferdchen bringt den 1,3-Tonner zügig auf Touren. In 7,8 Sekunden knackt der Japaner die Hundertermarke und währenddessen hat man sich durch die exakte, leichtgängige und kurz gehaltene Gangschaltung in den sechsten Gang hinaufgearbeitet – was das anbelangt macht der Zusatz „Sport“ dem HR-V alle Ehre.

Sportlich hart gefedert bügelt der Japaner die Bodenunebenheiten geschmeidig weg und seine Trumpfkarte spielt er in schnellen Kurvenpassagen aus; die nimmt er zügig, locker mit Bravour, hält dabei knallhart die Linie und neigt erst spät zum Untersteuern. Das kapitale Fahrverhalten runden noch die präzise und leichtgängige Lenkung sowie die fein dosierbaren Bremsen ab. Begleitet wird das sportliche Fahrgefühl von einem satten Röhren des Vierzylinders, der früh auf Touren kommt.

Größtes Manko ist dann jedoch der Verbrauch. Zwischen sieben und acht Liter sind die Regel. Selbst im Eco-Modus (der grüne Knopf dafür ist auf der linken Seite gut versteckt), sind Werte unter sieben Litern eher die Ausnahme. Gepaart mit lediglich 50 Liter Tankvolumen ergibt sich so eine eher bescheidene Reichweite von ungefähr 650 Kilometern.

Sicherheitstechnisch ausgestattet ist der 32.500 Euro teure Japaner ab Werk mit City-Notbremsassistent, Verkehrszeichenerkennung, Fernlichtassistent und Spurhaltewarner. Ein adaptiver Tempomat fehlt leider ebenso, wie ein Spurhalteassistent. Hier zeigt sich der HR-V nicht auf der Höhe der Zeit.

Innen setzt Honda auf den Farbton Rot: Große Teile der breit geschnittenen sowie die Mittelarmlehne sind mit dunkelrotem Leder bezogen. Mittelkonsole und Armaturenbrett haben den gleichen Farbton. Dabei handelt es sich jedoch um Kunststoff, der durch angedeutete Ziernähte eine Leder-Anmutung erzeugt.

Generell geht der HR-V auch innen einen eigenen Weg. Das Cockpit mit deutlichem Knick ist äußerst fahrerorientiert, die Form und asymmetrische Anordnung der Lüftungsdüsen der Klimaanlage lässt darüber hinaus das Cockpit verspielt und exzentrisch wirken.

Als Kommandozentrale fungiert der sieben Zoll große Touchscreen, der jedoch träge reagiert und auch von der Menülogik Schwächen aufweist. So muss man beispielsweise beim Umschalten vom Navi aufs Radio umständlich über den Startbildschirm navigieren.

Davon abgesehen zeigt sich der Bildschirm glasklar mit gestochen scharfen Bildern – dasselbe trifft auch auf die Rückfahrkamera zu. Hinter dem wuchtigen Lederlenkrad, das mit allerlei Knöpfen und Schaltern gespickt ist, hat der HR-V drei Rundinstrumente: links den Drehzahlmesser, in der Mitte den Tacho und rechts eine Infoanzeige im frühen 90er-Jahre-Look.

Das Platzangebot geht im sportlichen SUV absolut in Ordnung. Wie für Honda typisch haben sich die Entwickler für den Innenraum etliche pragmatische Lösungen überlegt: So können zum Beispiel die hinteren Sitze, im Honda-Sprech „Magic Seats“ genannt, umgebaut werden – auch hier geht also der Japaner seinen eigenen Weg.

Neben dem klassischen Umklappen der zweiten Reihe sind ihre Sitzflächen zusätzlich wie im Kino nach oben verschiebbar, wodurch sich hinter der ersten Reihe eine solide Zusatzladefläche zum Kofferraum erschließt.

Dessen Ladekante liegt (gerade für ein SUV) übrigens ziemlich tief, und beim Umklappen wir die Ladefläche fast perfekt eben. So wird der HR-V – der übrigens auf derselben Plattform wie der Kleinwagen Jazz steht – auch zum Raumwunder mit einem Stauraumvermögen von 448 bis 1043 Liter und Transporteur von bis zu 2,445 Meter langen Gegenständen.

Fazit: Nicht gerade billig, aber fair in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis und ein Raumwunder obendrein. Fahrtechnisch eine Wucht, assistenztechnisch hinkt er ein wenig nach.

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