Hongkong kommt nicht zur Ruhe

Flughafen weiter von Demonstranten blockiert — Warnung vor Intervention Chinas

Demonstrantin mit Augenklappe, die daran erinnert, dass eine Frau bei einer Polizeiaktion das Augenlicht verlor.
Demonstrantin mit Augenklappe, die daran erinnert, dass eine Frau bei einer Polizeiaktion das Augenlicht verlor. © AFP/Fong

Die Demonstrationen am Hongkonger Flughafen haben am Dienstag erneut so große Ausmaße angenommen, dass der Airport alle Check-ins ausgesetzt hat. Die Passagiere wurden aufgefordert, die Terminals zu verlassen. Bereits am Montag war der Flugverkehr zusammengebrochen.

Tausende Demonstranten hatten eine Menschenkette gebildet und den Passagieren die Zugänge zu den Abflugbereichen versperrt. Am Abend kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen. Dutzende Polizeibeamte drangen in den besetzten Airport ein. Die Demonstranten errichteten Barrikaden. Kurz darauf zogen sich die Polizisten zunächst wieder zurück.

Die Regierungschefin der Sonderverwaltungszone, Carrie Lam, warnte vor massiven Auswirkungen auf das Finanzzentrum. „Hongkong als offene, freie, sehr tolerante, wirtschaftlich stabile Stadt wird schwere Wunden davontragen“, sagte sie. Die Erholung könnte lange dauern, so ihre Befürchtung. Allerdings hat Lam das brutale Vorgehen der Polizei gegen die Demokratie-Bewegung zu verantworten.

Und auch den Auslöser der Proteste, ein inzwischen zurückgezogenes Gesetz, das Auslieferungen an China ermöglicht hätte, hat Lam produziert. Der Hang-Seng-Aktienindex der Hongkonger Börse fiel am Dienstag um knapp zwei Prozent auf den niedrigsten Stand seit sieben Monaten.

Ex-Gouverneur mahnt Peking zur Weisheit

Neben der negativen Einflüsse der Turbulenzen auf die wirtschaftliche Entwicklung macht vor allem die Haltung Pekings Sorge. Der letzte britische Gouverneur von Hongkong, Chris Patten, sprach am Dienstag eine Warnung an China aus. Er erklärte, eine Intervention in der ehemaligen Kronkolonie wäre „eine Katastrophe“, und zwar sowohl für China als auch für Hongkong.

Chinas Staatschef Xi Jinping sollte die Weisheit des Versuchs sehen, die Menschen zusammenzubringen, so Patten. Die Warnung aus Peking vor „anderen Methoden“ wäre kontraproduktiv.

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