Horvath in der Wachau

Riesenerfolg für „Geschichten aus dem Wiener Wald“ in Weißenkirchen

Alfred (Martin Oberhauser) und die Großmutter (Waltraud Haas, 91)
Alfred (Martin Oberhauser) und die Großmutter (Waltraud Haas, 91) © Rolf Bock

Von Ingo Rickl

Ödön von Horvath war einer der kompromisslosesten und mit unbarmherziger Schärfe die Bosheit der Menschen entlarvender Dramatiker des beginnenden 19. Jahrhunderts. Alle Typen, die Horvath auf die Bühne stellt, sind vor allem in seinen „Geschichten aus dem Wiener Wald“ besonders ausgeprägt. Dieses Dramas der menschlichen Unzulänglichkeiten haben sich nun die Wachau-Festspiele im Weißenkirchener Teisenhoferhof angenommen. Und dies mit Riesenerfolg. Das Geheimnis: Jede der tragenden Rollen ist punktgenau besetzt, wofür Intendant Markus Strahl und Regisseur Martin Gesslbauer, der durch seine präzise Personen- und Dialogregie brillierte, sorgten.

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Marianne, Tochter des Spielwarenhändlers Zauberkönig, wird zum Opfer der sie umgebenden Menschen. Der verwitwete Haustyrann, der seine Tochter ausnutzt: Er hat Marianne dem bigotten, sadistischen Fleischer Oskar versprochen. Just bei der Verlobungsfeier verliebt sie sich in den Strizzi Alfred. Das uneheliche Kind namens Leopold wird zu Alfreds scheinmoralischer Großmutter und seiner Mutter abgeschoben. Marianne wird von ihrem Vater verstoßen, Alfred verlässt sie und sie landet im Nachtlokal Maxim, später gar im Gefängnis, kommt aber wieder frei.

Am Ende ist der kleine Leopold tot, umgebracht von der Großmutter. Das in dieser Inszenierung „tödliche Ende“ für Marianne folgt auf dem Fuße: Sie wird von Oskar wie ein Stück Vieh abgeschleppt.

Bewundernswerte Krenn, Haas unübertrefflich böse

Die bewundernswerteste Leistung liegt bei Anna Sophie Krenn als Marianne. Die sprachlich und mimisch auftrumpfende Kärntnerin lässt alle Facetten dieser Marianne effektvoll miterleben.

Oskar ist Intendant Marcus Strahl, der sich selbst die Rolle des Grauens aussuchen durfte und scheinheilig bis zur Selbstverleugnung auskostet. Martin Oberhauser ist als Alfred fast zu sympathisch.

Dann sind da neben perfekten Typen wie Nici Neiss als Valerie, Birgit Wolf als Alfreds Mutter, Gerhard Karzel als Rittmeister und Gregor Villukas als Havlitschek, noch die beiden — man verzeihe — unvergleichbaren alten Komödianten, die ihre menschlichen Schwächen als Horvaths populäre Figuren im negativen Sinn perfekt zu Schau tragen: Waltraud Haas als unübertrefflich böse, ihre Verwandten verachtende Großmutter und Christian Futterknecht als effektvoll wehleidiger und gegenüber seiner Tochter mitleidloser Zauberkönig.

Wir bleiben dabei: „Geschichten aus dem Wiener Wald“, gespielt wie diesmal in Weißenkirchen, ist kein Volksstück, von der Tragikomödie liegt der Betonung dem ersten Teil der Wortschöpfung.

Bis 9. September; Karten: Ö-Ticket