Horvath in Weißenkirchen als großer Erfolg für Waltraut Haas

Als letzte Theaterfest-Premiere dieses Sommers ist Freitagabend in Weißenkirchen im Teisenhoferhof Ödön von Horvaths Volksstück-Klassiker „Geschichten aus dem Wiener Wald“ in einer stupenden Inszenierung von Martin Gesslbauer zur Aufführung gelangt. Ein beeindruckender Abend – und nicht zuletzt ein beachtlicher Erfolg für Waltraut Haas (91) in der Rolle der bösesten aller Bühnen-Großmütter.

Es war ein ebenso gewitzter wie gewagter Schachzug von Marcus Strahl, Intendant der Wachaufestspiele, just dieses Stück an einem der Handlungsschauplätze – eben der Wachau – auf den Spielplan zu setzen. Strahl selbst verkörpert den Fleischhauer Oskar – seinerzeit Paraderolle u.a. für Helmut Qualtinger – in einem gefährlich anmutenden Mix aus Freundlichkeit und Brutalität. Eine Kombination, die auch den meisten anderen Charakteren innewohnt und in den entlarvenden Horvath’schen Dialogen zum Vorschein kommt.

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Martin Oberhauser überzeugt als wunderbar windiger Alfred, Nici Neiss spielt eine herrlich hysterische Valerie, Anna Sophie Krenn steigert sich als Marianne zur Dolorosa, Christian Futterknecht gibt den ausgepowerten Zauberkönig, Regisseur Gesslbauer ist ein prächtiger Jungpreuße Erwin. Nicht verschwiegen werden dürfen auch die Darsteller des Männergesang- und Theatervereins D’Wachauer, die sich in diversen Nebenrollen bestens integriert fanden.

Das Bühnenbild – auch hier war Martin Gesslbauer zuständig – wirkt relativ nüchtern, verzichtet auf jeglichen folkloristischen Schnickschnack und wird mit effektvollen Projektionen von Andreas Ivancsics erweitert. Christine Zauchinger bringt die Kostüme akkurat auf den Punkt. Ein wenig zu viel des Guten bewirkt lediglich die fast permanente Strauß’sche Hintergrundmusik.

Waltraut Haas springt als garstige Großmutter über ihren Mariandl-Schatten, verleiht dieser Figur in ihrer Hassliebe zum Enkel Alfred viele Ausdrucksfacetten zwischen galliger Bitterkeit und hämischer Neugierde und wird selbst in dieser Rolle einer herrischen, beängstigend teuflischen alten Frau noch zur absoluten Sympathieträgerin. Eine bewundernswerte, große Leistung.

Somit eine überaus gelungene Produktion, die nicht nur den hochkarätigen Abschluss der Theaterfest-Saison bildet, sondern überdies den erfreulichen Nachweis erbringt, dass man auch im niederösterreichischen Sommer durchaus mehr als seichte Unterhaltung erwarten darf. Für 2019 wird die Uraufführung der Komödie „Arbeit für das Donauweibchen“ von Susanne Felicitas Wolf angekündigt.

(S E R V I C E – Wachaufestspiele Weißenkirchen: Ödön von Horvath, „Geschichten aus dem Wiener Wald“. Regie: Martin Gesslbauer, mit Waltraut Haas, Martin Oberhauser, Marcus Strahl, Nici Neiss, Anna Sophie Krenn, Christian Futterknecht. Weitere Vorstellungen bis 9. September, Tickets und Information: Tel. 02715 / 2268, )