Hundert Kamele für die männliche Braut

Premiere Kulturfabrik Helfenberg: „Manche mögen's verschleiert“ von Michael Niavarani

„Manche mögen's verschleiert“ punktete in Helfenberg mit Action und Slapstick.
„Manche mögen's verschleiert“ punktete in Helfenberg mit Action und Slapstick. © Reinhard Winkler

Von Eva Hammer

Ein Mann verkleidet sich als Frau, um heimlich bei der Liebsten zu sein, ein anderer Mann verliebt sich unsterblich in eben diese(n). Mann persifliert Frau garantiert Lacher. Beklemmung könnte allerdings aufkommen vor dem Hintergrund einer muslimischen Familie. Leilas Bruder Mahmud kehrt als Fundamentalist aus dem Jemen zurück, trifft seine Geschwister als total verwestlichte Menschen, Schwester Leila (großartig: Soffi Schweighofer) will mit ihrem Freund Armand gar nach Amerika gehen.

Schwarze Fläche mit schönen Augen

Mahmud, nun Familienoberhaupt, verbietet Leila die Beziehung zu Armand, sperrt sie in ihr Zimmer, scheut auch vor Gewalt nicht zurück. Bruder Sinna (Mirkan Öncel) will er zur Bekehrung in den Jemen schicken. Macht- und ratlos folgen ihm die Geschwister, sie fühlen sich dem geliebten Bruder verpflichtet. So weit so Gänsehaut. „Manche mögen’s verschleiert“ heißt die heurige Sommerproduktion in Helfenberg, eine Komödie von Michael Niavarani nach dem französischen Film „Voll verschleiert“. Premiere war am Mittwoch.

Doch keine Zeit zum Grübeln. Es zählt nur die Gaudi. Problemlos gelangt Armand zu seiner Liebsten, als er im Niqab (Vollverschleierung mit Augenschlitz) erscheint und sich als Religionslehrerin ausgibt. Mahmut verliebt sich auf den ersten Blick in „die schwarze Fläche“ mit den schönen Augen. Traditionsgemäß will er beim Vater um ihre Hand anhalten. Armands Eltern — er Kommunist, sie eine Linkslinke — sind persischer Herkunft, beide politisch höchst aktiv. Eine Glanzrolle für Brigitta Waschnig als feministische Gluckenmutter. Bei einer Demo gegen die Unterdrückung moslemischer Frauen lässt sie die Hüllen fallen. Ihr verkleideter Sohn gerät in den Auflauf. Dilemma der Polizei — die Frau verhaften, die sich zu weit auszieht, oder die andere, die zu viel anhat. Der Sohn outet sich. Armands Eltern wollen dem religiösen Wahn ein drastisches Ende setzen. Sie inszenieren sich als rechtgläubig islamische Familie, als Mahmoud um die Hand der vermeintlichen Tochter wirbt. Markus Subramaniam als vorerst noch glaubensstarker Mahmoud wankt, als er 100 Kamele für die Braut zahlen soll, auch sein fanatischer Mitbruder Farid beginnt an den Dogmen zu zweifeln.

Herr des Slapsticks ist als Armand, Okan Cömert. Keine Frage, das Stück behandelt brennende Themen. Sie gehen allerdings in Tempo und Trubel unter. Klamauk und Blödelei bremsen jede Sozialkritik, Vollgas fahren Action und Slapstick. Bleibt ein gelungenes Boulevardstück mit hervorragenden Schauspielern und jeder Menge Gags. Die Besucher mögen’s. Stürmischer Applaus und begeistertes Getrampel, als der Autor zum Schlussapplaus erscheint.

Termine, 19.30 Uhr, Juli: 26., 27., 28., 31.; August: 1., 2., 3., 7., 8., 9., 10., 11.; 4. 15 Uhr; Info und Karten: www.theaterinderkulturfabrik.at

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