Hurra, die Schule geht wieder los!

Die Sommerferien enden und damit beginnt in Oberösterreich für insgesamt knapp 190.000 Schüler am Montag wieder oder erstmals der Schulalltag. Bei vielen ist die Vorfreude groß, bei manchen macht sich hingegen Stress breit. Wie es gelingen kann, den Einstieg ins neue Schuljahr gut zu meistern und auch im Schulalltag entspannt zu bleiben, weiß Katharina Spitzbart von der Abteilung Schulpsychologie-Schulärztlicher Dienst in Oberösterreich.

So groß kann die Freude zum Schulstart sein! Macht sich doch Stress breit, helfen die Schulpsychologischen Beratungsstellen gerne weiter. © APA/Hochmuth

Trennungs- oder Prüfungsängste, Mobbing, Leistungsschwierigkeiten, Lernstrategien, Bildungslaufbahn-Entscheidungen, Stressthematiken — eventuell mit unerklärlichen körperlichen Symptomen wie Kopf- oder Bauchweh, Hilfestellungen für Lehrpersonen oder für die Gesprächsführung …

Das Spektrum der Themen für die die Schulpsychologischen Beratungsstellen der Bildungsdirektion OÖ Hilfestellungen anbieten, ist breit gefächert. Katharina Spitzbart koordiniert die Schulpsychologie in der Bildungsregion Gmunden-Vöcklabruck und empfängt in ihrem Büro an der Traun große und kleine Menschen, die Unterstützung benötigen.

Es kommen Schüler, Eltern und Lehrer mit ihren Anliegen. Die 35-jährige Gmundnerin betont, dass es wichtig sei, sich nicht zu scheuen, anzurufen. Die Schulpsychologischen Beratungsstellen sind öffentliche Einrichtungen und die Betreuerinnen unterliegen der Verschwiegenheitspflicht. Jede Bildungsregion hat ihre eigene Beratungsstelle. Die Büros befinden sich in Urfahr, Ried/Innkreis, Steyr, Gmunden und Wels. Die Zuständigkeit richtet sich nach dem Schulstandort.

Die studierte Psychologin Katharina Spitzbart berät seit zehn Jahren leidenschaftlich. Im Volksblatt-Gespräch erläuterte sie ihre Tipps für einen gelungenen Start ins neue Schuljahr und eine möglichst entspannte Schulzeit:

  • In den Ferien Ferien machen! Schüler brauchen Erholungszeit und sollen die Freizeit genießen. Langeweile ist gesund und trägt dazu bei, dass man wieder kreativ werden kann.
  • Rechtzeitig mit der Vorbereitung beginnen. Stressfrei alles ordnen und herrichten. Eine halbe Stunde effektive Vorbereitung am Tag ist hier schon viel.

Gute Vorsätze

  • Gute Vorsätze schreiben — so wie zu Neujahr. Ein konkretes Bild schaffen, von dem, was ich als Schüler erreichen möchte. Sich fragen: Was ist mir für das heurige Schuljahr wichtig?
    Das können übrigens auch die Eltern tun. Vielleicht ist es an der Zeit, sich zu entschließen, etwas Verantwortung an das Kind abzugeben.
  • Es gibt Fakten, die man selbst nicht beeinflussen kann. Wenn beispielsweise im neuen Schuljahr Klassen zusammengelegt werden oder ein Lehrerwechsel stattfindet. Hier ist es wichtig, die Dinge gelassen zu akzeptieren und zu versuchen, eine gute Zusammenarbeit mit den Lehrern zu finden. Manches muss man in Kauf nehmen und einfach darauf vertrauen, dass alles gut wird.
  • Nicht zu viel aufschieben. Am besten immer mitlernen und die Hausübung auch zum Üben nützen. Wenn Unklarheiten auftauchen, den Lehrer fragen. Das kann auch ein wichtiges Feedback für den Lehrer sein. Das darf man sich ruhig trauen! Wenn die Eltern immer helfen, denkt sich der Lehrer vielleicht, die Schüler können alles, obwohl es noch Erklärungsbedarf gäbe.
  • Wenn etwas schief läuft, nicht zu viel Drama machen. Entsteht Leistungsdruck gilt es zu hinterfragen, ob es an Zeitmangel (Stoffmenge) liegt oder um inhaltliche Überforderung geht. Ist Letzteres der Fall, ist zu empfehlen, sich ehestmöglich Unterstützung zu holen — Nachhilfe, Eltern, Geschwister könnten hier Anlaufstellen sein. Wichtig: Nicht zu lange warten, damit sich nichts zusammenläppert. Entsteht der Leistungsdruck durch Zeitmangel, sollten die Prioritäten überprüft werden. Was ist jetzt wichtig? Wichtiges sollte zügig erledigt und nicht zu sehr auf die lange Bank geschoben werden. Von einer guten Vorbereitung und Organisation (auch am Schreibtisch) kann hier profitiert werden.

Druck hinterfragen

  • Natürlich können hinter einem Leistungsabfall auch soziale Konflikte stecken. Es gibt oft Alltagsstreitereien, die die Schüler untereinander austragen. Aber es gibt natürlich auch Situationen, in denen ein Machtungleichgewicht herrscht und Mobbing vorliegt. Es ist wichtig, hier nicht im stillen Kämmerlein zu sitzen, sondern die Dinge offen anzusprechen — die Mitschüler direkt anzureden, die Hilfe von Konfliktpeers anzunehmen oder Unterstützung von Erwachsenen zu suchen. Zuerst kann das der Betroffene selbst versuchen. Bei Schülern, die sich das nicht trauen, sind die Bezugspersonen gefordert. Lehrer kennen ihre Schüler und eine wachsame Sorge ist hier angebracht. Am besten das Kind direkt fragen, wie es ihm geht oder schildern, was einem auffällt. Kinder spüren das sehr gut. Hier kann man dem Kind die Hand reichen oder eine Brücke bauen und das gibt ein Stück weit Sicherheit.

Neue Schule

  • Wechselt ein Kind die Schule ist es wichtig, sich vorher gut zu informieren, das Alltagspraktische abzuklären: Wie sieht das Schulgebäude aus? Wer sind die neuen Lehrer, Eltern, Mitschüler? Wie ist der neue Schulweg? Wie ändern sich meine Tagesroutinen? Vor allem in der Früh sollte ausreichend Zeit eingeplant werden.
    Kommen Kinder in die Volksschule oder in die Sekundarstufe 1, freuen sich die meisten darauf. Es ist wichtig, dass die Eltern hier keine Ängste schüren. Sätze wie „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“ sind zu vermeiden. Es ist besser, Mut zuzusprechen und keine zu große Sache daraus zu machen. Für Volksschüler sollte man zu Hause einen eigenen schönen Arbeitsplatz herrichten, Schultasche und Schulsachen gemeinsam kaufen. Eltern sollten sich damit auseinandersetzen, dass jetzt eine neue Lebensphase beginnt, das Kind wird wieder ein Stück autonomer. Sie können sich in Erinnerung rufen, wie die eigene Erfahrung damals war, und diese aber abgrenzen von den Kindern, denn die können ganz andere Erfahrungen machen. Es ist wichtig, Zutrauen zu vermitteln.
  • Ein zunehmendes Thema ist auch der digitale Stress — vor allem für Eltern. Sie wollen wissen, ob ein eigenes Handy nötig ist, wieviel Zeit mit dem Handy okay ist, wie sie mit den Reaktionen umgehen sollen, wenn sie das Handy als Strafe einkassieren. Auch der Aufenthalt in sozialen Netzwerken und die Preisgabe von Daten ist ein Thema. Hier sind Präventionsprogramme wichtig. Es gibt eine Kriminalprävention von der Polizei. Diese informiert in den Schulen.

Mut zur Pause

  • Und einer der wichtigsten Tipps zum Thema Lernen: Pausen nicht unterschätzen! Eine Mittagspause nach der Schule ist wünschenswert. Nach einer halben bis dreiviertel Stunde Lernen sollte spätestens eine Pause erfolgen, bei Volksschülern alle 15 bis 20 Minuten. Diese aber bitte ohne Medien verbringen! Man ist nicht schneller beim Lernen, wenn man die Pausen weglässt.

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www.lsr-ooe.gv.at/schulpsychologie-schulaerztlicher-dienst/schulpsychologie/

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