Hypo-Chef Klaus Kumpfmüller: „Nachhaltigkeit als Schwerpunkt“

Der neue Hypo-Chef Klaus Kumpfmüller sieht in ethischen Veranlagungen einen klaren Trend

„Wir werden mit unseren Kundinnen und Kunden weiterhin persönlich kommunizieren aber selbstverständlich auch das digitale Angebot ausbauen“, sagt der neue Generaldirektor der Hypo Oberösterreich, Klaus Kumpfmüller.
„Wir werden mit unseren Kundinnen und Kunden weiterhin persönlich kommunizieren aber selbstverständlich auch das digitale Angebot ausbauen“, sagt der neue Generaldirektor der Hypo Oberösterreich, Klaus Kumpfmüller. © Wakolbinger/Hypo OÖ

Seit 10. August ist Klaus Kumpfmüller Vorstandsvorsitzender der Hypo Oberösterreich.

Im Interview spricht der gebürtige Schärdinger über die zukünftige Ausrichtung der Bank, Dividenden und die notwendige Reform der Finanzmarktaufsicht (FMA).

VOLKSBLATT: Wie fühlt sich für Sie die Rückkehr zur Hypo an?

KUMPFMÜLLER: Ich bin mitten in der Einarbeitungsphase; und diese ist mit vielen positiven Erlebnissen und Überraschungen verknüpft.

Inwieweit?

Weil ich viele Themen aus meiner vorherigen Zeit bei der Hypo Oberösterreich kenne und auch etliche ehemalige Kollegen wieder treffe – und das macht mir viel Freude. Wir sind aber auch dabei, Weichenstellungen für das Geschäftsmodell der Zukunft für die Hypo zu treffen.

Welche?

Die Bank muss sich weiterentwickeln, denn die Branche ist in einem Transformationsprozess.

Sie sprechen da die Digitalisierung an.

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Natürlich. Es geht darum, wohin wir uns als Bank in Bezug auf die eigenen Geschäftsprozesse und die Kommunikation mit den Kunden entwickeln. Da hat natürlich Corona vielen Unternehmen einen Schub gegeben. Unser Zugang ist, dass wir weiterhin über mehrere Kanäle, von Angesicht zu Angesicht aber auch online, mit unseren Kunden kommunizieren wollen.

Was heißt das für Filialnetz und Anzahl der Mitarbeiter?

Bei unserem kleinen, aber feinen Filialnetz mit zwölf Zweigstellen sind kurzfristig keine Änderungen geplant. Der Mitarbeiterstand mit gut 400 wird in etwa gleichbleiben. Wir nutzen aber die natürliche Fluktuation, um in den Bereichen nachzubesetzen, in denen wir Bedarf haben.

Wo und wie wollen Sie dann Neukunden gewinnen?

Wir wollen weiterhin Privatkunden betreuen, unser Retail-Geschäft forcieren. Auf der anderen Seite wollen wir unsere gute Marktposition bei Wohnbauträgern und institutionellen Kunden stärken, dafür ist die Anzahl der Filialen sekundär.

Stichwort Corona-Krise.

Wir hatten etwa 1100 Stundungen beziehungsweise Überbrückungsfinanzierungen, hauptsächlich bei Geschäftskunden. Als Bank von institutionellen Kunden und Freiberuflern war bei uns die Lage überschaubar. Gemerkt haben wir, dass die Menschen vermehrt gespart haben und dass es im Wertpapiergeschäft massive Umsatzzuwächse gegeben hat. Wir haben im ersten Halbjahr höhere Aktienumsätze gehabt als im Gesamtjahr 2019.

Wird die Hypo eine Dividende zahlen?

Das hängt primär vom Ergebnis ab, aber jetzt ist es zu früh, darüber zu reden. Von den Empfehlungen der Aufsicht an die Banken, keine Dividende auszuschütten, halte ich nichts.

Warum?

Den Vorstandsetagen der Banken vorzuwerfen, sie würden verantwortungslos handeln, halte ich für verfehlt. Jeder Geschäftsleiter einer Bank wird nur dann eine Dividende vorschlagen, wenn es die finanzielle Situation des Instituts zulässt. Man kann den Geschäftsleitern einer Bank schon zutrauen, dass sie vorausschauend agieren. Bedenklich ist auch, dass wir durch solche Eingriffe den ohnehin schon unterentwickelten Kapitalmarkt in Österreich dadurch zusätzlich schwächen.

Der FMA wurde in Bezug auf den Betrugsfall bei der Commerzialbank Mattersburg Versagen vorgeworfen.

Die Schuldigen sind in erster Linie Herr Pucher und seine Kollegen; wenn die Vorwürfe stimmen und natürlich gilt die Unschuldsvermutung. Bevor aber die FMA ins Spiel kommt, gab es interne – etwa Aufsichtsrat – und externe – etwa Wirtschaftsprüfer – Kontrollmechanismen, die nicht funktioniert haben. Der FMA nun primär die Schuld zu geben, halte ich für einen unbegründeten Reflex. Nichtsdestotrotz muss die FMA reformiert werden. Ich habe damals als FMA-Chef meine Vorschläge gemacht, die auch von der damaligen Regierung aufgegriffen worden sind. Prinzipiell war schon alles fix und fertig. Aber dann kam Ibiza und das Gesetz wurde nicht mehr vom Parlament beschlossen.

Welche Trends sehen Sie?

Die Kunden tendieren zu nachhaltigen, ökologischen, sauberen, sinnvollen Investments. Wir positionieren uns auch dahingehend, wie auch unser Nachhaltigkeitsrating zeigt.

Mit HYPO-Generaldirektor KLAUS KUMPFMÜLLER sprach Oliver Koch

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