Chef der Internationalen Atomenergiebehörde Amano gestorben

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien, Yukiya Amano, ist bereits am 18. Juli gestorben. Das teilte ein Sprecher am Montag mit. Mit Rücksicht auf den Wunsch der Familie wurde sein Tod aber erst jetzt bekannt gegeben. Der Japaner wurde 72 Jahre alt. Amano war seit 2009 im Amt. Er hatte in letzter Zeit offenbar mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Erst in der Vorwoche war bekannt geworden, dass er ein vorzeitiges Ausscheiden aus seinem Amt mit März 2020 anstrebte. Seine Amtszeit wäre noch bis November 2021 gelaufen. Im vergangenen Herbst hatte die internationale Organisation mitgeteilt, dass sich ihr Generaldirektor einem nicht näher erläuterten medizinischen Eingriff unterzogen habe. Angaben zur Krankheit wurden nicht gemacht. Bei öffentlichen Auftritten wirkte der IAEO-Chef aber zunehmend gebrechlicher.

In Amanos Amtszeit fiel die Unterzeichnung des internationalen Atomabkommens in Wien zwischen dem Iran sowie Großbritannien, China, Frankreich, Deutschland, Russland und den USA im Jahr 2015. Im vergangenen Jahr kündigten die USA den Vertrag einseitig auf und verhängten neue Sanktionen gegen Teheran.

Die IAEO-Flagge am UNO-Gebäude in Wien wurde auf halbmast gesetzt. Die österreichischen Staatsspitzen zeigten sich betroffen über den Tod Amanos. “Mit Yukiya Amano verlieren die internationale Gemeinschaft und der Amtssitz Wien eine wichtige Persönlichkeit im Kampf um den nuklearen Frieden”, hieß es von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein zeigte sich “tieftraurig” über Amanos Tod, wie es in einem Tweet von Regierungssprecher Alexander Winterstein hieß.

Die US-Mission bei den internationalen Organisationen in Wien würdigte Amano als einen “großen Freund” der Vereinigten Staaten und “aller Befürworter der Nichtverbreitung von Atomwaffen”, wie Botschafterin Jackie Wolcott mitteilte. Lassina Zerbo, Chef der ebenfalls in Wien ansässigen Atomteststopp-Behörde CTBTO, die weltweit Atomwaffentests überwacht, zeigte ebenfalls sein Bedauern über Amanos Ableben. “Er war ein vorbildlicher Diplomat und Vertreter Japans, der sich für die Verwirklichung einer friedlicheren und prosperierenderen Welt einsetzte.”

Der Iran bedauert den Tod von Amano. “Wir hatten eine sehr enge Zusammenarbeit und haben seine fachkundige und professionelle Arbeit stets geschätzt”, twitterte Vizeaußenminister Abbas Araqchi, der Atom-Chefverhandler des Landes.

Die IAEO muss nun inmitten der Spannungen zwischen dem Iran und den USA einen Nachfolger für Amano suchen. Über die Ernennung des neuen Chefs entscheiden Vertreter der 35 Staaten, die zusammen den Gouverneursrat bilden. Wann ein Nachfolger ernannt wird, ist bisher offen. Bewerben will sich der argentinische Botschafter bei der IAEO, Rafael Grossi. Diplomaten gehen davon aus, dass auch der Rumäne Cornel Feruta kandidieren wird, der derzeit Chefkoordinator der Behörde ist. Darüber hinaus könnten noch andere Bewerber ins Rennen gehen. Es wird aber kein Kurswechsel der IAEO bei wichtigen Themen wie etwa den Konflikten mit dem Iran und mit Nordkorea erwartet.

Die IAEO hat 171 Mitgliedstaaten. Sie spielt eine zentrale Rolle im Kampf gegen die Verbreitung von Atomwaffen.

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