Iberisches Derby mit großer Unbekannter

Portugal und Spanien gehen mit imposanten Serien in den ersten echten WM-Schlager — Wie wirkt sich der Trainerwechsel aus?

21
Fernando gegen Fernando: Portugals Santos (ganz oben) trifft auf Spaniens neuen Teamchef Hierro.Duell der Top-Stürmer: Cristiano Ronaldo (l.) und Diego Costa.

Von Roland Korntner

Das iberische Derby in Gruppe B zwischen Portugal und Spanien, das am Freitag (20 Uhr/live ORF eins) in Sotschi über die Bühne geht, ist der erste ganz große Schlager der Fußball-Weltmeisterschaft 2018. Mit einer ganz großen Unbekannten: Wie regiert das Team des Mit-Favoriten Spanien auf den Rauswurf von Trainer Julen Lopetegui, der am Mittwoch von Verbandsboss Luis Rubiales wegen der Umstände seines Wechsel zu Real Madrid gefeuert wurde? Mit Verunsicherung? Oder nach dem Motto Jetzt-Erst-Recht? Fix ist, dass Fernando Hierro, bisher Sportdirektor, das schlingernde Schiff in Richtung zweiten WM-Titel nach 2010 führen soll. Denn der bleibt das ganz große Ziel: „Wir haben keine Zeit, an etwas anderes zu denken“, gab Hierro als Devise vor. Aber klar ist, dass sich schon heute zeigen wird, ob das spanische Team funktioniert, oder ob der Wechsel Sand ins Getriebe bringt. Denn mit Lopetegui trat auch das gesamte bisherige Trainerteam die Heimreise an, ein neuer, dreiköpfiger Stab wurde eingeflogen.

„Keine Rechtfertigung für irgendwas“

„Alles, was passiert ist in den vergangenen Tagen, taugt nicht als Rechtfertigung für irgendwas“, stellte Hierro gleich einmal klar. Der Erfolgslauf soll dementsprechend fortgesetzt werden. Die bisher letzte Niederlage kassierte Spanien 2016 im EM-Viertelfinale gegen Italien, seitdem gab es in 20 Matches bei sechs Remis 14 Siege, darunter unter anderem ein 6:1 gegen Argentinien, ein 3:0 gegen Italien und ein 2:0 gegen Frankreich. So sehen eigentlich Favoriten aus. Doch auch Portugal reiste mit einer imposanten Serie nach Russland. Der Europameister ist bei Endrunden (EM und WM) seit neun Matches ungeschlagen und hat von den letzten 24 Pflichtspielen (EM-Endrunde bzw. WM- und EM-Qualifikation) 19 gewonnen und nur ein einziges (gegen die Schweiz) verloren. Das Motto gab Superstar Cristiano Ronaldo vor: „Wir werden dasselbe tun wie 2016: bis zum Ende kämpfen und sehen, was passiert“, hielt der Torjäger den Ball flach. Insgeheim träumen die Portugiesen aber natürlich gleich von einem Ausrufezeichen zum WM-Auftakt, vom Sieg über den großen Nachbarn. Die sind ähnlich rar gesät wie jene Österreichs gegen Deutschland.

Die Bilanz spricht klar für Spanien

  • Von bisher 36 Begegnungen konnte Portugal nur sechs gewinnen, aber gleich 17 wurden verloren. So auch die beiden bisher wichtigsten:
  • 2010 setzte sich Spanien auf dem Weg zum WM-Titel im Achtelfinale mit 1:0 (Torschütze Villa) durch.
  • Im torlosen EM-Halbfinale 2012 hatten ebenfalls die Spanier mit 4:2 im Elferschießen das bessere Ende für sich.
  • Von bisher acht Pflichtspielen konnten die Portugiesen nur ein einziges gewinnen, nämlich bei der Heim-EM 2004 mit 1:0.