Ibiza-Feeling und 35 Grad beim Nova Rock

Ibiza-Feeling hat am dritten Tag des Nova Rock Festivals im Burgenland geherrscht – nicht nur, weil die Sonne mit Temperaturen um die 35 Grad im Schatten vom Himmel brannte. “Going To Ibiza” von den Vengaboys diente der Polit-Punkrock-Gruppe Feine Sahne Fischfilet als Intro. Zu dieser Zeit trockneten Powerwolf noch ihre Bühnenkleider, um sie am Samstag in Nickelsdorf wieder zu verschwitzen.

Feine Sahne Fischfilet hatte mit ihrer energischen Darbietung rasch das Publikum im Griff, Schnapsfontänen und Schlauchbootfahrten über die Köpfe der wild abtanzenden Menge gehörten da ebenso dazu wie klare politische Botschaften des Sängers Jan “Monchi” Gorkow gegen Homophobie, Rassismus, Fremdenhass und faschistische Tendenzen. “Ist das geil!”, brüllte der Frontman – das rasch angewachsene Publikum vor der Blue Stage stimmte zu und feierte bis zum letzten Ton. Parallel dazu setzen JBO auf puren Klamauk und begeisterten damit ihre Fans.

Powerwolf waren erst zu späterer Stunde am Programm, was Keyboarder Falk Maria Schlegel angesichts der tropischen Umstände freute. “Unsere Outfits sind noch von der gestrigen Show nass”, sagte der Deutsche im APA-Interview. Mit Kostümen und an Messen erinnernden Show-Elementen sind Powerwolf bekannt geworden. Aber auch die Musik kommt an: Zweimal stand man an der Spitze der Charts. “Für uns als Heavy Metal Band ist das zwar nicht so relevant, weil wir uns natürlich als Underground sehen”, so Schlegel. “Aber diese Subkultur ist gewachsen und es gibt viele treue Seelen, die unsere Alben kaufen und die die konstruierten Popsternchen vom Thron stoßen. Ich finde das schon ganz nett.”

Die Maskierung für die Auftritte sei gerade bei solchen Temperaturen “durchaus eine Herausforderung. Man muss schon aufpassen, dass man nicht von der Bühne kippt”, lachte der Keyboarder. “Das Make-up anlegen und die Kostüme anziehen, das kostet Zeit. Wir sagen immer zum Spaß: ‘Wer hat sich das denn ausgedacht?’ Gleichzeitig könnte ich mir das gar nicht mehr vorstellen, darauf zu verzichten. Ich würde mir eher verkleidet vorkommen, wenn ich mit Jeans und T-Shirt auf der Bühne stehe.”

Bleibt nur die Frage, wie man als Powermetal-Band auf die Idee kommt, die Bühnenshow als eine Art Messe anzulegen? “Wir stammen aus einer katholisch geprägten Gegend in Deutschland und haben auch eine katholische Erziehung genossen mit der ganzen Liturgie der katholischen Kirche, die ich fast schon unheimlich fand”, antwortete Schlegel. “Ich habe gelernt, Kirchenorgel zu spielen – und irgendwann angefangen, Heavy Metal zu hören. Diese Musik wurde zu einer Lebenseinstellung, zu einer Art Religion. Das Spiel mit Symbolen der katholischen Kirche haben wir schließlich etwas verändert und in unsere Show übernommen, aber nicht verunglimpft.”

Ein gänzlich anderes Genre bediente Schlegels deutscher Landsmann Rin: Der Rapper war sich seiner Außenseiterstellung auf einem Rockfestival bewusst, machte aber aus der Not eine Tugend und holte das zunächst eher spärlich vertretene Publikum schnell ins Boot. “Könnt ihr Moshpit?”, fragte Renato Simunovic, wie Rin bürgerlich heißt, bereits beim zweiten Song und ließ von seinem DJ einen enorm basslastigen Beat aus den Boxen knallen. Dementsprechend flogen nicht nur die Hände in die Luft, während Rin seiner Stimme eine reichhaltige Autotune-Behandlung unterzog.

Aber es sollte nicht der einzige Rapkünstler an diesem Tag blieben: Immerhin sind vor den Headlinern Die Toten Hosen noch RAF Camora und Bonez MC angesetzt – und die haben heuer im Frühjahr immerhin zweimal hintereinander die Wiener Stadthalle ausverkauft. Sprechgesang mit elektronisch unterfütterten Sounds, die sich bei Dancehall und Trap bedienen, das kommt beim jungen Publikum eben an. Vielleicht auch bei Rockfans.

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