„Ich bin gerne in Österreich, liebe auch Ihre Sprache“

Stargeiger Enrico Onofri gestaltet morgen mit dem Ensemble Castor ein Adventkonzert bei musica sacra

Enrico Onofri (52) aus der Region Ravenna, Spezialist für Alte Musik, Professor der größten und weltältesten Musikabteilung Alte Musik in Palermo, weilt dieser Tage wieder in Linz, um in seinem Fach bei zwei Veranstaltungen präsent zu sein.

Am Donnerstag leitete er in Kooperation mit dem Musikgymnasium Linz ein Konzert im Brucknerhaus (siehe Kritik), morgen musiziert der italienische Stargeiger bei musica sacra mit dem Ensemble Castor im zweiten Adventkonzert in der Minoritenkirche.

VOLKSBLATT: Nach Ihrem Sensationsdebüt 2015 sind Sie nun zum zweiten Mal bei musica sacra in Linz. Mit dem Ensemble Castor unter Petra Samhaber-Eckhardt bringen Sie Ihr aktuelles Programm aus Pastoralmusik berühmter Komponisten zur Aufführung.

ENRICO ONOFRI: Ich bin gerne in Österreich, liebe auch Ihre Sprache, der ich leider nicht mächtig bin, aber die Sprache der Musik ist ja bekanntlich international.

Wie geht es nach Linz weiter?

In Portugal werde ich mit einem modernen Orchester auf klassischen Instrumenten Bachs „Magnificat“ und Werke von Bach-Sohn Philipp Emanuel aufführen, danach in Sevilla Händels „Aggripina“ dirigieren.

Arbeiten Sie zur Zeit auch am Bühnenwerken und läuft dies parallel zur Alten Musik?

Das lässt sich schwer trennen, denn ich bin nun einmal als Barockgeiger bekannt und bilde schließlich auch den Nachwuchs für dieses Fach aus — derzeit 16 Studenten aus aller Herren Länder. Die Pultarbeit betreibe ich parallel dazu und bin Gastdirigent vieler Orchester, z. B. der Haydn Philharmonie in Eisenstadt, wo ich mit Beethovens 1. und 7. Sinfonie gastieren werde.

Wann ist die Pflege der Alten Musik auf historischen Instrumenten in einer originalen Aufführungspraxis so richtig in Mode gekommen und welche Länder hatten eine Vorreiterrolle?

Als Pioniere galten früher die Holländer. Die Entdeckung der Alten Musik und der besondere Hang zu einem alten Instrumentarium entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg, da kam auch die historische Aufführungspraxis in Mode. Wertvolle Pionierarbeit leisteten dafür Nikolaus Harnoncourt oder auch Dirigent, Cembalist und Organist Gustav Leonhardt aus Amsterdam.

Wann haben Sie Ihre Liebe zur Alten Musik entdeckt?

Relativ spät. Mit 14 Jahren kam ich zur Geige und erst ab dem 16. Lebensjahr begann ich, mich für die Barockvioline und die Barockmusik zu begeistern.

Worin liegt der Unterschied zwischen klassischer und alter Violine?

„To play an instrument is a physical work.“ Das Wissen ist es, die Quellenforschung von großer Wichtigkeit, für die Technik natürlich auch die Phrasierung und das Atemholen. Es heißt einen langen Weg der Ausbildung zu gehen und erfordert in Italien eine Ausbildung von fünf Jahren.

Wie viele Geigen besitzen Sie?

Leider keine Stradivari, aber ein klassisches Instrument aus der Werkstatt Thier und eine Kopie italienischer Geigenbaukunst aus dem 18. Jahrhundert.

Komponieren Sie auch?

In meiner Jugend habe ich komponiert, aber im Barockstil eigentlich weniger.

Mit ENRICO ONOFRI sprach Georgina Szeless

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