„Ich bin keine zum Nebenbeihören“

Die oberösterreichische Sängerin Lylit singt Neues, schreibt für Conchita und ist eine Träumerin

Sie sang mit den Wiener Symphonikern, der Parov Stelar Band, bekam einen Plattenvertrag in den USA und schrieb alle Songs auf dem neuen Album von Conchita. Morgen erscheint die neue Solo-EP der Oberösterreicherin Eva Klampfer, besser bekannt als Lylit.

VOLKSBLATT: Geboren in Salzburg, aufgewachsen im Innviertel, klassische Klavierausbildung und Jazzgesang an der Linzer Bruckneruni — wollten Sie schon immer eine musikalische Laufbahn einschlagen?

LYLIT: Es hat sich so ergeben. Ich habe als Kind wirklich nur Klavier gespielt und gesungen, mit zwölf einen eigenen Gospelchor mit meinen Schulfreundinnen gegründet. Wir waren der Renner! Mit 14 bin ich dann nach Linz und habe klassisches Klavier studiert und schon viele Konzerte gespielt. Da gab’s keinen großen Gedanken, etwas anderes zu machen.

Sind Sie mit den neuen Songs stilistisch richtig angekommen?

Ich glaube, ich bin das erste Mal richtig angekommen. Ich habe immer das Thema gehabt, dass ich mich sehr schnell in verschiedenen Musikstilen zuhause fühle und da habe ich dann eigentlich gar nicht genau gewusst: Wer bin ich eigentlich, wie möchte ich eigentlich klingen? Das war so ein Reise. Jetzt habe ich das Gefühl: Das passt total. Das spürt man dann erst so richtig auf der Bühne, da kommt die Wahrheit raus.

Wie würden Sie denn Ihren Stil jetzt beschreiben?

Ich schreibe sehr intensive Musik, ich bin keine zum Nebenbeihören. Es geht immer darum, etwas Tiefes zu erkunden. Das ist in meinem Privatleben so, das ist in meinem Berufsleben so. Ich mag gerne den nicht geraden Weg gehen, ich mag gerne ein bisschen schlängeln und erkunden, was sonst noch so ist. Stilistisch ist der Soul definitiv hörbar, weil das kriegt man aus meiner Stimme nicht mehr raus. Es ist aber schon auch viel elektronischer geworden und ich stehe ja sehr auf starke Beats, habe auch so Soul- und R&B-Ein- flüsse. DJ und Produzent Mark Ronson sagt immer, er schreibe „sad bangers“, das trifft auf mich auch zu.

Die Veröffentlichung der EP „Aurora“ morgen fällt mit Ihrem Auftritt in der Linzer Stadtwerkstatt zusammen. Gibt es noch starke Verbindungen zu Ihrer Heimat?

Ja sehr. Ich habe hier zwei kleine Nichten, also mich zieht es immer wieder nach Oberösterreich. Die wichtige prägende Zeit, da war ich immer in Linz und deswegen ist noch immer eine starke Verbindung da.

In den USA waren Sie durch Verträge daran gehindert, zu veröffentlichen. Wie fühlt es sich an, jetzt wieder die eigene Musik herauszubringen?

Unbeschreiblich. Ich hatte damals einen Plattenvertrag bei jemanden, der alle meine Idole herausgebracht hat. Das hat alles begonnen wie ein Traum. Diese Produzenten, die in den 90ern erfolgreich waren, haben diesen Wechsel in die neue Zeit nicht überstanden. Das war schwierig, weil ich nicht mehr aus dem Vertrag herausgekommen bin, obwohl der schon pleite war. Deswegen fühlt sich das jetzt so an wie ein Befreiungsschlag. Was ist Musik, wenn man sie nicht veröffentlichen kann? Das ist ganz komisch, wenn man vor sich hinschreibt und es hört nie jemand. Man wird dann auch immer komischer. Das ist jetzt wieder ein Lebenszeichen von mir, im September kommt dann ein Album.

Was machen Sie denn am liebsten? Komponieren, im Studio einspielen, auf der Bühne stehen?

Auf der Bühne! Es ist alles schön, aber am Ende des Tages ist die Bühne das, was mich am meisten erfüllt.

Sie haben alle Songs auf Conchitas neuem Album „Truth Over Magnitude“ komponiert und getextet. Wie herausfordernd war es denn, diesen künstlerischen Neustart von Tom Neuwirth musikalisch umzusetzen?

Als ich von ihm gefragt worden bin, ob ich das Album schreiben will, habe ich gesagt: Machen wir einmal zwei, drei Nummern und schauen wir, wie es läuft. Im Grunde war das ja ein Prozess. Dass er sich so ganz neu erfindet, das ist währenddessen passiert. Wir haben viele Gespräche geführt, weil wenn man die Texte für jemanden schreiben soll, dann muss man den Menschen wirklich gut kennen. Das war mein Anspruch, denn ich will keine allgemeinen Texte schreiben, sondern welche, die auf ihn zugeschnitten sind. Ich habe dann gemerkt, ok, die Transformation von der Glam-Conchita zu seinem jetzigen Ich, das ist das Hauptthema.

Sie sind ja für die Eröffnung der Wiener Festwochen schon mit den Wiener Symphonikern auf der Bühne gestanden. Was kann denn da jetzt noch kommen?

Da geht noch viel. Aber die Symphoniker, das war schon ein unglaublicher Traum. Die waren ja alle so lieb und angetan, das war so schön. Das werde ich nie vergessen: Die Kulisse vor dem Burgtheater, 60.000 Leute, die Symphoniker im Rücken, echt ein Traum. Jetzt wünsche ich mir einfach, dass ich mein Publikum finde, das dasselbe empfindet wie ich bei meiner Musik. Das ist mir mal wichtig. Und da gibt es so wundervolle Festivals, auf denen ich mal spielen möchte. Da geht noch ganz viel. Weiterhin schön international touren … da ist noch Luft nach oben.

Welches Festival?

Coachella! Wenn man schon vom Traum redet …

Mit EVA KLAMPFER alias LYLIT sprach Mariella Moshammer