„Ich habe auf der Bühne schon immer wahnsinnig gerne geredet“

Musikkabarettist Jo Strauss gastiert am 22. Februar im Posthof Linz

Auf der Bühne verschmelzen bei der erschaffenen Kunstfigur Jo Strauss Musik und Kabarett zu einem Ganzen. Aktuell ist der Künstler mit seinem Album „Der blinde Fleck“ auf Tour.
Auf der Bühne verschmelzen bei der erschaffenen Kunstfigur Jo Strauss Musik und Kabarett zu einem Ganzen. Aktuell ist der Künstler mit seinem Album „Der blinde Fleck“ auf Tour. © Klaus Bernardi

Von Andreas Huber

„Sprache ist ein sehr feines Instrument“, sagt Jo Strauss. Der Musiker und Kabarettist, der aktuell in Linz lebt, muss es wissen. Im Gespräch mit dem VOLKSBLATT erzählt er über die Idee der Verschmelzung von Konzert und Kabarett: „Ich habe zwischen meinen Musikstücken auf der Bühne immer wahnsinnig gerne geredet und geredet. Dabei hatte ich jedoch nie die Intention, wirkliches Kabarett zu machen. Mir wurde dann empfohlen, mich doch für so einen Kabarettpreis zu bewerben. Den habe ich dann ,aus Versehen’ sogar gewonnen.“ Strauss spricht von der bayrischen Auszeichnung „Scharfrichter Beil“, die er 2014 erhielt.

Ludwig Hirsch und Tom Waits als Vorbilder

Doch alles begann schon wesentlich früher: Bereits seit 2009 ist Jo Strauss mit seiner Musik solo unterwegs. Über die Jahre hinweg formiert er um sich eine Band, die zum ersten Mal 2013 auf seinem Debütalbum zu hören ist und ihn fortan auch live begleitet. Von Klavier, E-Gitarren und Schlagzeug umrahmt, variiert das Spektrum von Blues und Jazz über Pop bis hin zum Wiener Lied.

Große musikalische, aber vor allem inhaltliche Vorbilder sieht Strauss in Ludwig Hirsch oder etwa Tom Waits. Bei Hirsch ist der 37-jährige gebürtige Wiener sogar bei seinen letzten Tourneen auch beruflich mit von der Partie – und zwar als Gitarrentechniker. Der Mensch hinter der erschaffenen Kunstfigur Jo Strauss kann sich mit dieser viele Freiheiten nehmen, die er sich als Normalbürger nicht leisten würde: „Ich benutze ihn gerne auch als Ventil, um wahnsinnig melancholisch und traurig sein zu dürfen – wobei ich selbst zwar schon nachdenklich, aber auch ein lustiger und zufriedener Mensch bin.“ Sein vergangenes Frühjahr veröffentlichtes – mittlerweile drittes – Album „Der blinde Fleck“ sei dabei sein erwachsenstes, nachdenklichstes und ausgereiftestes Werk geworden.

Songwriting für Strauss eine Therapieform

„Ein neues Album ist auch immer eine Art von Therapie für mich. Und im Grunde spaziert jeder durch seine eigenen Dramen im Laufe des Lebens. Ich begleite sie dabei mit meinen Texten, die sehr viel Interpretationsspielraum lassen“, so Strauss, der auch immer eine autobiografische Note hineinfließen lässt.

Der studierte Philosoph, der einige Jahre auch Berlin zu seiner Heimat machte, hält mittlerweile jährlich 30 bis 50 Konzerte – den überwiegenden Teil davon in Bayern. In Österreich tritt Jo Strauss mit seiner Musik und seinen schwarzhumorig-philosophischen Betrachtungen eher nur zu ausgesuchten Terminen auf. Das nächste Mal ist er im Posthof Linz zu sehen, und zwar am 22. Februar um 20 Uhr.