„Ich habe die ständigen Erpressungsversuche Trumps satt!“

Christoph Leitl wurde in seiner Funktion als Eurochambres-Präsident bestätigt

Christoph Leitl wurde gestern als Eurochambres-Präsident erfolgreich wiedergewählt.
Christoph Leitl wurde gestern als Eurochambres-Präsident erfolgreich wiedergewählt. © Haubner

Es war die erwartete klare Entscheidung: Gestern wurde der Oberösterreicher Christoph Leitl in Rom zum zweiten Mal in Folge – und insgesamt zum vierten Mal nach bereits zwei Perioden von 2001 bis 2005 – mit gut 90 Prozent zum Präsidenten von Eurochambres gewählt.

Vor dem Hintergrund des laufenden Reformprozesses sei das Wahlergebnis ein „großartiger Erfolg“, sagte Leitl zum VOLKSBLATT. Damit steht der frühere langjährige Wirtschaftskammer-Österreich-Präsident weiter an der Spitze der europäischen Kammerorganisation. Diese vertritt rund 1700 Kammern, 20 Millionen Betriebe mit gut 100 Millionen Beschäftigten. „Wir sind das Rückgrat Europas!“, rief Leitl den europäischen Kammervertretern denn auch zu.

Entsprechend selbstbewusst rief Leitl die europäischen Kammervertreter dazu auf, US-Präsident Donald Trump die Stirn zu bieten: „Er hat gedroht, die türkische Wirtschaft zu zerstören. Und er droht der europäischen Wirtschaft. Ich habe diese ständigen Erpressungsversuche Trumps satt“, wetterte Leitl und betonte: „Diese Bedrohungen dürfen wir nicht akzeptieren!“

Leitl: Chancen mit China und Russland nutzen

Als Antwort darauf gelte es, rascher als bisher Freihandelsabkommen zu schließen und die Chancen etwa mit Russland und China zu nutzen und dabei auch eigene Standpunkte – Stichwort Markenschutz – durchzusetzen. In den beiden Tagen vor der Wahl hatte man beim europäischen Wirtschaftsforum eingehend die Rolle der Kammern sowie der Dachorganisation Eurochambres diskutiert. Fazit: Trotz regionaler Unterschiede sind die gemeinsamen Herausforderungen europaweit dieselben. So berichten 80 Prozent der Unternehmen von einem spürbaren Fachkräftemangel. Eurochambres solle hier eine Brückenfunktion einnehmen und junge Menschen von der Schule in den Beruf begleiten, lautete das Ergebnis einer Arbeitsgruppe.

Klare Budgeterhöhung für „Erasmus plus“

Dabei sollte man das Jugendaustausch-Programm „Erasmus plus“ nützen, schlug Leitl vor. Dieses wird auf seine Initiative von 2021 bis 2027 mit rund 30 Mio. Euro doppelt so hoch dotiert sein wie bisher. Damit könnten junge Menschen in Regionen begleitet werden, in denen Arbeitskräfte-Nachfrage besteht. Katrina Zarina, Kammervertreterin aus Lettland, sprach sich etwa dafür aus, die Vermittlung des unternehmerischen Geists bereits in den Lehrplänen der Schulen zu verankern. Auch dabei könnten die Kammern helfen. Aufgrund der ähnlichen Herausforderungen gelte es, das europaweite Kammernetzwerk noch intensiver zu nutzen, plädierte Leitl.

Digitalisierung: Konkrete Hilfestellungen geplant

Mehr Unterstützung für Jungunternehmer ist, wie berichtet, ebenso geplant wie konkrete Hilfestellungen für kleinere und mittlere Betriebe im Zuge der Digitalisierung. Allgegenwärtig waren überdies die Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Kreislaufwirtschaft. In diesen Bereichen gelte es, im internationalen Wettbewerb voranzugehen. Im Gegensatz zu US-amerikanischen Unternehmen würden Unternehmen in Europa neben ihrer ökonomischen auch ihre ökologische und gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen, betonte der alte und neue Eurochambres-Präsident: „Andere reden darüber, wir können es tun!“

Der Autor ist auf Einladung von Eurochambres nach Rom gereist.

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