Johannes Krisch hat „Schweinereien im Kopf“

Johannes Krisch über Leidenschaft, große Gefühle, Gutenstein, Unterweger und seinen Auftritt in Linz

Johannes Krisch
Johannes Krisch © APA/Hochmuth

Derzeit macht Johannes Krisch („Revanche“) eine Pause vom Burgtheater. Untätig ist der Schauspieler aber keineswegs. Am Montag (28. Juni) ist er etwa gemeinsam mit Sona MacDonald auf der Sommerbühne des Landestheaters im Linzer Schlosspark zu Gast. Gegeben wird von de beiden „Hemingways Liebeshöllen“ …

VOLKSBLATT: Ihre Karriere am Burgtheater begann 1989 mit Claus Peymann, jetzt inszeniert er mit Ihnen „Der König stirbt“ an den Wiener Kammerspielen …

JOHANNES KRISCH: Das ist eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit. Wir proben jetzt seit Anfang Juni. Es ist schon interessant, wenn man sich nach so langer Zeit wieder begegnet. Es ist wirklich ein Flashback.

Und funktioniert das Team Peymann-Krisch noch?

Zwischen uns funktioniert es immer gut! Wir haben Spaß miteinander.

Ist es eine gute Entscheidung, eine Pause vom Burgtheater einzulegen?

Ja, ich bin sehr froh darüber. Es ist sehr richtig und ich fühle mich sehr wohl an der Josefstadt. Das war sehr befreiend und lässt mich künstlerisch atmen. Ich bin sehr glücklich und habe auch tolle Aufgaben. Ob das der „Jux“ oder „Der Bockerer“ oder „Gemeinsam ist Alzheimer schöner“ ist. Ich muss sagen, das sind schon wunderbare, große, tolle Rollen und Aufgaben. Da kann man nur glücklich sein darüber.

Wenn es eine Pause vom Burgtheater ist, würde das ja auch heißen, dass es ein Ende von der Pause geben wird. Denken Sie schon wieder über eine Rückkehr nach?

Ich bin wirklich froh, wenn am Morgen die Sonne aufgeht und ich mich darüber freue, dass das Universum noch funktioniert. Alles andere wird die Zeit zeigen. Ich bin offen für alles. Zur Zeit geht es mir sehr gut an der Josefstadt und was die Zukunft bringt, das wird sich alles weisen.

Beschäftigt sind Sie ja auch so gut. Wie kürzlich bekannt wurde, übernehmen Sie die Intendanz der Raimundspiele Gutenstein. 2021 ist jetzt nicht die perfekte Saison für den Einstieg. Wie werden Sie das heuer händeln?

YT
Video
Ich möchte eingebundene Social Media Inhalte sehen. Hierbei werden personenbezogene Daten (IP-Adresse o.ä.) übertragen. Diese Einstellung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in der Datenschutzerklärung oder unter dem Menüpunkt Cookies geändert werden.

Durch die Auflagen muss ich sagen, ist es nicht einfach hier zu beginnen. Aber ich glaube, wir haben ein sehr schönes kleines literarisch-musikalisches Rahmenprogramm, damit der Spielort am Leben bleibt und damit ein spielerischer Akzent gesetzt wird und wir sozusagen die Kulturszene in Guten-stein langsam wieder hochfahren. Das Programm schaut gut aus und ich freue mich auf den Michael Köhlmeier, die Erika Pluhar und viele mehr. Wir haben da schon ein sehr schönes Programm und ich denke, für die Umstände, mit denen wir da umgehen müssen, ist uns schon ‚was gelungen.

Gibt es für 2022 schon Pläne in Ihrem Kopf für ein „normales“ Programm?

Ja, da gackere ich aber nicht gerne darüber, weil ich muss die noch konkretisieren. Und wenn das dann nicht gelingt, dann steht es in der Zeitung und dann disponiere ich um und dann heißt es: „Letztes Jahr haben Sie aber gesagt, Sie machen das …“ Nein, nein, da machen wir dann nächstes Jahr ein Gespräch, vielleicht auch schon ein bisschen früher. Aber ich habe schon einige Schweinereien im Kopf.

Wird man Sie auch einmal singen hören?

Heuer noch nicht, nächstes Jahr auch noch nicht. Jetzt muss ich mal schauen, dass die ganze Maschinerie in die Gänge kommt und vielleicht gönne ich mir irgendwann mal ein Zuckerl und frag‘ den Intendanten, ob er mich spielen lässt. Ich mache ein Vorsingen (lacht). Dann werde ich das entscheiden.

Seit 19. Mai ist es wieder möglich auf der Bühne zu stehen, die heimische Kulturszene explodiert förmlich seither. Wie fühlt sich denn das als Künstler an, wenn man nach so einer unglaublich langen Zeit wieder spielt?

Es ist ein wunderschönes und herrliches Gefühl, wenn man seinen Beruf wieder ausüben kann und nicht gezwungen wird, daheimzusitzen. Das Publikum, man merkt es richtig, freut sich genauso wie wir, dass wir ein Hohelied auf die Kunst absolvieren können. Das Publikum hat genauso gelechzt nach Kulturveranstaltungen wie wir. Es ist sehr schön wieder spielen zu dürfen, da gibt es gar nichts zu meckern.

Wie haben Sie denn diese eineinhalb Jahre Pandemie erlebt?

Das war eine sehr schwere Zeit. Es war ja gar nichts mehr wie vorher. Abgesehen von finanziellen Einbußen, seinen Beruf nicht ausüben zu dürfen, ist ein hartes Los. Es war wirklich keine leichte Zeit, aber man hat sich dann auch auf andere Dinge konzentriert, da haben sich die Parameter ein bisschen verschoben und man betrachtet dann das Leben aus einem anderen Blickwinkel. Der dann wieder gar nicht schlecht ist, um ihn künstlerisch umzusetzen. Man soll vielleicht das Leben und die Arbeit nicht tierisch ernst nehmen, und ich meine das jetzt gar nicht abwertend, sondern man sollte froh und dankbar sein, dass man arbeiten darf und kann. Dadurch entsteht auch eine Leichtigkeit, eine neue Sichtweise auf alles andere.

Wieder arbeiten werden Sie am 28. Juni, wenn Sie mit Sona MacDonald zu Gast im Linzer Schlosspark sind. Warum Hemingway, warum „Liebeshöllen“?

Das hat sich so ergeben. Die Angelika Hager hat mich gefragt, mich mit Personen zusammengebracht. Wir haben gelesen und das war wunderbar. Das sind ja ganz besondere Persönlichkeiten, um die es da geht, ob das die Dietrich ist, oder die Martha Gellhorn, Hemingway selbst. Das sind spannende Geschichten, was die erlebt haben, alter Schwede!

Angelika Hager, von der die Textfassung stammt, bezeichnet Sona MacDonald und Sie als „Spezialisten für Leidenschaft und große Gefühle“. Fühlen Sie sich mit dieser Definition getroffen?

Das kann ich schwer beurteilen, da müssen Sie meine Frau fragen. Wenn meine Frau „Ja“ sagt, dann wird es stimmen.

Aber in der Rolle, die ihnen Angelika Hager zugedacht hat, finden Sie sich?

Man findet in den Rollen immer Punkte, die auf einen zutreffen. Das ist ja das Schöne an dem Beruf, dass man versucht, sich mit diesen Figuren und Charakteren auseinanderzusetzen und einen Teil davon in sich selbst zu suchen. Ob das der Hamlet ist, oder der Don Carlos, oder eben Hemingway. Von allen diesen Menschen steckt etwas in einem drinnen und das gilt es herauszuarbeiten.

Ihre Bandbreite ist dabei ja recht groß, immerhin ist der Serienmörder Jack Unterweger dabei. Wird es da besonders schwer, etwas von sich selbst in so einem Charakter zu finden?

Der Unterweger war eine sehr extreme Arbeit. Darauf habe ich mich schon sehr lange vorbereitet. Aber ich habe das Glück gehabt, dass ich fünf Jahre lang eingebunden war in die Entwicklung des Drehbuches usw. Das ist mir dann schon sehr nahe gegangen, muss ich sagen. War eine sehr schwere Arbeit.

Mit Schauspieler JOHANNES KRISCH sprach Mariella Moshammer

Wie ist Ihre Meinung?