Ich liebe dich mit Draht und Silikon

Maria Arlamovskys Doku „Robolove“ als Preview auf Flimmit – Maschinen mit menschlichem Antlitz spiegeln unsere Dilemmata

Die meisten Roboter bekommen das Aussehen von Frauen.
Die meisten Roboter bekommen das Aussehen von Frauen. © NGF

2009 präsentierte der japanische Forscher Hiroshi Ishiguro bei der Ars Electronica in Linz seinen „Geminoid“. Er war ihm wie aus dem Gesicht geschnitten, aber nach ein paar Sekunden war immer klar, wer hier echt ist und wer der Androiden-Zwilling.

Viele Jahre sind vergangen, Hiroshi Ishiguro versucht noch immer, einen Doppelgänger aus Draht, Silikon und viel Technik zu schaffen. „Irgendwann wird es wahrscheinlich keine Rolle mehr spielen, wer von uns beiden mehr Aufmerksamkeit bekommt, weil wir uns immer ähnlicher werden“, sagt er, der Echte. „Aber vielleicht geht es bald nicht mehr darum, wer von uns beiden wichtiger ist“, sagt der andere, der Android.

Maria Arlamovskys Film „Robolove“ würde schon lange in den Kinos laufen, im Herbst ist nun der neue offizielle Filmstart geplant. Doch besondere Zeiten bringen besondere Dinge hervor. Heute (24. April) findet auf Flimmit (www.flimmit.com) eine Online-Preview statt und ermöglicht um 20 Uhr einen Vorabfilmgenuss.

Zurück zur Doku, die die aktuelle Situation am „Androiden“-Markt und im Verhältnis Mensch/Roboter erhellt.

Arlamosky spielt damit, dass wir uns als Zuschauer fragen müssen, wem wir da zuschauen. Erst wenn es ans Zusammenbauen geht, kommt der fast erwartete Moment, in dem der Roboter endlich aussieht wie ein Roboter. Kinder und ältere Menschen, so Experte Ishiguro, mögen keine zu menschlichen Roboter.

Roboter zeigen, was wir für Gefühle halten

Unheimlich ist eine zu große Ähnlichkeit auch. Es baut Nähe auf, wenn das „Ding“ verständnisvoll nickt, lächelt und voll Empathie und Wissen antwortet. Es ist aber irgendwie unangenehm, wenn es trauert und bedrückt ist. Wenn es so tut, als ob — denn das steckt natürlich hinter der Künstlichen Intelligenz, die in einen unglaublich präzise gefertigten Silikonkörper gepackt wird. Sie zeigt uns das, was wir für Gefühle halten. Das wirft massive Fragen unserer eigenen Menschlichkeit, unserer „Programmierung“, aber auch unserer Endlichkeit auf. Und wie „schamlos“ nutzen wir unsere Schöpfungen aus? Diese Felder reißt der Film auf und lässt uns mit viel Stoff zum Nachdenken zurück.

Arlamovsky widmet sich den Fragen des Geschlechts, der Erotik, der Zweisamkeit. „Ich wurde geschaffen, um dir zu gefallen.“Roboter und Liebe, das geht. Da wird in der Produktentwicklung darauf geachtet, dass die Zähne weicher gemacht werden, das Silikon um den Mund dehnbarer. Aber die Frau Roboter soll auch die Einsamkeit erträglicher machen. Da sind wir — natürlich unvorhersehbar — im ganz aktuellen Jetzt. Können Androide, menschlich aussehende und handelnde Maschinen, bei sozialer Abstinenz emotionale Lücken füllen, Nähe geben, pflegen? Können wir am Ende darüber nachdenken, unser Bewusstsein in einen künstlichen Körper zu transferieren? „Der Tod als Option, nicht als Muss.“

„Robolove“, ein Film der den Nerv unserer Zeit auf vielen Ebenen punktgenau trifft und uns im Angesicht unserer „unechten“ Ebenbilder die eigenen Dilemmata zeigt.

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