„Ich muss mich immer wieder von neuem bestätigen“

Wie groß die Faszination ist, die noch immer von ihrer Person ausgeht, zeigt der jüngste Film („3 Tage in Quiberon“), der sich mit einer sehr kurzen Phase ihres Lebens auseinandersetzt. Als Sissi sorgte sie für Entzücken, später erkämpfte sie sich Anerkennung als ernsthafte Charakterdarstellerin. Privat musste sie viele Schicksalsschläge erdulden, viel zu früh hat sie mit 43 die Bühne des Lebens verlassen. Am 23. September wäre Weltstar Romy Schneider 80 Jahre alt geworden.

Frisch verliebt: Romy und Alain Delon © AFP

Text: Melanie Wagenhofer

Romy ist immer noch präsent, fast jedes Jahr kommen Dokumentationen oder Verfilmungen über sie auf den Markt. Erst unlängst sorgten Aussagen von Romy, die sie in einem legendären Interview 1976 mit Alice Schwarzer getätigt hat, wieder für Aufsehen: Darin sagt sie, ihre Mutter hätte ein Verhältnis mit Hitler gehabt. Fakt ist, Romys Eltern, die deutsche Schauspielerin Magda Schneider und der österreichische Leinwandstar Wolf Albach-Retty, sind Fixgrößen des NS-Unterhaltungskinos gewesen und hatten kaum Zeit für Romy und ihren drei Jahre jüngerer Bruder Wolfdieter, die in Berchtesgaden bei den Großeltern aufwachsen. Die Eltern lassen sich 1945 schließlich scheiden, Romy, am 23. September 1938 in Wien geboren und mit bürgerlichem Namen Rosemarie Albach-Retty, wird im Internat Goldenstein bei Salzburg von Augustiner-Nonnen erzogen.

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Im Gegensatz zu ihrem Bruder, der „mit den Filmleuten nichts zu tun haben will“, wünscht sich Romy schon als Kind, in die Fußstapfen ihrer Eltern und Großeltern — Großmutter Rosa Albach-Retty war Hofschauspielerin in Wien — zu treten: „Wenn es nach mir ginge, würde ich sofort Schauspielerin werden“, schreibt sie in einem Brief an ihre Mutter. An deren Seite dreht sie dann auch mit 15 ihren ersten Film „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“. Und dann geht alles Schlag auf Schlag: Regisseur Ernst Marischka besetzt Romy in „Mädchenjahre einer Königin“ (1954) und gleich darauf in ihrer Schicksalsrolle, der Kaiserin Sissi, die sie als liebreizendes, süßes Mädel zum Filmstar macht. Die Sissi-Trilogie entsteht 1955 bis 1957.

Vom Tantenschwarm zur Femme fatale

Doch das alles wird der jungen Frau, die über keine Schauspielausbildung verfügt, bald zu viel. Sie ist fest entschlossen, sich als ernsthafte Schauspielerin zu etablieren, will ihr liebliches Image ablegen. Auch um dem Einfluss ihrer Mutter, des alles kontrollierenden Stiefvaters und dem Rummel zu entkommen, lässt sie alles stehen und liegen – für einen vierten Sissi-Film hätte es ein äußerst lukratives Angebot gegeben. Romy hat sich in Alain Delon verliebt, ihren Filmpartner in „Christine“ (1958), der ihr zum Abschied einen Brief zugesteckt hat, indem er sie dazu auffordert, zu ihm zu kommen. Sie folgt ihm nach Paris. In Deutschland und Österreich verzeiht man ihr ihre Flucht lange nicht.

In der französischen Hauptstadt leben die Frischverliebten zunächst in einer kleinen Wohnung, zwei zusammengeschobene Sofas dienen dem Paar als Bett. Delon ist ein aufstrebender junger Künstler, Romy spricht die Sprache noch nicht, muss sich erst zurechtfinden und hat noch keine Filmangebote in Frankreich. Alain pflegt sein Image als Frauenheld, Romy kennt niemanden, fühlt sich oft einsam. Auf Drängen von Magda verloben sich die beiden schließlich offiziell. Ein Status, der jahrelang aufrecht erhalten bleiben soll, immer wieder werden geplante Hochzeitstermine verschoben, die beiden als „ewige Verlobte“ verspottet. Delon verlässt Romy nach sechs Jahren schließlich für eine andere, sie bleibt am Boden zerstört zurück. Trotzdem entwickelt sich eine innige Freundschaft, die bis zu Romys Tode hält.
Beruflich geht es indes voran: Auch in Hollywood fasst Romy Fuß, etwa mit „Good Neighbour Sam“ an der Seite von Jack Lemmon, in „What’s New Pussycat?“ neben Woody Allen und Peter Sellers oder unter Otto Preminger in „The Cardinal“ — die große zweite Schauspielkarriere macht Romy jedoch in Frankreich. Das Land wird ihr zur zweiten, zur neuen Heimat. „Ich bin zu einem Viertel österreichisch und zu drei Vierteln französisch“, sagt sie. Der große Luchino Visconti ist der erste, der Romy als Femme fatale („Boccaccio 70“, 1962) inszeniert und der italienische Regie-Star erfüllt ihr auch einen anderen Wunsch: An der Seite von Alain Delon steht sie 1961 in „Schade, dass sie eine Dirne ist“ erstmals auf der Bühne. In den 1960ern und 70ern dreht sie in Frankreich einen Film um den anderen, Regie führen Größen wie Orson Welles („Der Prozess“), der über sie sagt, sie sei „die beste Schauspielerin ihrer Generation“, oder Claude Sautet („Die Dinge des Lebens“), den Romy sehr verehrt. Sie ist auf der Höhe ihres Könnens. „Was mich vorantreibt? Vielleicht, weil ich mich immer wieder von neuem bestätigen muss … Was kann ich, was bin ich wert, kann ich noch besser werden?“ Zu ihren Filmpartnern zählen Yves Montand, Richard Burton und Marcello Mastroianni. Im Film kommt sie dann auch noch einmal mit Alain Delon zusammen: „Der Swimmingpool“, gedreht 1968 in Saint-Tropez, lässt sie endgültig zur Legende werden. So erfolgreich Romy im Film ist, im Privatleben muss sie viele Schläge einstecken. 1996 heiratet sie den deutschen Schauspieler und Regisseur Harry Meyen, bekommt ihren Sohn David, lebt eine Zeit lang in der deutschen Hauptstadt: „Mein Sohn wurde in Berlin geboren. Und ich habe dort die schönsten, glücklichsten Jahre meines Lebens verbracht“, wird sie später sagen.

Ewige Hochs und Tiefs hinterlassen Spuren

Doch das Glück ist nicht von langer Dauer: Die Ehe wird 1975 geschieden. Danach stürzt sich Romy in die Arbeit, dreht in nur zehn Monaten fünf Filme. Die nächsten Jahre sind geprägt von der Begeisterung für ihren Beruf, der Liebe zu ihrem Sohn, aber auch von Gefühlsausbrüchen, Alkoholexzessen und Tablettensucht. 1975 heiratet sie ihren Privatsekretär Daniel Biasini, versucht, ihr Gleichgewicht wiederzufinden. Aber ihre ewigen Hochs und Tiefs haben seelische Wunden hinterlassen, die auch die Geburt von Tochter Sarah (1977) nicht heilen kann, auch diese Ehe geht in die Brüche. Der Selbstmord von Harry Meyen 1979 trifft Romy schwer. Im Mai 1981 muss sie sich nach jahrelangem Tablettenkonsum eine Niere entfernen lassen, im Juli desselben Jahres verunglückt ihr 14-jähriger Sohn tödlich. Sie stürzt sich in Dreharbeiten, mit Michel Piccoli dreht sie 1981 ihren letzten Film „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ dreht. Am 29. Mai 1982 hört Romy Schneiders Herz in der Pariser Wohnung ihres damaligen Lebensgefährten Laurent Petin für immer zu schlagen auf.

Buchtipp: Romy Schneider. Adieu Romy. Portraits und Filmbilder. Schirmer/Mosel, 192 S., € 9,95

TV-Tipps: ORF III widmet Romy Schneider einen Programmschwerpunkt mit mehreren Filmen und Dokumentationen.