„Ich war eine Zeit lang ein regionales Phänomen“

Roland Düringer über sein Verhältnis zur Polizei, Gutmenschen, Netflix und seinen jüngsten Film „Cops“

Düringer tritt in seiner Rolle als Vermittler zwischen Hooligans und WEGA auf.
Düringer tritt in seiner Rolle als Vermittler zwischen Hooligans und WEGA auf. © Filmladen

Mit Roland Düringer sprach Philipp Wagenhofer

Nach längerer Kinoabstinenz ist Roland Düringer (54) jetzt im Thriller ,,Cops“ zu sehen. Er spielt den Vater eines WEGA-Rekruten, der einen Agro-Typen erschießt.

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VOLKSBLATT: Haben Sie diese Rolle ob des Drehbuchs, ob des Themas oder aus finanztechnischen Gründen angenommen?

DÜRINGER: Aus finanztechnischen Gründen übernimmt man in Österreich keine Filmrolle. Bei dem Film hat alles gepasst, das Drehbuch hat mich beim Lesen angesprochen, und die Drehzeit war im Sommer, wo Kabarett immer Pause macht.

Sie haben den Regisseur noch nicht gekannt. Geht man da ein Risiko ein?

Nein, da sichert man sich schon ab vorher, indem man das Buch liest und sich dann mit dem Regisseur trifft und mit ihm spricht. Und wenn man da spürt, das passt einigermaßen, dann ist das okay. Mein Vorschlag war, das auch gut zu proben. Das hat dem Film sehr, sehr gutgetan, dass wir die Szenen teilweise vor dem Drehen improvisiert und dann erst festgelegt haben, wie wir das wirklich auflösen. Ich hab ja nur einen kleinen Gastauftritt, aber die Burschen haben ganz schön fleißig arbeiten müssen. Die haben sich aneignen müssen, wie sich ein Polizist verhält. Der Laurence Rupp macht das sehr gut, auch das Madl, die Anna Suk, ist super.

Ihre Rolle ist trotzdem sehr wichtig, ein Gegenpol zu der männerbündlerischen Welt, die gezeigt wird.

Auf jeden Fall ist das die Heimat des Sohnes, wo er eigentlich Ruhe finden könnte, was er ja dann auch tut. Wenn es sich nicht mehr ausgeht, dann geht er schon noch zum Papa.

Aber Papa nimmt ihn dann auch in die Pflicht.

Natürlich, nachdem der Vater selber Polizist ist und den Job kennt, sagt er ihm ganz nüchtern: „Du musst dich entscheiden, willst du Polizist sein oder nicht, halb Polizist sein geht nicht.“ Drum sagt er dann: „Das Leben ist kein Actionfilm.“

Ihre Figur wird im Film als Gutmensch bezeichnet. Können Sie mit diesem Begriff etwas anfangen?

Den gibt es gar nicht, den hat irgendwer erfunden. Es gibt Begriffe, die momentan Sprachgebrauch sind, die es eigentlich nicht gibt, die keinen Sinn ergeben. Das Wort Gutmensch ergibt keinen Sinn genauso wie die Worte Verschwörungs-Theoretiker — die Gefahr geht von den Verschwörungs-Praktikern aus — oder Lügenpresse oder Fake News oder #metoo keinen Sinn ergeben. Mit Gutmensch meint man heutzutage nicht einen guten Menschen, sondern das ist eine Beleidigung: Statt Wappler, Weichei, Volltilo sagt man Gutmensch.

Sie spielen den Vermittler zwischen Rapid-Ultras und der Sondereinheit WEGA.

Ich kenne jemanden, der den Job wirklich macht, so ein 1,95-Meter-Prügel, der hat mir vorher schon erzählt, wie das funktioniert. Seine Aufgabe ist es, zwischen den Ultras, deren Anführern, den Capos, das sind die Häuptlinge von denen, und der Polizei zu vermitteln. Wenn es Probleme gibt, dann holt sich der den Capo und sagt: „Pass auf, reißt euch zusammen, sonst kann ich die nicht mehr zurückhalten.“ Wenn sie keine Ruhe geben, ist die Bahn frei für die Einsatztruppe, aber man versucht halt, zu deeskalieren.

Wobei es innerhalb der Polizei auch Spannungen gibt — die WEGA kann mit ihrer Figur nicht viel anfangen.

Naja, die sind ja dazu da, um dort einzugreifen. Und wenn du da bist und es hindert dich einer am Eingreifen, dann kommst du dir blöd vor. Das ist so, wie wenn ein Großbrand ist und da steht die Feuerwehr und einer sagt: „Lasst es abbrennen, die sind gut versichert.“ Du willst eingreifen.

Wie ist Ihr Verhältnis persönlich zur Polizei?

Die Polizei ist nix anderes wie eine Institution. Ich hab‘ ein sehr gutes Verhältnis zu einigen Polizisten, die ich auch zu meinem Freundeskreis zähle, und ich habe auch Kontakte gehabt mit Polizisten, die vielleicht nicht so angenehm waren. Aber da war ich vielleicht auch selbst schuld, wenn ich zu schnell mit dem Motorradl gefahren bin. Ich habe großen Respekt vor Kompetenz, etwa vor den WEGA-Leuten. Was ich nicht mag, sind Leute, die nicht kompetent sind, aber weil sie ein Kapperl aufhaben, glauben, dass sie kompetent sind. Man darf nicht alle in einen Topf werfen. Die WEGA-Leute haben eine einzige Aufgabe, dort hinzugehen, wo sich kein anderer mehr hintraut.

Haben Ihre Freunde von der Polizei oder von der WEGA den Film schon gesehen?

Die werden sicher schauen. Natürlich werden die Reaktionen gemischt sein, weil der Name ihrer Einheit beschmutzt wird. Das hat keiner gern. Es würde sich auch kein Rapid-Fan gerne einen Film anschauen, wo Rapid-Fans als Vollidioten dargestellt werden, als grölende Alkoholiker. Was in dem Fall ja nicht der Fall ist. Und trotzdem: Du weißt nicht, wie es ist, wenn du dastehst mit 195 Puls und entscheiden musst, ob du abdrückst oder nicht. Das kann kein Mensch, der das noch nicht gemacht hat, nachvollziehen. Das Schlimmste in solchen Situationen sind immer die, die überzogen handeln, die im Affekt handeln, sich nicht im Griff haben und Fehler machen. Wenn unsereins einen Fehler macht, dann kann man sich entschuldigen und sagen, zahlt eh die Versicherung, aber dort ist nichts mehr rückgängig zu machen. Drum ist das eine sehr schwierige Entscheidung: Schusswaffengebrauch oder nicht?

In den letzten Jahren war durch die Gründung Ihrer Bewegung das Politische sehr im Vordergrund. Ist das jetzt ad acta gelegt?

Das Kunstprojekt war am 15. Oktober 2017, am Tag der Nationalratswahl vorbei, aber das habe ich ja vorher gesagt. Interessanterweise hat sich aus den Menschen, die da mitgeholfen haben, eine Gruppe gebildet, die weitermachen will. Es ist durchaus möglich, dass da bei der nächsten Wahl wieder Leute unter dem Titel „Meine Stimme G!LT“ antreten werden. Da bin ich nicht mehr dabei. Ich war nur die Initialzündung.

Wie geht’s bei Ihnen weiter?

Ich bin jetzt noch unterwegs mit meinem aktuellen Programm „Der Kanzler“, 2019 kommt ein neues Programm im Herbst, das heißt „Die Afrika Twinnies“ und handelt von zwei älteren Herren, die ein Abenteuer nachholen, das sie in der Jugend versäumt haben. Sie wollen vom Waldviertel nach Dakar fahren, die alte Rallye Paris – Dakar nachfahren.

„Cops“ hat schon Publikumspreise bekommen. Ist da die Hoffnung auf viele Zuschauer in den Kinos groß?

Man kann es nicht beeinflussen. Oft sind Filme kommerziell erfolgreich, wo man nicht damit gerechnet hat und umgekehrt. Das ist von vielen Umständen abhängig, vom Wetter, vom Kinostart, von der Konkurrenz … Die Kinolandschaft hat sich ja total verändert, das Kino ist mittlerweile die Vorankündigung für Netflix. Und Netflix ist zum Teil wirklich gut, aber in die Verlegenheit, dort irgendwo mitzuwirken, werde ich nicht wirklich kommen. Ich bin eine Zeit lang ein regionales Phänomen gewesen. „Hinterholz 8“ hat sich in Deutschland kein Mensch angeschaut, mit der Sprache, die ich verwende, geht das nicht. Das will ich auch gar nicht, ist für mich nicht notwendig.