„Ich werde die Operette nicht neu erfinden“

    Peter Edelmann, einst in Linz, debütiert als künstlerischer Leiter mit „Gräfin Mariza“ in Mörbisch

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    Der in Wien geborene Peter Edelmann kümmert sich um die künstlerischen Geschicke im Mörbisch.
    Der in Wien geborene Peter Edelmann kümmert sich um die künstlerischen Geschicke im Mörbisch. © Seefestspiele Mörbisch/J. Bin

    „Unterschiedliche künstlerische Auffassungen“, so hieß es, haben Ende Mai 2017 dazu geführt, dass nicht Gerald Pichowetz, sondern der 56-jährige Peter Edelmann die Intendanz bei den Seefestspielen Mörbisch übernommen hat. In seiner ersten Saison bringt der Sänger ab 12. Juli den Operetten-Klassiker „Gräfin Mariza“ auf die Seebühne, die mit einer riesigen Violine bestückt wird.

    Im 61. Jahr der Seefestspiele beginnt die Ära Edelmann. Woran wird das Publikum das erkennen?

    EDELMANN: Die Seefestspiele haben einen tollen Namen, das höre ich immer wieder. Der Name Mörbisch ist verbunden mit einer langen Tradition, was die Operette betrifft. Das ist das große Zahnrad. Daran will ich nicht drehen. Ich denke, ich kann ein paar kleine Zahnräder dazugeben, damit das große sich gut drehen lässt. Ich werde die Operette nicht neu erfinden, das ist nicht notwendig. Man muss sie auch nicht entstauben. Sie ist frisch und humorvoll, die Operette hat eine besondere, positive Stimmung, es gibt keine Toten auf der Bühne … da muss man nichts neu interpretieren. Was man tun muss, ist sie so zu bringen, wie es nur in Mörbisch möglich ist — als Event und große Show. Heuer haben wir etwa eine riesige Geige aus der Bühne.

    Was kann die Geige?

    Die spielt Stückerl. Der Bogen hat fünf Tonnen oder so, also spielen kann man sie nicht. Aber aus dieser Geige entsteht ein klassisches Bühnenbild. Ich glaube, die Leute hören immer mehr mit den Augen. Da bieten wir den Leuten gerne etwas.

    Erstmals gibt es heuer auch eine Kinderversion der Operette …

    Wir haben uns gedacht, wir müssen etwas für unseren Nachwuchs tun. Jetzt machen wir eine Kinderproduktion in der letzten Schulwoche. Ich habe das dem Geschäftsführer gesagt und der hat gemeint, wir hätten kein Budget. Das müssen wir finden, habe ich gesagt und jetzt haben wir es geschafft. Es kommen über 2000 Kinder, innerhalb einer Woche waren alle Vorstellungen ausverkauft. Die Sponsoren haben ein bisschen mehr gegeben, weil alle sehen, dass Kinder früh genug mit dem Bazillus Operette zu impfen sind.

    Die „Gräfin Mariza“von Emmerich Kalman stand ja schon vor Ihrer Ernennung fest. Wer hat denn diese Wahl getroffen?

    Das war das Direktorium. Aber es war auch auf meiner Liste neben „Csárdásfürstin“, „Fledermaus“, „Lustige Witwe“, „Zigeunerbaron“, „Land des Lächelns“, „Nacht in Venedig“, das sind die Top-Hits. Mit „Gräfin Mariza“zu beginnen, ist ein Traum.

    Haben Sie sich um die Intendanz beworben?

    Ja, ich habe mich beworben. Harald Serafin hat, wie er aufgehört hat, schon gesagt: „Mach doch du das!“ Vor fünf Jahren habe ich aber gedacht, es sei nicht die Zeit. Aber dann hat es gepasst.

    Waren Sie überrascht, als Gerald Pichowetz den Posten nicht angetreten hat?

    Ja, da war ich sehr überrascht. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet. Ich habe gedacht, er ist eben gewählt worden. Er war ja beim selben Hearing wie ich.

    Wissen Sie etwas über die Gründe, warum die Zusammenarbeit mit Gerald Pichowetz nicht funktioniert hat?

    Nein. Ich weiß keine Details. Es macht für mich auch keinen Sinn mehr, darüber zu spekulieren. Es hat halt nicht gepasst.

    Hatten Sie das Gefühl, zweite Wahl zu sein?

    Nein, gar nicht. Da bin ich total uneitel. Ich freue mich, dass ich das machen kann. Es ist ein Traum, so ein Festival zu präsentieren.

    Ihre Vorgängerin, Dagmar Schellenberger, ist ja selbst auch oft auf der Bühne gestanden und hat Rollen in Mörbisch übernommen. Werden Sie auch als Sänger auf der Bühne stehen?

    Nein, erstmal nicht. Erstens gibt es für einen Bariton nicht so viele Rollen in der Operette. Zweitens denke ich, es gibt genug zu tun, hinter und vor der Bühne. Serafin hat auch ‚mal zehn Jahre nicht gesungen, dann aber jedes Jahr.

    Ihre Karriere als Sänger hat Sie ja auch schon nach Linz geführt.

    Ich habe den Faninal im „Rosenkavalier“ im Musiktheater gesungen. Das war eine tolle Bühne, ein tolles Haus, auch die Qualität vom Orchester. Das war eine schöne Inszenierung.

    Läuft die Operette Gefahr, vom Musical überholt zu werden?

    Mit den Hits von der „Mariza“ könnte man wahrscheinlich drei Musicals schreiben. Es gibt schon tolle Musicals, aber es gibt auch sehr viele, die sehr seicht sind. Vielleicht ist das Musical aber eine Möglichkeit, ein jüngeres Publikum zu gewinnen.

    Was erwarteten Sie in Sachen Besucherzahlen 2018?

    Natürlich will man eine Steigerung. Und ich denke, dass die Leute kommen werden. Wir tun unser Bestes, die Operetten, die zu uns gehören, wie unser Blut, hochzuhalten und den Leuten anzubieten. Sie müssen dann nur noch kommen. Ich bin zuversichtlich.

    Interview: Mariella Moshammer