„Ich werde Sie vermissen“

Bewegender Politik-Abschied von Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Strugl

Emotionaler Abschied im OÖ Landtag zwischen LH Thomas Stelzer und seinem scheidenden Stellvertreter Michael Strugl.Oberösterreich zum Vernaschen — überreicht von OÖVP-Klubobfrau Helena Kirchmayr und LH Thomas Stelzer.
Oberösterreich zum Vernaschen — überreicht von OÖVP-Klubobfrau Helena Kirchmayr und LH Thomas Stelzer. © Land OÖ/Lidl

Von Markus Ebert

Mittwoch Vormittag, oberösterreichischer Landtag: „Es war eine großartige Zeit“, resümiert LH-Stellvertreter Michael Strugl seine 21 Jahre als Politiker, davon insgesamt 18 im Landtag und in der Landesregierung. Und, ehe er Punkt zehn Uhr unter dem langanhaltenden Beifall der Regierungsmitglieder und Landtagsabgeordneten — sie hatten sich allesamt von ihren Sitzen erhoben — den Saal und damit die politische Bühne in Richtung Verbund-Vorstand verlässt, verabschiedet sich Strugl mit diesen Worten: „Politik ist geliehene Macht auf Zeit. Der größte Schritt ist der aus der Tür — leben Sie wohl, ich werde Sie vermissen.“

„Mehr als eine Träne“

Was, so war es zuvor aus den Reden der Parteienvertreter unmissverständlich herauszuhören, auf Gegenseitigkeit beruht. So meinte etwa LH Thomas Stelzer, er habe „mehr als eine Träne im Knopfloch, seit du gesagt hast, dass du die Chance auf den Umstieg in die Wirtschaft nutzen möchtest“. Ein „Vorangeher und Richtungsweiser“ sei Strugl gewesen, der Verbund bekomme einen „Top-Manager mit Weitblick und Durchsetzungskraft“, so der Landeshauptmann.

Umgekehrt dankte Strugl dem Landeshauptmann „für die lange Freundschaft und dass du den Wunsch nach Veränderung mitgetragen hast“ — um dann auch in Richtung Stelzer „in der Stunde des Abschieds“ festzuhalten: „Du bist der einzig richtige, der bessere Landeshauptmann für dieses Land in dieser Zeit.“

In seinen durchaus emotional bewegten Dank schloss Strugl nicht nur die politischen Wegbegleiter und Mitbewerber ein, sondern auch seine Mitarbeiter und — im Besonderen — seine Familie: Vater, Schwester und Ehefrau waren Gäste auf der Tribüne, Doris Strugl durfte sich über ein öffentliches „Ich liebe dich“ freuen.

„Aufrecht hinausgehen“

Es falle ihm nicht leicht, sein 21-jähriges Politikerleben abzuschließen, so der künftige Strom-Manager, „aber es ist gut, wenn man den Zeitpunkt selbst bestimmen und aufrecht hinausgehen kann“. An die Stelle einer Bilanz stellte er den Satz: „Einigen wir uns darauf, dass wir mehr richtig als falsch gemacht haben.“ Sollte er wo angeeckt haben, dann sei das „getragen gewesen vom Gestaltungswillen“, so Strugl, um für die Politik einzumahnen, was Ingeborg Bachmann gesagt hatte: „Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.“

Seinem Nachfolger Markus Achleitner werde er keinen Ratschlag erteilen, weil auch das Schläge seien, aber dieser werde „seinen eigenen Weg und seine eigene Handschrift sichtbar machen. Er wird das großartig machen — anders als ich, aber gut“.

„Ganz klare Strategie“

Dass er es als OÖVP-Abgeordneter, Klubobmann, Wirtschaftslandesrat und LH-Stellvertreter auch gut gemacht hatte, attestierten ihm alle Redner. Strugl sei ein Politiker, der von Beginn an „eine ganz klare Strategie hat, du weißt, wo du hin willst“, so Grün-Landesrat Rudi Anschober, um ihm auch „aufrechte Dialogbereitschaft“ und „Handschlagqualität“ zu attestieren.

Sachkenntnis, Hausverstand und Humor lobte SPÖ-Vorsitzende Birgit Gerstorfer, die auch eingestand: Sie habe auf die Frage, warum sie froh über Strugls Abschied aus der Politik sein sollte, „keine Antwort gefunden“. Und so laute ihr Abschiedsgruß auch „Freundschaft“.

„Wir als FPÖ verlieren einen verlässlichen und berechenbaren Partner“, betonte FPÖ-Landesparteiobmann Manfred Haimbuchner, um in Anlehnung an einen Ausspruch von LH a. D. Josef Pühringer zu konstatieren: „Nicht ein langer, sondern ein großer Politiker und Gestalter verlässt die politische Bühne.“ Strugl habe „viel dazu beigetragen, dass das Land so erfolgreich da steht“.

„Imposante Erfolge“

Das sah auch LH Stelzer so: Nicht nur Strugls Körpergröße sei „imposant, sondern auch die Erfolge“, sagte er mit Verweis auf dessen strategische Ausrichtung der verschiedensten Ressortbereiche. Es treffe zu, was Strugl in Anlehnung an Thomas von Aquin selbst einmal als Titel einer möglichen Biografie gesagt habe: „Für Wunder muss man beten, für Veränderungen muss man arbeiten.“ Als Freund freue er sich für Strugl, so Stelzer, um dem künftigen Verbund-Vorstand freilich eines auch mitzugeben: „So weit geht die Freundschaft nicht, dass ich den Stromanbieter wechsle.“