„Ich wollte an die Substanz dieser Geschichte, an das immer Gültige“

„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ als Mini-Serie auf Amazon Prime Video

Die in Korneuburg geborene Jana McKinnon (22) spielt die „neue“Christiane F.
Die in Korneuburg geborene Jana McKinnon (22) spielt die „neue“Christiane F. © Amazon Prime/Constantin/Kraus

Generationen von Jugendlichen sind mit der Geschichte von Christiane F. aufgewachsen. Egal ob Buch oder Film – der Stoff des drogensüchtigen Teenagers im Berlin der späten 1970er Jahre hat polarisiert.

Nun wartet Amazon Prime Video mit einer Neuverfilmung von „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ als Miniserie (ab 19. Februar) auf.

Auch die anderen Figuren haben eine Geschichte

Im Mittelpunkt der acht Folgen steht die Innensicht jener Clique, mit der das junge Mädchen Christiane F. (gespielt von der österreichisch-australischen Schauspielerin Jana McKinnon) in Drogensucht und Prostitution abrutscht. Zwar steht Christiane weiterhin im Zentrum, das Autorenteam rund um Annette Hess hat aber auch den anderen Figuren eine Geschichte verpasst, die die jeweiligen (familiären) Hintergründe ausleuchtet. Das Thema an sich sei zeitlos, wie Co-Produzent Oliver Berben (Constantin Film) hervorstreicht: „Es geht darum, wie junge Menschen versuchen, in einer rauen Welt ihren Platz zu finden.“

Bei der Vorbereitung wurden nicht nur die Protagonisten von damals, sondern auch die beiden Journalisten Horst Rieck und Kai Hermann, die die Geschichte damals für den „Stern“ recherchiert haben, kontaktiert. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass einige Personen nichts mehr damit zu tun haben wollten, handle es sich schlussendlich aber um eine stark fiktionalisierte Geschichte, auch manche Namen wurden verändert. Es sei nun „unsere eigene Interpretation dessen, was Christiane und ihre Freunde in dieser Zeit erlebt haben“, so Regisseur Philipp Kadelbach.

Auch die zahllosen Original-Kassetten, auf denen Christiane F. den beiden Journalisten ihre Geschichte erzählt hat, wurden restauriert und dienten als Ideenpool. Am 18. Februar erscheint das Hörbuch „Das Berlin der Kinder vom Bahnhof Zoo“. Durch die Audio-Dokumentation führt Burgschauspielerin Bibiana Beglau. Man habe ein ganzes Paket geschnürt, zu dem auch weitere dokumentarische Elemente gehören, so Kadelbach.

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Wichtig war der Autorin Hess, in die Serie nicht mit falsch erhobenem Zeigefinger hineinzugehen. So wüssten die Jugendlichen von heute weit mehr als damals. Es sei daher eine Gratwanderung gewesen, nicht so dogmatisch wie ein Schulfilm zu sein und dennoch die Glaubwürdigkeit zu behalten. Einer Verherrlichung des Drogenkonsums will man mit dem Erzählbogen entgegenwirken, der den Absturz nachvollziehbar mache. Für Szenen, die etwa Entzugsversuche zeigen, habe man auch mit Drogenberatern gesprochen, um ein realistisches Bild zeigen zu können.

Dass die Ästhetik der Produktion zwar an den späten 1970er und frühen 1980ern angelehnt ist, sich aber vor allem auch auf der Soundtrack-Ebene nur schwer zeitlich verorten lässt, war eine bewusste Entscheidung, wie Kadelbach erklärt: „Wir wollten eine Distanz aufbauen, uns von einer bestimmten Epoche frei machen und eintauchen in eine Zeitlosigkeit.“ Und Hess ergänzt: „Ich wollte an die Substanz dieser Geschichte, an das immer Gültige.“

Gedreht wurde überwiegend in Prag und Berlin, die Bahnhofshalle habe man in einer ehemaligen Großkantine nachgebaut. Insgesamt gibt es fast 300 Sprechrollen. An sich sei die Erzählung mit den acht Folgen abgeschlossen. Ob eine Fortsetzung — schließlich veröffentlichte auch Christiane F. erst vor wenigen Jahren ein zweites Buch — geplant ist, wollte man allerdings weder ausschließen und bekräftigen.

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