„Ich wollte einen kleinen Helden“

Asterix und seine gallischen Freunde feiern ihren 60. Geburtstag — Morgen erscheint der 38. Band „Die Tochter des Vercingetorix“ mit der jungen Heldin Adrenaline

„Felix natalis dies sit tibi!“ könnten die Römer sagen, wenn sie ihrem Erzfeind Asterix gratulieren würden. Der feiert nämlich — gemeinsam mit den Bewohnern des kleinen gallischen Dorfes — seinen 60er. Es ist zu befürchten, dass Troubadix anlässlich dieses runden Geburtstages ein Ständchen anstimmen wird.

Und trotz des Jubiläums werden sich Automatix und Verleihnix wohl in die Haare kriegen. Das Geschenk von Obelix lässt sich schwerlich hinter seinem Rücken vergeben und wenn Falbala vorbeischaut und unserem kleinen Helden ein Küsschen auf die Wange drückt, wird dieser die Herzchen fliegen sehen … So, oder so ähnlich, könnte sich die Geburtstagsfeier in dem fiktiven Ort, der sich in der heutigen Bretagne befinden würde, abspielen.

Ein wahrer Elektroschock

In der „realen“ Welt feiern die Macher der „Asterix“-Abenteuer das Jubiläum mit dem 38. Band, der morgen im mehr als 30 Ländern erscheint. „Die Tochter des Vercingetorix“ (als Soft- und Hardcover bei Egmont Ehapa) heißt das Heft, die Heldin darin ist die junge Adrenaline. „Sie ist ein wahrer Elektroschock“, sagt Autor Jean-Yves Ferri, der zum vierten Mal gemeinsam mit Zeichner Didier Conrad einen „Asterix“-Band verantwortet. „Wir erzählen die Geschichte eines Teenagermädchens, das in einem Dorf voller Machos auftaucht und auf der Suche nach sich selbst ist“, so Ferri.

Ferri und Conrad haben 2011 die Nachfolge von Albert Uderzo angetreten, der die Figuren Asterix und Obelix 1959 gemeinsam mit dem Autor René Goscinny geschaffen hat. Am 29. Oktober 1959 erschien die erste Folge von „Astérix le Gaulois“ („Asterix der Gallier) im französischen Magazin Pilote. Eine Legende war geboren.

„Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt … Ganz Gallien?…“ So fängt jeder der inzwischen 37 erschienenen „Asterix-Bände“ um das Dorf der unbeugsamen Gallier an, die den römischen Invasoren mit der List von Asterix und dem Zaubertrank des Druiden Miraculix das Leben schwer machen. Bis heute wurden alleine im deutschen Sprachraum 130 Millionen Exemplare verkauft, 390 Millionen Alben waren es laut Angaben des Verlags weltweit. Dazu zählen Übersetzungen in 111 Sprachen und Dialekte. „Es ist unglaublich, welche Bedeutung diese Comicreihe heute in der Popkultur hat“, sagt Zeichner Didier Conrad. Übrigens, einige Zutaten des Zaubertranks sind inzwischen bekannt: Darunter sind Misteln, Wurzeln, Gräser, Feldblumen, vierblättrige Kleeblätter, Hummer, Erdbeeren, Salz und Pfeffer.

Antiheld statt Muskelmann

Ausgedacht haben sich Uderzo und Goscinny den kleinen Helden in einer Sozialwohnung bei Paris. „Albert wollte Asterix erst nach traditioneller Vorstellung als heldenhaften Muskelmann zeichnen“, erinnert sich René Goscinny später. „Meine Idee war genau das Gegenteil: ich wollte einen Antihelden, einen kleinen Kerl.“

Das erste Album „Asterix der Gallier“ kam 1961 in einer noch bescheidenen Startauflage von 6000 Exemplaren heraus. Doch schon 1967 knackte „Asterix und die Normannen“ die Marke von einer Million. In einer verfälschten Version kam das erste Asterix-Abenteuer auf Deutsch 1965 heraus, ab 1967 wurde Asterix vom Ehapa-Verlag veröffentlicht und am 7. Dezember 1968 erschien das erste Album.

Mit den Freunden Asterix und Obelix lassen Uderzo und Goscinny die Leser nach und nach durch die antike Welt ziehen — und stiften mit einem freien Umgang mit der Geschichte einiges an Verwirrung. So können Touristen auf Korsika heute eine „traditionelle Eselswurst“ kaufen, die es aber erst seit ihrer Beschreibung im entsprechenden Asterix-Band gibt.

1977 drohte den Asterix-Abenteuern dann ein jähes Ende: Autor Goscinny starb mit nur 51 Jahren. Allen Unkenrufen zum Trotz beschloss Zeichner Uderzo, alleine weiterzumachen, und hatte damit Erfolg. Für Band 35, „Asterix bei den Pikten“,übergab Albert Uderzo das große Erbe dann an Jean-Yves Ferri und Didier Conrad.

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