IHS-Chef Kocher: Italien wird heuer in Rezession fallen

Das schwer von der Coronavirusepidemie betroffene Italien, das nun ein Zehn-Milliarden-Wachstumspaket von der Regierung bekommen soll, wird dieses Jahr “eine ganz schwere Wachstumsschwäche erleben und wahrscheinlich in die Rezession fallen”, sagte IHS-Chef Martin Kocher am Dienstag im Ö1-“Morgenjournal”.

Italien habe aber nicht erst seit Corona ein Problem, sondern wegen seiner mangelnden Produktivität schon länger, so Kocher zu den “Oberösterreichischen Nachrichten” (OÖN). “Die ohnehin moderaten Wachstumsprognosen für Italien von 0,5 bis 0,6 Prozent plus 2020 lassen sich nicht aufrechterhalten.” Das Land werde Unterstützung benötigen.

Entscheidend sei die Dauer der Krise, so Kocher im ORF-Radio. In einigen Wochen lasse sich etwa im Industriebereich noch einiges aufholen. Für den Tourismus sei es schwieriger, er brauche Überbrückungshilfen und andere Maßnahmen wie Kurzarbeit. “Wer jetzt nicht ins Lokal geht, geht deswegen in drei Monaten nicht dreimal am Tag ins Lokal”, erklärte der Ökonom.

Jetzt Geld in den Markt zu pumpen, würde kurzfristig sehr wenig bringen. “Entscheidend wird sein, dass wir es schaffen, Überbrückungsliquidität herzustellen”, so der IHS-Chef. Diese Aufgabe könnten Staaten oder deren Förderbanken übernehmen. Aber auch die Europäische Zentralbank (EZB) werde wahrscheinlich versuchen die Banken zu unterstützen, dass sie grundsätzlich wirtschaftlich gesunden Unternehmen über die schwierige Zeit hinweghelfen. Gegenüber den “OÖN” nannte Kocher das EZB-Langfristkreditprogramm TLTRO, das es seit einiger Zeit gibt. Bei den ohnehin bereits negativen Zinsen habe die EZB praktisch keinen Spielraum mehr.

Die Beihilfe zur Kurzarbeit ist aus Sicht Kochers “ein ganz wichtiges Momentum”, wie er im Radio sagte. “Da haben wir wahrscheinlich noch nicht genug vorgesehen, aber wir reden da nicht von allzu großen Summen”, so der IHS-Chef. In der Finanzkrise habe das im Jahr 2009 gute 100 Mio. Euro gekostet. Dies sei zwar ein “substanzieller Betrag” gewesen, “aber nicht etwas, der das ganze Budget sprengen würde”. Entscheidend sei auch, dass die Arbeitnehmer und Konsumenten wüssten, dass sie aufgrund der Krise nicht ihren Job verlieren und deswegen noch mehr sparen und weniger konsumieren.

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Zum massiven Ölpreisverfall sagte Kocher den “OÖN”, dieser könnte sich letztlich als gar nicht schlecht herausstellen, “weil er in einer Phase, in der sich alles wieder beruhigt, als eine Art Konjunkturstütze dienen könnte.” Es scheine so, als ob die OPEC das Kartell nicht aufrechterhalten habe können.

Die wegen des Coronavirus in Panik geratenen Aktienbörsen neigen laut Kocher grundsätzlich “in jede Richtung zur Übertreibung”. Vor dem aktuellen Preisverfall seien die Kurse “sehr, sehr hoch” gewesen. “Eine Korrektur war notwendig. Ob das jetzt eine Korrektur war oder eine Rallye nach unten, wissen wir nicht”, so Kocher zu Ö1. Es hänge wieder von der Lage um das Virus ab.

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