Ilka Minor ist die Beste

Ein 45-jähriges Energiebündel aus Österreich ist die beste Rallye-Beifahrerin der Welt. Mehr als 125 Weltmeisterschaftsläufe, die Rallye Dakar, die East-African-Safari-Rallye, Ilka Minor, geborene Petrasko, lotste ihre Piloten (fast) überall sicher und schnell ins Ziel. Aktuell dirigiert sie den Mühlviertler Johannes Keferböck über die Pisten.

In Skoda-Grün gut eingepackt für die Jänner-Rallye: Ilka Minor. © privat

Sie erscheint ein paar Minuten zu früh zum Interview, ist trotz des Termins gut gelaunt. Ein Montag Vormittag ist in Wien verkehrstechnisch ja bekanntlich keine „g’mahte Wies’n“.

Den auch nicht so offenkundigen Schauplatz der Unterredung findet Ilka Minor ganz selbstverständlich, prompt steht der schwarze Audi A3 TDI am Gelände des Springer Schlössls nahe Schönbrunn. Was hatte ich auch erwartet, schließlich ist die beste Beifahrerin der Welt auch am Steuer durchaus „Frau der Lage“.

Die gebürtige Kärntnerin, längst in Wien zuhause, entfleucht kurz auf die Toilette, ehe sie sich ihrem Kaffee und meiner Fragen widmet. Und „Toilettengänge“ sollten bei diesem Gespräch noch eine Rolle spielen, doch davon später.

Wo die Liebe hinfährt…

Der Faszination des schnellen Rallyesports erlag die quirlige 45-Jährige schon während ihrer Schulzeit. In der HTL Ferlach verliebte sich das damals 1 5-jährige Fräulein Petrasko in einen flotten Auto- und Fitnessnarren namens Achim Mörtl, der partout Rallyes fahren wollte.

Ein glimpflicher Unfall, nach dem dessen damaliger Beifahrer dennoch ausstieg, katapultierte Ilka 1994 ins Cockpit des Toyota Celica, der Rest ist Geschichte.
Mörtl und Petrasko holten 1996 den Staatsmeistertitel, die Beziehung zerbrach schließlich am Rallyesport. Eine Geschichte, die sich Jahre später mit ihrem Ehemann, einem Toyota-Mechaniker, wiederholen sollte. Ilkas Hang zur Geschwindigkeit blieb.

Große Namen im Cockpit

Die Liste ihrer Piloten liest sich beeindruckend, reicht von Gruppe-N-Weltmeister Manfred Stohl, dessen Vater Rudi Stohl, über P-WRC-Weltmeister Andreas Aigner, die WRC-Granden Henning Solberg und Mikko Hirvonen, bis hin zum Pregartner Johannes Keferböck, Jännerrallye-Sieger 2018, oder ihren Lieblingsfahrern, dem Russen Evgeni Novikov und dem Paschinger „Mr. Toyota“ Markus Mitterbauer („Sehr schnell und sehr ruhig im Cockpit, ein äußerst angenehmer Fahrer!“).

Allen Rallye-Assen gemeinsam sind die positiven Erfahrungen mit ihrer Co-Pilotin, sie wissen buchstäblich, was sie an „ihrer“ Ilka haben. Akribische Vorbereitung, penible Ausführung, exakte Ansagen, körperliche und mentale Fitness auf Topniveau, das „Paket“ Ilka Minor ist mittlerweile legendär.

Was der Automobil-Weltverband FIA als oberste Motorsportbehörde bereits mit der „Michael Park Trophy“ für die beste Co-Pilotin des Rallyezirkus und ihr Heimatland Österreich mit der Kür zur „Motorsportlerin des Jahres“ belohnten.

Die Kritikpunkte an „Vorbeterin“ Minor sind allesamt nicht ganz ernst zu nehmen. Für Henning Solberg etwa ist Ilka zu schweigsam auf den Verbindungsetappen, und Manfred Stohl hätte sich dereinst seine langjährige Co-Pilotin etwas größer und kräftiger gewünscht. „Wir mussten einmal den Wagen einige Kilometer schieben, da wäre das ein Vorteil gewesen.“

Wobei, so schweigsam ist Frau Minor gar nicht, und kräftig ist sie obendrein. „Das ist mein Gewichtsproblem“, scherzt die Wienerin. „Sobald ich ein Trainingsgerät sehe, nehme ich ein Kilo zu. An Muskeln.“

Mit ihrer Ernährung hat Minor hingegen keine Probleme. „Ich bewege mich sehr viel, da kann ich essen, was ich will.“ Wie beispielsweise Palatschinken mit Nutella und Bananen, ihre Lieblingsspeise.

Die Bewegung ist freilich nicht auf Cockpit-Sitzen beschränkt, die Persönlichkeitstrainerin läuft sehr gerne sehr weit und kennt auch die Kraftkammern Wiens von innen.
Vielen ihrer Piloten ist Minor längst eine liebe Freundin geworden, ohne gegenseitige Wertschätzung und ein gerüttelt Maß an Vertrauen wären Erfolge im allzeit gefährlichen Rallyesport nicht möglich. „Es muss einfach Spaß machen, du musst dich gut miteinander verstehen, sonst funktioniert es nicht. Du verbringst ja sehr viel Zeit miteinander, auf engstem Raum. Da entstehen echte Freundschaften.”

Unpassende Bedürfnisse

An Anekdoten leidet die erfolgreiche Motorsportkarriere der Technikerin und persönlichen Trainerin auch keine Mängel. Einige davon verursachten dringende Bedürfnisse. Diese sind im einteiligen Rennoverall mit feuerfester Unterwäsche gar nicht einfach zu befriedigen. Manchmal scheitert das „Austreten“ aber gar nicht an der textilen Ausrüstung.

So war Ilka mit Altmeister Rudi Stohl bei der Safari Rallye in Ostafrika unterwegs, als mitten im Niemandsland die Blase drückte. Stohl hielt an, Ilka eilte ins Gebüsch. Doch die Savanne war besser bevölkert, als angenommen. „Plötzlich waren da Dutzende Augen, die mich beobachteten. Keine Ahnung, wo die hergekommen sind, da war hundert Kilometer im Umkreis keine Siedlung. Ich war noch nie so schnell wieder im Cockpit.“

Rudi Stohl war entsprechend erstaunt. „Des ist aber schnell gegangen.“ Worauf Ilka leicht gestresst entgegnete: „Ich war noch gar nicht. Aber ich muss auch nicht mehr. Fahr einfach, Rudi, fahr!“

Fast noch schlimmer war allerdings ein Erlebnis mit WRC-Routinier Solberg. Den Norweger plagte auf einer Sonderprüfung ein „großes“ Bedürfnis, das keinen weiteren Aufschub duldete. Solberg stellte den Wagen am Straßenrand ab, brachte seinen WC-Gang ebendort hinter sich, kletterte wieder ins Auto und fuhr weiter.

Kein Problem also. Wäre da nicht die Publikumskulisse gewesen. „Wir waren mitten in einer Ortschaft, als der Henning ausstieg. Ich bin im Cockpit versunken, hätte mir ein Handschuhfach zum Verkriechen gewünscht“, schauderte Minor nach Jahren noch. Unter www.minor.at finden Sie weitere Infos zur besten Rallye-Co-Pilotin der Welt.

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