Im Corona-Zielsprint ist jetzt Durchhalten gefragt

Trotz Impfstart heißt es weiterhin, sich an die Corona-Regeln „Abstand halten, Maske tragen, Hände waschen“ zu halten

Gesundheitsreferentin LH-Stv. Christine Haberlander
Gesundheitsreferentin LH-Stv. Christine Haberlander © Land OÖ/Stinglmayr

In Oberösterreich wird jeder angelieferte Impfstoff sofort verimpft. Aber derzeit sind die Dosen noch limitiert, daher appelliert Gesundheitsreferentin LH-Stv. Christine Haberlander (ÖVP) an die Bevölkerung, noch durch- und die einfachen Corona-Maßnahmen einzuhalten.

VOLKSBLATT: Ein kleines Virus hält uns seit Monaten in Atem. Es entsteht der Eindruck, dass dabei auch unser Gesundheitssystem etwas außer Atem geraten ist.

HABERLANDER: Seit fast einem Jahr leben wir ganz intensiv mit den Auswirkungen von Corona. Das zehrt an den Kräften der Gesündesten. Es gibt Phasen besonderer Anstrengung wie im November, wo die volle Kapazität ausgeschöpft wurde. Jetzt spüren wir eine leichte Entlastung, ich habe aber wegen der britischen Mutation Zweifel, dass wir in eine volle Entlastung kommen. Dazu kommt die psychische Belastung der Mitarbeiter, die mit vielen Schicksalen zu tun haben. Zudem die Sorge, ob sie selbst das Virus haben, es übertragen und wie es der Familie geht. Eine herausfordernde Zeit, aber auch eine, in der sich die Leistungsfähigkeit zeigt.

Welche Botschaft haben Sie an jene, die bereits auf den Lockdown pfeifen?

Der zweite und dritte Lockdown haben schon gewirkt. Für mich ist die Belegung der Intensivbetten eine absolute Maßzahl – jetzt sind wir bei 51, wir waren aber schon bei über 150. Das haben wir nur durch einen großen Kraftakt geschafft. Allerdings werden die Maßnahmen leider oft nicht mehr so streng eingehalten. Jetzt gibt es mehrere Lichtstreifen am Horizont: intensiveres Testen und Impfen. Aber Abstand halten, Maske tragen und Handhygiene sind umso wichtiger, insbesondere auch wenn wir in Gedanken schon im Sommer sind und was dann möglich wird. Das geht aber nur, wenn wir weiter die einfachen Maßnahmen einhalten. Wie beim Laufen, jetzt noch einmal Luft holen, in den Sprint gehen und noch einmal alles geben.

Teilen Sie den Eindruck, dass die Corona-Impfung schleppend angelaufen ist?

Ich schaue nicht sklavisch auf die Tageszahlen des Dashboards. OÖ ist das einzige Bundesland, das die Echtzahl der Impfungen meldet, andere liefern die Bestellzahlen. Für mich zählt, dass alle Impfdosen, die wir erhalten, verimpft werden. Österreich kauft gesamthaft ein, uns wurde ein Sechstel der Dosen zugesichert. Ich halte einen fixen Verteilungsschlüssel für sinnvoll, dadurch entsteht kein Wettstreit. Wir bekommen zum Beispiel in dieser Woche rund 10.000 Impfdosen und planen im Jänner 48.000 Menschen impfen zu können, etwa alle Bewohner und Mitarbeiter in den Alten- und Pflegeheimen, die wollen. Insgesamt soll rund 30 Prozent der über 80-Jährigen ein Impfangebot gemacht werden. Unser Impfschwerpunkt liegt auf jenen, die das Land aufgebaut haben und sich jetzt auf unsere Unterstützung verlassen können.

Die Impfbereitschaft unter den Mitarbeitern in den Altenheimen scheint weniger ausgeprägt. Soll es eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen geben?

Die Bewohnerimpfbereitschaft liegt bei 70 bis 80 Prozent, bei den Mitarbeitern aktuell bei 60 bis 65 Prozent. Wir sehen von Woche zu Woche steigendes Interesse. Das hängt auch mit dem Austausch zwischen den Heimen zusammen. Man kann sich auch noch später impfen lassen. Eine Impfplicht ist zum aktuellen Zeitpunkt kein Thema.

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Was sagen Sie jenen, die zu wenig Vertrauen in den Impfstoff haben?

Ich verstehe diese Sorge. Die Impfstoffe sind alle von einer unabhängigen Institution, der EMA, auf Herz und Nieren geprüft und zugelassen worden. Dem Impfstoff kann man vertrauen, man hat auf bestehende Forschungen aufgesetzt. Wir setzen auch ganz bewusst auf die Information. So gibt es u. a. viele Antworten auf der Homepage des Gesundheitsministeriums.

Es gibt aber auch ganz viele, die als erste an die Reihe kommen möchten.

Das vierte Quartal 2020 war von Impfskepsis geprägt, jetzt haben wir den Turnaround mit all jenen, die sich impfen lassen wollen. Das ist großartig und wichtig und zeigt, dass die Menschen wieder ihr normales Leben zurückhaben wollen. Derzeit haben wir aber nur einen limitierten Impfstoff. Es ist das Um und Auf, dass wir mehr Impfstoff bekommen. Wir setzen derzeit bewusst auf die Älteren, weil sie einen schwereren Verlauf haben, der in vielen Fällen leider tödlich endet. Zudem geht es um die Mitarbeiter im Gesundheitswesen.

Wie sieht es mit jüngeren Hochrisiko-Patienten aus?

Laut Gesundheitsministerium sind sie in die Phase 1 vorzuziehen. Die nahtlose Erweiterung der Impfgruppen wird passieren, es dauert aber einige Wochen, bis wir weiteren Impfstoff bekommen. Ich verstehe jedes Individualanliegen und würde dem gerne sofort nachkommen, nur uns fehlt der Impfstoff.

Wann werden alle Oberösterreicher geimpft sein, die sich gerne impfen lassen möchten?

Ich hoffe, dass alle möchten und dass wir spätestens im Sommer, wenn wir mehr Impfstoff zur Verfügung haben und die Lagerung nicht mehr so komplex ist, dass man beim Hausarzt impfen kann, in die Breite kommen. Und dass der Wunsch, dann wenn man wetterbedingt wieder mehr nach draußen kann, noch aufrecht ist.

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Schaffen wir es bis zum Herbst oder Winter?

Es hängt vom Impfstoff ab. Ich halte es für richtig, dass Österreich möglichst viele Impfstoffe gekauft hat. Was nach Oberösterreich kommt, wird verimpft.

Bis dahin, heißt es – auch für die bereits Geimpften?

Abstand halten, am besten FFP2-Maske tragen und Hand- hygiene. Das gilt auch für die Geimpften und insbesondere für die Getesteten. Der Test ist eine Momentaufnahme. Man darf sich da nicht in trügerischer Sicherheit wiegen.

Vor diesem Winter wurde appelliert, sich gegen Influenza impfen zu lassen. Gibt’s noch Impfstoff?

Ja leider. Der Aufschrei war größer. Ich hoffe, dass sich das beim Covid-Impfstoff nicht wiederholt. Wir haben noch Impfdosen für Kinder und Erwachsene zur Verfügung. Man kann sich noch impfen lassen.

Auch im Schulalltag blieb kein Stein auf dem anderen. Was hat das Distance Learning mit den Schülern gemacht?

Ich hoffe sehr stark, dass der Schulstart am 25. Jänner hält und die Infektionszahlen dafür sprechen. Ich bin eine große Verfechterin von offenen Schulen. Wir brauchen das Lernen durch soziale Interaktion, die Oberstufenschüler waren seit 23. Oktober nicht mehr in der Schule. Wir hatten noch nie so viele Rückmeldungen von Schülern und Eltern, die auf eine Schulöffnung drängen. Wir haben aber auch Schulen, wo 80 Prozent der Kinder kommen – quer durch die Schultypen. Da sehen wir, dass die Begleitung in der Schule viel mehr angenommen wird. Wenn viele Kinder da sind, geht es über das reine Betreuen hinaus. Für die Pädagoginnen und Pädagogen gibt es eine Handreiche, wie sie mit der Situation umgehen. Dass sie auch schauen, wie es den Kindern psychisch geht. Gerade die älteren Schüler klagen, dass die Situation belastend ist.

Gibt es da Zusatzangebote?

Wir haben Schulsozialarbeiter, -psychologen, die ihre Angebote online gestellt haben und verfügbar sind. Und die diversen Sorgentelefone. Auch die Lehrer sind als Vertrauenspersonen da.

Manche sprechen von einem verlorenen Schuljahr, sollte man die Schulpflicht um ein Jahr verlängern?

Es ist kein verlorenes Schuljahr. Die Oberstufenschüler haben gezeigt, was an Lernen auf digitalem Weg möglich ist. Einer Verlängerung kann ich nicht nähertreten. Es ist auch keine verlorene Generation, es ist anders gelaufen, vielleicht können nicht alle Ziele erfüllt werden. Da wird es Adaptierungen in der Notengebung brauchen, aber es haben die Pädagoginnen und Pädagogen mit unglaublichem Engagement die Schülerinnen und Schüler betreut – auch im Distance Learning.

Gibt es abseits von Corona heuer Neuerungen auf dem Gesundheitssektor?

Wir setzen die Investitionen des OÖ-Plan um, wie den Neubau des Kinderbettentrakts im Kepler Uniklinikum oder den Masterplan Orden. Zudem geht es um die Weiterentwicklung der Telemedizin und Digitalisierung.

Was wünschen Sie sich für 2021 beruflich und privat?

Gesundheit für meine Familie, mich und für die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher auch. Indem wir gesund sind, gibt es weniger Corona-Infizierte und wir können schneller wieder ein Leben, das wir gewohnt sind, führen.

Mit Gesundheits- und Bildungsreferentin LH-Stv. CHRISTINE HABERLANDER sprach Michaela Ecklbauer

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