Im Einsatz gegen die Landflucht

Teresa Distelbergers neue Doku „Rettet das Dorf“ zeigt positive Perspektiven auf

Eine Volksschuldirektorin, die im Dorf groß geworden ist, als Kind jeden hier gut kannte und überall verpflegt worden ist. „Es gibt fast keine Zäune“, wie sie sagt. Heute kämpft sie in ihrem burgenländischen Heimatort für den Erhalt der kleinen Schule, die von 40 Schülern vor 30 Jahren auf heute zehn geschrumpft ist. Die junge Landärztin einer 1200-Einwohner-Gemeinde im Waldviertel begeistert es, ganze Familienverbände zu betreuen. Sie bietet angehenden Ärzten Praktika in der Ordination an, für die ihr die Gemeinde die alte Hauptschule zur Verfügung gestellt hat.

Der parteilose Bürgermeister, der aus einer Bürgerinitiative kam, die sich in Stanz gegen die Fusion mit einem anderen Ort durchgesetzt hat. Heute baut er Häuser für generationenübergreifendes Wohnen und richtet einem Nahversorger am Dorfplatz Räumlichkeiten ein. Immer wieder zeigt sich, wie wertvoll das Engagement Einzelner ist, aber auch Zusammenhalt und Gemeinschaft sind. So fügen sich in der neuen Kino-Doku von Teresa Distelberger „Rettet das Dorf“ nach und nach Puzzleteile zusammen, die zeigen, wohin es gehen könnte, um dörfliche Strukturen für die Zukunft zu erhalten oder sogar wiederaufzubauen. Denn in 40 Prozent der heimischen Gemeinden wächst die Bevölkerung nicht mehr, so der Befund, in ganz Europa ist Landflucht ein Thema. Das langsame Dorfsterben geht einher mit Bauernsterben, Schul- und Greißlersterben.

In den Städten fallen die großen Entscheidungen

Die Globalisierung konzentriert sich auf Ballungszentren, die großen Entscheidungen fallen in den Städten, wo auch die meisten Mittel hinfließen, die Landbevölkerung fühlt sich oft zurückgesetzt. Aber auch das Landleben braucht es und zwar nicht nur, um die Ernährungssouveränität zu erhalten, sondern um dem großen Ganzen Bestand zu geben. „Stadt und Land sind voneinander abhängig“, sagt der hochrangige Beamte aus dem Murtal, der bei der EU in Brüssel für landwirtschaftliche Förderungen zuständig ist.

Man müsse Unternehmen und Landwirten, die weiter hinaus aufs Land gehen, mit steuerlichen Vorteilen einen Anreiz dazu bieten, so einer seiner Vorschläge. Eine andere Lösung könnte es sein, nicht nur junge Leute am Land zu halten, sondern auch Städter hierher zu holen. Das ist in Gutenstein gelungen. Dort haben sich junge Wiener Unternehmer mit Mitarbeitern angesiedelt, um hier zu (be)leben und zu arbeiten.

Die gebürtige Herzogenburgerin Distelberger (Jg. 1981) zeigt in ihrem solide gemachten Film viele positive Perspektiven des Dorflebens auf, beleuchtet verschiedenste Aspekte, stellt plausibel Zusammenhänge und Abhängigkeiten dar und macht damit Mut. Mit der Digitalisierung etwa eröffnen sich auch neue Möglichkeiten ortsunabhängigen Arbeitens und damit Chancen für das Dorf. Die Landschaft – oft aus der Vogelperspektive (Kamera: Niko Mayr) gefilmt – macht Gusto auf ein Dasein im Grünen. Damit es nicht wie im Geisterdorf Riulade im Friaul heißt: null Einwohner.

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