Im Glückstaumel des Rock ‘n’ Roll

Stones, Prince & Co: Legendäre Rockkonzerte auf YouTube

Mick Jagger 2006
Mick Jagger 2006 © AFP /V. Almeida

Der beste Konzertfilm aller bisherigen Zeiten? Für ältere Rock-Semester unumstößlich „Stop Making Sense“, Talking Heads 1984.

Mastermind David Byrne eröffnet mit „Psycho Killer“, taumelt wie dessen Opfer. Die Band vereint, „Burning Down the House“! Eruptive, anarchistische Energie über 88 Minuten, der Film der erste vollständig in digitaler Audiotechnik.

Regie führte Jonathan Demme, später unter anderem mit den Kino-Blockbustern „Das Schweigen der Lämmer“ und dem Aids-Drama „Philadelphia“ mehr als auffällig.

Geniestreich von Prince: „Sign o’ the Times“ 1987

„Stop Making Sense“ der Gipfel? Neiiin! Unter den auf YouTube abrufbaren Schätzen Prince’ Geniestreich „Sign o’ the Times“. Europa-Tournee im Sommer 1987 mit feminin geprägter Band, Prince Rogers Nelson hatte mit dem Doppelalbum „Sign o’ the Times“ noch Größeres geschaffen als mit „Purple Rain“. Der 85-minütige Zusammenschnitt der Tour mit putziger Herzeleid-Handlung, überbordend vor Funk, Rock und Sexyness. Lorenz Schröter, deutscher Autor: „Seine Musik ist nicht wie ein Orgasmus, sondern ich wollte, ein Orgasmus wäre so wie seine Musik.“

Schauplatzwechsel nach Reading, zwischen London und Oxford gelegen. Ein Mysterium, warum in der beschaulichen Universitätsstadt (Oscar Wilde darbte hier zwei Jahre im Knast) Rockmusiker seit Jahrzehnten zur Hochform auflaufen. Wer audiovisuell seine Glückshormone anstupsen will, sollte auf YouTube „Arcade Fire 2010 Reading“ eintippen. Das Ensemble um Win Butler und Régine Chassagne, vor knapp zwei Jahren auch in Linz, mit einzigartig dynamischer Show. Das finale „Wake Up“ eine gewaltige Wohlfühlwelle: Alles wird gut.

„Beach Party“ mit den Stones: Rio 2006

In Reading auch ein legendärer Auftritt von Nirvana, 1992. Kurt Cobain im Krankenhemd, Dave Grohl brav rasiert am Schlagzeug. Ein g’feanzt eingeleitetes „Smells Like Teen Spirit“, gänsehäutliches „Lithium“, Weltklasse. (Tipp für Liebhaber, Nirvana at KAPU Linz, 1989!) Dave Grohl später mit zauseligem Haarwuchs und Frontmann der Foo Fighters, 2015 im Maracanã-Stadion, Rio de Janeiro. Fast zweieinhalb Stunden die pure Freude in HD, „clap your fuckin’ hands!“ In Rio auch die Rolling Stones 2006. Nacht, unüberschaubare Menschenmasse an der Copacabana, so geht „Beach-Party“. Wer’s gediegener liebt: die Stones in „Shine A Light“ von 2008, Regie Martin Scorsese.

Die Ladies im Macho-Business Rock’ n’ Roll? Amy Winehouse, die viel zu früh verstorbene Göttlichkeit, in Glastonbury 2007. So herrlich, so außerirdisch. Das neue (Teenie-)Idol Billie Eilish, zu bestaunen bei einem knapp einstündigen Mitschnitt 2019 in Atlanta, Georgia. Die Zukunft, sei du selbst.

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