Im Kampf gegen Plastikmüll ist „Mehrweg das Schlüsselwort“

Gipfel von Regierung, Handel, NGOs und Experten in Wien

Es geht nicht nur um das Verbot der Plastiksackerl, sondern generell um weniger Plastikverpackung. © Animaflora Pics Stock - stock.adobe.com

WIEN – Klar gegen die Wegwerfgesellschaft hat sich die Bundesregierung nach dem „Plastik-Gipfel“ positioniert, der mit Handel, NGOs und Experten am Dienstag im Bundeskanzleramt die Umsetzung des Plastiksackerl-Verbots ab 2020 thematisierte. Diese Frist bezeichnete Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, als „knackig“ und merkte an, dass so ein Verbot auch den Online-Handel miteinschließen sollte.

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„Mehrweg ist das Schlüsselwort“, betonte ÖVP-Umweltministerin Elisabeth Köstinger. „Es geht um noch viel mehr als das Sackerl“, so FPÖ-Regierungskoordinator Norbert Hofer, denn man müsse über Verpackungsmaterial im Gesamten nachdenken, da hier auch die CO2-Problematik zu berücksichtigen sei. Daher sei Abfallvermeidung das Stichwort. „Die Lösung liegt in der Kreislaufwirtschaft, auf die sich die EU-Mitgliedstaaten mit der europäischen Kunststoffstrategie geeinigt haben“, hieß es in einem Statement von Sylvia Hofinger, der Geschäftsführerin des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs.

Kurz auch für Bewusstseinsbildung

Kanzler Sebastian Kurz betonte, dass die Regierung zwar mit dem Ziel, den Wirtschaftsstandort Österreich zu stärken, angetreten sei, darüber hinaus gelte es jedoch Umwelt und Ressourcen zu schonen. Die Umsetzung des Plastiksackerl-Verbots müsse „geordnet stattfinden“. Neben der gesetzlichen Regelung sei auch eine Bewusstseinsbildung vonnöten. Laut Köstinger hätte auch die Wirtschaft ihre Chancen erkannt. Österreich wolle in der EU mit gutem Beispiel vorangehen. Der Vize-Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Peter Koren, forderte, dass Österreich thematisieren muss, dass in rund der Hälfte aller EU-Mitgliedstaaten mehr als die Hälfte aller Kunststoffabfälle unbehandelt deponiert werden. Greenpeace vermisste am Dienstag indes konkrete Vorschläge, wie ein Viertel des Verpackungsmülls reduziert werden soll und forderte einen Aktionsplan samt Maßnahmen und Zeitplänen

Strengeres Vorgehen gegen Littering

OÖVP-Klubobfrau Helena Kirchmayr begrüßte den Vorstoß der Bundesregierung und trat generell gegen achtlos weggeworfenen Abfall (Littering) auf. „Die weggeworfenen Verpackungsmaterialien im öffentlichen Raum führen nicht nur zu extrem hohen Reinigungskosten, sondern sind auch ein Problem für die Landwirtschaft. Allein in OÖ fallen für Reinigungsarbeiten am Straßenrand mehr als drei Mio. Euro Kosten an. „Eine stärkere Förderung von Mehrwegverpackungen, die Prüfung einer österreichweiten Pfandlösung bzw. die Reduzierung von Einweggebinden soll mit Nachdruck vorangetrieben werden“, fordert Kirchmayr.

„Für eine gelingende Kreislaufwirtschaft, wo möglichst wenige Produkte aus dem Verwendungskreislauf fallen, muss schon das Produktdesign nachhaltig gestaltet sein“, so Umwelt-Landesrat Rudi Anschober.