Im Viertel des Waldes

Das Waldviertel hat seinen Namen zu Recht. Stehen doch gegenüber des Mühlviertels sehr viele Bäume. Wie das Mühlviertel ist auch das Waldviertel eine Grundgebirgslandschaft aus Graniten und Gneisen. Aber vermutlich, weil das Mühlviertel in Oberösterreich ist, sind die mühlviertler Berge eine Spur höher, trotzdem gibt es auch zwischen Gmünd und Donau Erhebungen mit über 1000 Meter.

Dass dieses Gebiet nördlich der Donau schon früh besiedelt wurde, zeigt eine kleine Dame, die weltberühmt wurde: Am 7. August 1908 wurde bei Bauarbeiten zur Donauuferbahn in Willendorf in der Wachau in 25 cm Tiefe eine rund 11 cm große und knapp 30.000 Jahre alte Frauenfigur gefunden: Die Venus von Willendorf.

Die kleine Skulptur dieser etwas beleibteren Dame mit großen Brüsten und der auffälligen Frisur ist wohl das bedeutendste Sammlungsobjekt des Naturhistorischen Museums in Wien und einer der berühmtesten archäologischen Funde der Welt.

Aber nicht nur der Fund ist spektakulär, auch die Umgebung – hat es doch die „Kulturlandschaft Wachau“ auf die Liste des „UNESCO-Weltkultur- und -naturerbes“ geschafft. Und die höchste Erhebung der Wachau ist auch ein „Summit“ auf der nö. Bezirkstour. Und man kann mit dem Auto fast bis zum Gipfel fahren oder ihn aber von allen Seiten erwandern oder sogar erpilgern.

Übers „Kremser Land“

960 Meter ragt der Jauerling empor – der höchste Berg an der 2850 km langen Donau überhaupt. Er verbindet die Wachau und das Waldviertel und von seinem Gipfelplateau aus kann man beide Seiten sehen … und noch viel weiter. Allerdings vom richtigen Gipfel sieht man nur Bäume und dort steht ein rundes Denkmal. Dann gibt es noch einen „Falschen Gipfel“, der hat zwar ein Kreuz, aber auch keine Aussicht.

Trotzdem: Der Naturpark Jauerling hat herrliche Aussichten. Auf der Jauerling Gipfelrunde – dauert eine gute Stunde – kommt man direkt vorbei, etwa bei der Jauerling-Aussichtswarte. Oder beim Naturparkhaus, dort steht man quasi am Balkon der Wachau. Im Winter kann man dort auch Skifahren, was Kirchschlag für Linz, ist der Jauerling für Krems.

Gipfelsuche in der Wild

Auf der anderen Seite des Waldviertels, also an der tschechischen Grenze, ist der Bezirk Horn und der höchste Punkt dieses Bezirkes liegt auf 603 Metern in der Wild, das ist der Name dieses geschlossene Waldgebietes. Mit den umgebenden Feuchtwiesen ist die Wild rund 20 Quadratkilometer groß, einen echten Gipfel hat es allerdings nicht. Der höchste Punkt ist am einfachsten von der Ortschaft Dietmannsdorf erreichbar – bei der Hubertuskapelle kann man entweder den linken oder den rechten Weg nehmen, im Wald dahinter überschreitet man die 600-Meter-Grenze.

Übrigens ist Dietmannsdorf nicht zu verwechseln mit Dietmanns, diese Gemeinde liegt fünf Kilometer nordwestlich und im Nachbarbezirk Waidhofen an der Thaya. Und von dort kann man den Predigtstuhl erklimmen, den höchsten Berg im Bezirk Waidhofen an der Thaya. Im vorigen Jahrhundert stand am Gipfel sogar ein hölzerner Aussichtsturm und man konnte Schneeberg und Ötscher sehen. Der Turm ist verschwunden und die Aussicht ist ob der vielen Bäume ebenfalls getrübt, das hat den Vorteil, dass man das nahe Atomkraftwerk Dukovany auch nicht sieht.

Aber es gibt ein Gipfelbuch, in das man sich eintragen kann. Und ein bisschen ist der Predigtstuhl mit dem Großglockner vergleichbar. Von den Tschechen wurde im Mittelalter die Grafschaft Raabs als Rakousko (das bedeutet „Raabser Land“) bezeichnet. Diese Bezeichnung wurde später auch auf das Land hinter Raabs ausgedehnt und heute bezeichnen die Tschechen ganz Österreich als Rakousko.

Der Hohe Norden

Wer Lust auf einen Vorgeschmack auf die russische Taiga oder das finnische Lappland haben möchte, sollte in den Bezirk Gmünd kommen. Und in dem Bezirk liegt auch der höchste Berg des gesamten Waldviertels: Der Tischberg befindet sich im Dreiländereck zwischen Böhmen, Nieder- und Oberösterreich in der Ortschaft Karlstift. Bei den Skiliften geht es rein in den Wald und dann gemütlich durch Wald und Wiesen rauf zum Tischberg auf 1068 Meter. Es lohnt sich etwas herumzustreunen und auch die anderen „Gipfel“ dieses bewaldeten Kamms zu erklimmen.

So entspringt knapp unterhalb des benachbarten Eichelberges (1054 Meter) die Lainsitz, der Fluss wird 200 Kilometer später in die Moldau rinnen. Übrigens geht auch der Europäische Fernwanderweg „E6“ über den Tischberg – der Teil in Oberösterreich ist unter dem Namen Nordwaldkammweg bekannt. Also wer viel Zeit hat, könnte im finnischen Kilpisjärvi starten und über 5000 Kilometer bis zu den türkischen Dardanellen gehen, etwa in der Hälfte liegt der Tischberg.

Und danach käme man auf dem „E6“ in den Bezirk Zwettl, dessen höchster Berg ganz im Südosten des Bezirks liegt: Der Weinsberg ist geschichtsträchtig, bereits 1388 wurde eine Burg dort als Burgstall erwähnt. Reste von Mauern sind teilweise noch beim Plateau sichtbar. Und er gab auch dem Weinsberger Granit seinen Namen. Die Tour beginnt etwas außerhalb der Gemeinde Bärnkopf, der Luftkurort ist übrigens die höchstgelegene Gemeinde des Waldviertels. Von der Landstraße geht ein kleiner Steig auf den Gipfel, 1041 Meter über dem Meeresspiegel. Von der Straße braucht man vielleicht zehn Minuten.

Und in Sichtweite liegt auch schon der nächste Summit des Waldviertels: Der Peilstein. Für Genießer ist es überlegenswert, beide Gipfel zu verbinden. Denn vom Weinsberg abwärts rinnt die Ysper – und sie schuf eine atemberaubende Klamm. Diese Ysperklamm ist seit 1952 ein Naturdenkmal und kommt man von oben „spart“ man sich den Eintritt. Dann muss man allerdings ein bisschen hatschen, damit man zum Einstieg auf den Peilstein nach Laimbach kommt.

Der Große und der Kleine

Man ist gewohnt, dass große Flüsse natürliche Grenzen sind und meist wird das auch von der Verwaltung genutzt. In Melk ignoriert man hingegen den Donaulimes und der Bezirk erstreckt sich dies- und jenseits des großen Stromes. Die höchste Erhebung des Bezirkes ist im Wald- und nicht im Mostviertel, also auf der Nordseite der Donau. Der Große Peilstein mit seinen 1061 Metern ist auch die höchste Erhebung des Ostrongs und gleichzeitig die höchste Erhebung des gesamten südlichen Waldviertels. Von Laimbach geht es über die Schneidermauer zum kleinen Peilstein mit Gipfelkreuz und Gipfelbuch auf einer imposanten Felsformation. Es empfiehlt sich, hier die Rast zu machen und sich im Gipfelgefühl zu sonnen, denn der große Peilstein mit seinen 1061 Metern ist zwar um 37 Meter höher, aber lange nicht so spektakulär.

Der überwiegende Teil des Bezirkes Melk liegt aber auf dem anderen Ufer der Donau und schon im Mostviertel … doch davon erzählt eine andere Geschichte.

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