In China erstmals mehr Corona-Fälle durch Einreisende

In China, wo die Coronavirus-Pandemie ausgebrochen ist, ist die Zahl der Virusinfektionen bei Reisenden aus dem Ausland erstmals höher ausgefallen als die Zahl der Ansteckungen durch Übertragungen im Inland. Von den elf Neuinfektionen seien sieben bei Menschen festgestellt worden, die aus dem Ausland kamen, teilte die Nationale Gesundheits-Kommission am Samstag mit.

Die in China vorgenommenen rigorosen Reisebeschränkungen haben den Export von Corona-Fällen ins Ausland bis Mitte Februar um rund 70 Prozent verringert. Ohne diese wären bis 15. Februar 779 Sars-CoV-2-Fälle exportiert worden, schreiben die Autoren um Alison Galvani von der US-Universität Yale in der am Freitag in “Proceedings” der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) veröffentlichten Studie.

In Südkorea stieg die Zahl der erfassten Corona-Infektionen bei zuletzt rückläufiger Tendenz bei den neuen Fällen wieder auf mehr als 8.000. Am Freitag seien 107 Neuinfektionen festgestellt worden, teilten die Gesundheitsbehörden am Samstag mit.

Außerhalb von Europa war vor allem der Iran weiter schwer von der Krise getroffen. Am Samstag stieg die Zahl der Coronavirus-Opfer drastisch an. Innerhalb von nur 24 Stunden habe sich die Anzahl der Toten von 514 auf 611 erhöht, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Kianush Dschahanpur, in Teheran. Die Zahl der offiziell erfassten Ansteckungen mit Sars-CoV-2 stieg in Tagesfrist um 1.365 auf 12.729.

US-Präsident Donald Trump weitet den 30-tägigen Einreisestopp für Reisende aus weiten Teilen Europas wegen der Ausbreitung des Coronavirus auf Großbritannien und Irland aus. Das kündigte Trump am Samstag bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus an. Vizepräsident Mike Pence ergänzte, die Maßnahme trete um Mitternacht in der Nacht von Montag auf Dienstag in Kraft.

Amerikaner und Personen mit einer dauerhaften Aufenthaltserlaubnis (Green Card), die sich in diesen beiden Ländern aufhielten, dürften auch danach weiter in die USA einreisen. Sie müssten sich aber Tests unterziehen und sollten sich in eine 14-tägige Selbstquarantäne begeben.

Damit soll die weitere Ausbreitung des Coronavirus in den USA eingeschränkt werden. Pence sagte, Gesundheitsexperten hätten einmütig dazu geraten, den Einreisestopp wegen zunehmender Infektionszahlen auf Großbritannien und Irland auszuweiten. Um Mitternacht in der Nacht zu Samstag war bereits ein 30-tägiger Einreisestopp für Menschen aus dem Schengen-Raum in Kraft getreten. Der Schengen-Raum umfasst 26 europäische Staaten, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Auch hier gilt, dass Amerikaner und Green-Card-Inhaber weiter einreisen dürfen. Rückkehrer aus den vom Einreisestopp betroffenen Ländern müssen auf einem von 13 Flughäfen in den USA einreisen, die das Heimatschutzministerium bestimmt hat. Nach Angaben des geschäftsführenden Heimatschutzministers Chad Wolf sind außerdem ausländische Diplomaten von den Reiseeinschränkungen ausgenommen.

US-Präsident Trump ließ unterdessen bei sich einen Test auf das neuartige Corona-Virus machen. Das gab Trump am Samstag in Washington bekannt. “Ich habe den Test gestern Abend gemacht”, sagte er. Die Ergebnisse würden in einem oder zwei Tagen vorliegen. Der Präsident hatte am Freitag gesagt, er werde wahrscheinlich einen Test auf das Coronavirus bei sich machen lassen, nachdem er Kontakt zu einigen Infizierten hatte. Trump hatte trotz gegenteiliger Empfehlung von Experten am Freitag aber auch immer noch die Hände von Menschen geschüttelt, mit denen er Kontakt hatte.

Im Weißen Haus in Washington wird wegen der Corona-Krise ab sofort Fieber bei Besuchern gemessen. Bei allen Menschen mit “engem Kontakt zu dem Präsidenten” Donald Trump und Vize-Präsident Mike Pence werde die Temperatur gemessen, kündigte Vize-Pressesprecher Judd Deere am Samstag an.

In den USA ist die Zahl der Infizierten nach Angaben der Johns Hopkins Universität am Samstag auf 2488 gestiegen. Allerdings dürfte die tatsächliche Zahl der Infizierten deutlich höher liegen. Die Zahl der Todesopfer wurde von den Behörden mit 50 angegeben. Wegen fehlender Tests wurden in den USA im Vergleich zu anderen Ländern bisher nur wenige Menschen getestet. Trump war lange vorgeworfen worden, die Ausbreitung des Virus zu verharmlosen.

Am Freitag hatte Trump aber den nationalen Notstand ausgerufen. Damit könnten bis zu 50 Milliarden Dollar (45 Mrd. Euro) gegen die Pandemie mobilisiert werden, sagte er. Am Samstag kritisierte Trump erneut die amerikanische Notenbank. Er hoffe, dass die Zentralbank im Kampf gegen das Coronavirus “endlich an Bord komme” und die Leitzinsen erneut senke.

In Afrika sind weitere Fälle des neuen Coronavirus bekannt geworden. Namibia und das Gebirgskönigreich Eswatini (ehemals Swasiland) gaben ihre ersten Fälle bekannt.

Das Coronavirus breitete sich inzwischen auf 17 der 20 Länder Lateinamerikas aus. Zuletzt wurden am Freitag in Venezuela, Guatemala und Uruguay erste Fälle bekannt. Nur in den mittelamerikanischen Ländern Nicaragua und El Salvador sowie im Karibikstaat Haiti wurden keine Infektionen bestätigt, so die Behörden der jeweiligen Länder sowie die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Auch in Belize und Suriname, die wegen ihrer Amtssprachen nicht zu Lateinamerika gezählt werden, gibt es bisher keine bekannten Fälle. In der Karibik sind mehrere weitere Gebiete von der Pandemie betroffen – darunter Jamaika, Puerto Rico, Trinidad und Tobago und einige französische Überseegebiete.

Mehrere Länder der Region ergriffen in den vergangenen Tagen verstärkt Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Einige von ihnen riefen den Notstand aus, manche suspendierten den Flugverkehr aus Europa. In Südamerika schloss Kolumbien am Samstag seine Grenze zu Venezuela. El Salvadors Präsident Nayib Bukele rief eine “nationale Quarantäne” aus – für drei Wochen dürfen keine Ausländer das mittelamerikanische Land betreten.

Den ersten registrierten Fall in Lateinamerika gab es in dem bevölkerungsreichsten Land Brasilien am 26. Februar. Dort wurden inzwischen 98 Infektionen mit dem Virus gezählt – die meisten in der Region. Brasiliens Gesundheitsministerium bestätigte am Freitag auch erste Fälle örtlicher Übertragung in São Paulo und Rio de Janeiro. Drei Menschen starben bisher nach offiziellen Angaben in Lateinamerika an der Krankheit Covid-19 – zwei in Argentinien und einer in Panama.

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