In Corona-Krise startet Suche nach Investoren

Milliardenschwere Hilfspakete müssen in der EU finanziert werden — Der Fokus liegt auf Anleihen

Videokonferenz rund um den Erdball: Vertreter von 20 Industrie- und Schwellenländern trafen sich am Donnerstag zum virtuellen Gipfel. © AFP/Ramage

Braucht Otto Normalverbraucher Geld, greift er zu Geldbörse, Bankomatkarte oder Sparbuch — bei finanzieller Ebbe zum Bankkredit.

Aber, wie kommen Staaten an Geld, um geplante oder urplötzlich auftretende Haushaltslücken zu füllen? Laut Daten der EU-Kommission liegt in den 27 Mitgliedsstaaten derzeit der Schwerpunkt auf Staatsanleihen.

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Mehr als 80 Prozent der Staatsschulden werden in den EU-Staaten über diese (zumeist fixverzinsten, endfälligen und auch handelbaren) Schuldscheine aufgenommen.

Auf Bankkredite entfallen dagegen in den EU-Staaten nur 13,6 Prozent der öffentlichen Schulden. Für die Emittenten haben Anleihen den Vorteil, dass sie erst am Ende der Laufzeit auf einen Schlag fällig werden, in der Zwischenzeit also nur Zinsen und keine Tilgungen anfallen sowie keine Vermögenswerte verpfändet werden müssen.

Dennoch gibt es laut EU-Daten mit Estland, Griechenland und Zypern Regierungen, die ihre Verschuldung schwerpunktmäßig auf Kreditmodellen aufbauen.

Geld kommt über Grenze

Starke Variationen gibt es zwischen den EU-Staaten in der geografischen Verteilung ihrer Geldgeber. Während beispielsweise die Regierungen von Malta, Schweden oder Dänemark nur zu 13 Prozent, 22,7 Prozent bzw. 27,2 Prozent ausländischen Finanziers gegenüberstehen, weisen andere EU-Regionen deutlich stärkere Verflechtungen mit dem Ausland auf. Zypern, Lettland und Litauen haben für mehr als 70 Prozent ihrer Staatsschulden die Gläubiger im Ausland sitzen.

Institutionelle Investoren

Der Rest der ausgegebenen staatlichen Schuldscheine entfällt in den EU-Staaten zu 20 bis 70 Prozent auf Anleihen in Händen von „inländischen finanziellen Kapitalgesellschaften“ wie Banken, Investmentfonds, Versicherungen oder Pensionskassen sowie zu einem ein kleinen Teil (meist unter 10 Prozent) auf den „inländischen nichtfinanziellen Sektor“ aus Firmen, Privaten oder Non-Profit-Organisationen.

Welt kauft Rot-Weiß-Rot

Im Abgleich mit den anderen EU-Staaten sticht Österreich in Sachen Finanzierung der Staatsverschuldung durch einen vergleichsweise hohen Anteil ausländischer Geldgeber hervor.

Die Nationalbank beziffert die vom Staat Österreich ausgegebenen verzinslichen Wertpapiere mit derzeit 313,2 Milliarden Euro, wovon 201,7 Milliarden bzw. 64,4 Prozent aus dem Ausland zugeflossen sind.

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