In den Flitterwochen ohne Navi im Jeep zum Nordkap und zurück

Frischvermählte aus Oberösterreich verzichten bei ihrer Hochzeitsreise auf Sonnenparadiese — Für Katharina und David Kemptner-Rauscher geht es im 20 Jahre alten Jeep in 15 Tagen 7500 Kilometer durch zehn Länder weit über den Polarkreis und retour.

Von Christoph Steiner

Malediven, Karibik oder eine romantische Zeit in Paris… das wären klassische Ziele für Hochzeitsreisen. Doch die gewünschte Realität sieht anders aus. Über Hamburg, Dänemark, das Baltikum, Kaliningrad sowie den Polarkreis und das Nordkap soll ein oberösterreichisches Paar die Flitterwochen führen. Nicht etwa per Kreuzfahrt, sondern für 15 Tage per Jeep samt mehr oder weniger geruhsamen Nächten im Zelt.
Baltic Sea Circle nennt sich die Aufgabe, die sich Katharina und David Kemptner-Rauscher auserkoren haben, um ihren Bund fürs Leben auch gebührend zu feiern.

15 Tage, 7500 Kilometer

© Kemptner-Rauscher

Am 15. Juni geht’s los, 15 Tage, 7500 Kilometer, Unwägbarkeiten erwartbar. Die Kriterien: Der Jeep muss mindestens 20 Jahre auf dem Buckel haben, GPS ist verpönt und Autobahnen spielt es schon mal gar nicht. Warum man sich das antut? „Wir waren schon immer gerne mit dem Auto unterwegs, eine klassische Hochzeitsreise stand eigentlich nie zur Diskussion“, so Katharina.
Wurde vergangenen Sommer noch stilecht auf einem Schloss in Italien geheiratet, steht also nun der komplette Tapetenwechsel an.

Visum und wenig Gepäck

Die Vorbereitungen sind akribisch und aufschlussreich. Für ein Visum für die Ein- und Wiedereinreise nach Russland etwa bedarf es Geduld und Vertrauen. Reisepässe haben per Post zu einer in Deutschland gemeldeten Reisevermittlung mit Niederlassung in Russland geschickt zu werden, danach darf erstmals bezahlt werden. Die Reisepässe sind mittlerweile wieder zurück, das stärkt die Zuversicht.

Überschaubarer Stauraum

Doch 15 Tage auf engstem Raum wollen trotzdem bedacht geplant werden. Platz ist nicht viel, Spezialanfertigungen werden gebraucht. Seit der Bekanntgabe der außergewöhnlichen Reisepläne werden die beiden zu jeglichen Anlässen von Verwandten und Freunden mit brauchbaren Utensilien bedacht. Dass man etwa einen Schlafsack auf die Größe eines Taschenbuchs zusammenfalten kann, wussten zuvor auch nicht viele. Mit einem 20-Euro-Zelt würde man wohl auch kaum Nächte in Murmansk nördlich des Polarkreises verbringen können.

Mindestalter 20 Jahre

Dass es der Jeep mit der Startnummer 162 auch ins Ziel schafft, dafür wurde in den vergangenen Wochen fleißig geschraubt. Auch wenn der Jeep Wrangler des Paares zu den Jüngsten im Starterfeld gehört. Mit Baujahr 1998 hat der Jeep die Altersgrenze von mindestens 20 Jahren für den Start erst im Vorjahr erreicht, „Das Auto ist fit“, betont David. Der Kühler, der Auspuff und die Wasserpumpe wurden gewechselt, der CB-Funk für die Kommunikation während der Reise eingebaut. Kroatien, Italien und zahlreiche weitere südliche Länder wurden bereits mit dem Jeep bereist, nun geht es also gen Norden.

Aufgaben statt Tempo

Ankommen ist eigentlich alles, Tempo ist nicht der ausschlaggebende Faktor. Die Route ist prinzipiell frei wählbar, drei fixe Treffpunkte gibt es aber während der 15 Tage. Genaueres erfährt man erst kurz vor der Abfahrt in Hamburg, wenn man das Roadbook mit Aufgaben und Zielorten bekommt.

Die Aufgaben variieren von Ausgabe zu Ausgabe, eine der bekanntesten und berüchtigsten wird allerdings wohl auch diesmal wieder dabei sein: die „Surströmming Challenge“. Surströmming ist eine schwedische Fischspeise, die durch Säuerung konserviert wird. Sie rieche „intensiv; faulig und stinkend“, so die erste Kurzbeschreibung, die man auf Wikipedia dazu findet.

Geöffnet mitnehmen

Will man also Zusatzpunkte ergattern, muss man die Konservendose mit dem gegärten Fisch geöffnet 200 Kilometer im Auto mittransportieren, ein guter Magen empfiehlt sich. Doch auch für die Gemeinschaftstreffen gibt es zur Vorbereitung eine Aufgabe: Für die gemeinsamen Abende muss jedes Team eine Kiste Bier im beengten Gefährt mitführen. Auf Österreicher werden die frisch Vermählten dort eher weniger treffen: Von den rund 250 Teams sind nur fünf heimische Starter gemeldet.
Heutzutage gibt es natürlich keinen Spaß ohne Human Responsibility – also den Gedanken an die soziale Verantwortung: So muss jedes Team während bzw. in Vorbereitung der Tour mindestens 750 Euro an Spendengeldern für einen guten Zweck sammeln.

Fahren für’s Tierheim

An wen das Geld fließen soll, ist frei wählbar. Das Paar entschied sich für das Tierheim Linz. Die Entscheidung fiel den beiden nicht schwer, haben sie doch selbst vor einigen Jahren bei einem Urlaub in der Steiermark einen ausgesetzten Hund aufgenommen, der nun nicht mehr von ihrer Seite weicht. „Tiere und vor allem Hunde sind uns schon immer sehr am Herzen gelegen, für die wichtige Arbeit im Tierheim möchten wir mit unserer Reise auch einen Beitrag leisten“, so das Ehepaar.

Gespendet werden kann über die Website www.leetchi.com/c/prime-offroad oder direkt mit dem Betreff „Hochzeitsreise“ an das Tierheim Linz auf das Konto bei der Hypo Oberösterreich mit der IBAN AT685400000000758755.

Verfolgbar auf Instagram

Ihre Reise werden die beiden auch mit entsprechenden Bildern und Geschichten auf Instagram dokumentieren. Unter www.instagram.com/prime.offroad wollen Katharina und David ihre Follower auf dem Laufenden halten.

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