In den Phrasen das Gift

    Gerhard Polt & „Well-Brüder aus'm Biermoos“ im Linzer Musiktheater

    53
    Gerhard Polt und die drei Well-Brüder
    Gerhard Polt und die drei Well-Brüder. © HP Hösl

    Von Christian Pichler

    Ungerührt hockt er da, lauscht seinen Musikanten. Ein Fels, eine bajuwarische Instanz. (Denkt er an Schweinsbraten? Sammelt er sich für seinen Part?) Steht auf, quatscht träge drauflos. Aus seinem Mund klingt das rasend komisch, absurd: „Man kommt ja gar ned drum rum. (Pause) Stimmt’s?“

    Eine Hand in der Hosentasche, die andere dirigiert in der Luft, als würde sie dort nach den geeigneten Wörtern suchen. Der Mensch, ja, das Schlimmste „der Mensch als Nachbar“. Ein Schauspieler wohnt nebenan. Nun hatte er, der grantelnde Polt, immer gedacht, Künstler nagen am Hungertuch. Aber nein: „Der grillt!“ Und nicht zu wenig, kein Wunder, dass die Arktis schmilzt.

    Gerhard Polt, Seelenverwandter Karl Valentins und ein Unikum, endlich wieder in Linz. Am Sonntag gastierte Polt im rammelvollen Musiktheater, an seiner Seite die Fusion „Well-Brüder aus’m Biermoos“, Christoph und Michael (Biermösl Blosn) sowie Karl (Guglhupfa). Ein „Grüß Gott“ in der „herrlich geschmückten Mehrzweckhalle“, zum Einstand charmante lokale Frotzeleien der Brüder. Kuriose Stadt Linz, zwar mit 3-Brückenlauf, aber nur zwei Brücken.

    In der Nettigkeit lauert das Gift

    Beschwingte Tanzmusi, eine „Große Feuerwehrmusik in D-Dur“ des einst im Biermoos gestrandeten G. F. Händel (Fake!). Böse Gstanzln, in der Nettigkeit lauert das Gift. Bayern die „Vorstufe zum Paradies“ (Horst Seehofer), der österreichische Innenminister ein schöner Mann, „von de Fiaß bis zum Hois“.

    Die Well-Brüder multiinstrumental, nach der Pause ein Medley mit drei Alphörnern. Da schlurft Polt gerade Champagner („Domberiäh“, Dom Pérignon). Ein Lokalpolitiker alter Schule, der mit all den „Kaulquappennummerierern“ hadert. Vorbei die goldenen Zeiten, als ein Naturschutz- noch un- g’schaut in ein Gewerbegebiet umgewidmet werden konnte.

    Gerhard Polt nimmt die Phrasen beim Wort, zerkaut sie, spuckt sie wieder aus. Höllisch die Anschleimphrasen: „Wenn i des Wort ,wir‘ scho hear! I woar no nie wir!“ Er keift über überbehütete Kinder, „alles Wunderkinder“, kommen die schon mit Schutzhelmen auf die Welt? Zum Finale machen sie gemeinsam Musik, über den Menschen: „Vü Erwartung, wenig Freid“. Und warum? „Dideldum“.

    Bajuwarisch-„afrikanischer“ Gesang als Rausschmeißer, Polt pfeift auf „Würde“, wackelt im Takt mit dem Hintern. Einige im Publikum auch. G’staundene Ovationen.