In diesen Nesterln ist nur Natur

Dass es zu Ostern auf gar keinen Fall ein Billignesterl aus einem fernen Land sein muss, sondern dass der Osterhase auch ein gewickeltes Körbchen aus natürlichen Gräsern verstecken kann, also ein Stück traditionelles Kunsthandwerk, das obendrein noch weiterverwendet werden kann, zeigt Karin Theresa Mikota. Die Königswiesenerin lebt — inspiriert von der indianischen Lebensweise — im Rhythmus der Natur, die im Frühling wieder erwacht.

Karin Theresa Mikota bei ihrer Arbeit im Grünen
Karin Theresa Mikota bei ihrer Arbeit im Grünen © Otto Reinthaler

Von Astrid Braun

Ostern steht vor der Tür und da werden sie wieder in Massen versteckt: die Osternester. Und wer sich der Natur verbunden fühlt, der setzt auf Heimisches, Natürliches, Wiederverwendbares. So wie die Osterkörbe von Karin Theresa Mikota. Sie feierte gestern ihren 50. Geburtstag und besuchte zuletzt mit ihren Werken einen Ostermarkt nach dem anderen. Ihr Hauptberuf ist das Korbwickeln, ein uraltes Handwerk, das zum immateriellen Kulturerbe Österreichs zählt. Ihre Osternester sind Natur pur. „Man solI nichts Giftiges nehmen und nichts, das unter Naturschutz steht, sonst ist alles möglich — Heuwiese, Kukuruzblätter, Lavendel, Rosmarin, Thymian, Blumen wie Margeriten oder Vergissmeinnicht“, betont Mikota. Sie lehrt das Korbwickeln auch in Workshops.

Die gesammelten langen Gräser werden in der Garage ihres Hauses in Königswiesen mit einem Naturfaden in kleinen Bündeln zusammengefasst und zum Trocknen aufgehängt. „Ich trockne alles sehr schonend im Dunkeln für zwei- bis drei Wochen, so behalten die Gräser ihre Farbe. Wenn die Bündel trocken sind, nehme ich ein paar herunter und beginne mit dem Wickeln.“

Mikotas gewickelte Werke, ihre natürlichen Osternesterl und Körbe aus Naturmaterialien. © Karin Theresa Mikota
Mikotas gewickelte Werke, ihre natürlichen Osternesterl und Körbe aus Naturmaterialien. © Karin Theresa Mikota

Zuerst wird ein Knoten in ein Bündel gemacht. „Dann fädel ich mit einer Sacknadel — damit wurden früher Kartoffelsäcke genäht — das Naturgarn — da kann man Hanf, Schafwolle, Flachs oder Ähnliches nehmen — durch. Die Gräser legt man mit der langen Seite wie eine Spirale um den Knoten und befestigt sie mit sechs bis sieben Stichen, die Nadel geht in der Mitte immer durch das selbe Loch. Danach kommt die nächste Reihe, die Gräser werden weiter wie eine Spirale um die jeweils vorhergehende Runde platziert und mit Stichen in die vorhergehende Runde festgenäht. Ist der Boden groß genug, beginne ich mit den Korbwänden, indem ich die Gräser etwas nach oben lege. Am Schluss führe ich die Stiche eine Runde lang auch in die entgegengesetzte Richtung, so entstehen Kreuzstiche und der Korb wird stabiler. Am Ende vernähe ich den Faden so, dass man ihn nachher nicht sieht“, erklärt sie ihre Kunst.

Bei Profi Mikota dauert ein Osterkörbchen mit rund 25 cm Durchmesser aus verschiedenen Gräsern eineinhalb bis zwei Stunden, ein Lavendelkörbchen der selben Größe rund drei Stunden.„Anfänger brauchen im Workshop meist gute vier Stunden“, erzählt die Naturliebhaberin und ergänzt: „Es gibt auch Körbe aus Kiefernnadeln, die riechen dann nach Harz. So ein Osterkörbchen ist etwas Heimisches und Natürliches, keine Billigproduktion aus einem armen Land, wo die Arbeiter dann kaum was für ihr Werk bekommen.“

Auferstehung der Natur

Das Osterfest bedeutet für Mikota „die Auferstehung der Natur. Im Winter stirbt alles und im Frühjahr ist die Auferstehung von Allem. Schön dekorierte Osterkörbchen gehören da für mich dazu, damit haben nicht nur Kinder Freude. Bei mir in der Familie werden die Eier sogar drei Meter in der Höhe auf Bäumen oder vergraben in der Erde versteckt. Das ist lustig und das ist auch Frühling, da wird man auch selbst ein bisserl aufgeweckt.“

Inspiriert von Indianern

Mikota, verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes, lebt generell im Rhythmus der Natur. „Ich bin in St. Georgen an der Gusen in der Natur aufgewachsen und früher immer nach Königswiesen auf Erholung geschickt worden. Da war schon früh klar, dass ich einmal hier her will. Irgendwann habe ich hier in Königswiesen dann ein Haus gekauft“, erzählt Mikota, die von den nordamerikanischen Lakota-Indianern inspiriert ist. „Ich war schon zweimal dort in South Dakota und habe bei ihnen gelernt. Immer wieder kommen auch welche zu uns. Im Stampfenbachtal in St. Leonhard bei Freistadt gibt es einen Kraftplatz. Es geht darum, wieder zurück zu unseren Wurzeln zu finden und im Einklang mit der Natur zu leben“, erzählt Mikota, auch Tanka genannt. „Interessanterweise werde ich seit früher Kindheit so genannt. Mein Opa hat mich so gerufen. Später habe ich nachgeforscht und der Name bedeutet im Germanischen ,Frau mit weisen Gedanken’.“

„Verkehrter“ Rhythmus

Was sie von den Indianern gelernt hat? „Zunächst wurde mir bewusst gemacht, dass wir hier eigentlich verkehrt leben. Wir arbeiten im Winter viel und fahren im Sommer, da wo wir voller Energie stecken, auf Urlaub. Dabei ist von der Natur aus der Winter die Zeit der Stille und Ruhe. Darum arbeite ich schon seit acht Jahren nicht mehr im Winter, da lebe ich von den Reserven, die ich im Sommer erarbeite“, sagt Mikota, die sich nur selten im Supermarkt blicken lässt: „Ich lebe von dem, was vor meiner Haustüre wächst — Wurzeln, Pflanzen, Beeren, Schwammerl. Das geht auch im Winter ganz prima. Da gibt es zum Beispiel den Fichtenzapfenrübling.“ Auch medizinisch versorgt sich Tanka selbst. Tinkturen, Salben, Hustensäfte und Tees — die Hausapotheke ist natürlich. „Krankheiten wie Grippe oder Erkältung kenne ich nicht. Zuletzt war ich wegen einer Sehnenscheidenentzündung beim Arzt, davor bestimmt 20 Jahre nicht.“

Ab Februar bis Mitte November ist Mikota draußen übrigens barfuß anzutreffen. Den Tag verbringt sie von morgens bis abends im Freien, sehr oft im Wald. Kraft und Energie tankt sie am besten bei Bäumen „Ich setze mich auf den Stamm oder lehne mich an und ja, manchmal umarme ich auch Bäume oder rieche daran. Egal was manche Menschen darüber denken, es hilft, da kann man sagen, was man will“, ist Karin Theresa Mikota überzeugt. Im September geht’s für sie wieder für vier Wochen nach Nordamerika zu den Indianern.

www.naturspirit.at

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