„In ein F1-Auto kann man Dummie setzen“

KTM-Boss Stefan Pierer über das Heimrennen, die Entwicklung des MotoGP-Teams, den fehlenden Ersatzfahrer und den Faktor Geld

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Bradley Smith (Bild) hält in der MotoGP als einziger Pilot die KTM-Fahne hoch, Firmenboss Stefan Pierer ist mit der Entwicklung aber zufrieden,
Bradley Smith (Bild) hält in der MotoGP als einziger Pilot die KTM-Fahne hoch. © Manfred Binder

Roland Korntner berichtet aus Spielberg

„Wir wollen schon 2019 das Podium erreichen und letztlich ganz oben stehen. Egal, wie lange es dauert, wir werden es schaffen“, bekräftigte mit Stefan Pierer der CEO von KTM die großen MotoGP-Ambitionen des oberösterreichischen Rennstalls. Der 61-Jährige ließ beim Heimrennen in Spielberg mehrmals aufhorchen. Pierer über…

… den Grand Prix von Österreich: „Ein besonderes Event, das größte Sportereignis in Österreich. Wir erwarten 200.000 Zuschauer, allein 4500 Angestellte von KTM sind an der Strecke.“

„Es braucht viel Feinarbeit“

… die Entwicklung von KTM in der MotoGP: „2017 verlief besser als erwartet, das zweite Jahr ist immer härter, aber wir gehen Schritt für Schritt. Es braucht jetzt viel Feinarbeit und dann einen Top-Testfahrer, der die letzte halbe Sekunde herausholt. Die Motorleistung passt, es geht darum, diese noch besser auf die Straße zu bringen.“

… die große Dichte: „Die Zeitabstände sind sehr knapp geworden, mit einer Sekunde Rückstand bist du jetzt nur 15., vor ein paar Jahren warst du damit noch in den Top 6.“

„MotoGP zahlt sich aus“

… die Motivation für Rennsport: „Wir sind auf einem guten Weg zum nächsten Rekordjahr mit 260.000 Einheiten, 60 Prozent davon Straßenmotorräder. Wir machen Rennsport, damit wir Motorräder verkaufen. Deshalb sind wir in die beste und teuerste Konkurrenz, die MotoGP, eingestiegen und wir sehen, dass es sich auszahlt.“

„Geld macht faul“

… die Problematik des fehlenden Ersatzfahrers (aufgrund der Verletzungen von Mika Kallio und Pol Espargaro): „In der Formel 1 kannst du auch einen Dummie ins Cockpit sitzen, irgendwann kommt dort auch noch autonomes Fahren. Bei uns gibt es ganz wenige, die diese MotoGP-Geräte wirklich beherrschen, da kannst du nicht irgendjemanden nehmen. Es macht keinen Sinn, einen zu holen, der drei oder vier Sekunden langsamer ist, der ist nur ein Sicherheitsrisiko.“

… Geld als Faktor: „Zu viel Geld macht faul, wenn man kein unbegrenztes Budget zur Verfügung hat, dann muss man kreativ sein.“

… die Erwartungen an Bradley Smith fürs Heimrennen: „Ich traue ihm die Top 10 zu.“

Ein Leiterwagerl, aber keine KTM für Marquez

Vom Ausnahmekönner, sechsfachen Weltmeister und aktuellen WM-Leader Marc Marquez schwärmt Pierer indes nur in den höchsten Tönen. „Er ist ein außergewöhnliches Talent, ein Gott. Dem kannst du auch ein Leiterwagerl geben.“ Für seinen Rennstall ist er aber zumindest derzeit keine Option, keine Überlegung.

Budget für Weiterentwicklung, nicht für Extraklasse-Piloten

„Er hat ja bei uns begonnen, wir kennen uns“, erinnerte Pierer an die Jahre 2008 und 2009, als der Spanier in die 125er-Kategorie einstieg und mit dem oberösterreichischen Gerät auch seine ersten beiden WM-Podestplätze einfuhr. Aber? „Wir brauchen das Budget für die Weiterentwicklung und nicht für einen Top-Piloten“, begründte Pierer. Außerdem sei die Verpflichtung eines solchen Extra-Klasse-Piloten ein Risiko: „Wenn du ihn holst und er gewinnt, ist es der Fahrer, wenn er nicht gewinnt, ist es das Motorrad.“

Kallio bleibt, zweiter Ersatzfahrer für 2019 kommt

Nichts desto trotz sondiert KTM derzeit den Fahrermarkt für 2019. Als Rennpiloten sind der derzeit verletzte Pol Espargaro und Johann Zarco (derzeit Yamaha) bereits fixiert, auch der ebenfalls verletzte Mika Kallio bleibt nächstes Jahr definitiv bei den Innviertlern. Doch aus der aktuellen Misere, mit Bradley Smith geht in der MotoGP nur ein KTM-Pilot an den Start, hat der Rennstall einen Schluss gezogen: „Wir werden nächstes Jahr einen zweiten Testfahrer haben“, so Teammanager Mike Leitner. Dani Pedrosa oder Smith seien Kandidaten Und was passiert, falls Pol Espargaro auch bis zum nächsten Rennen in Silverstone (26.8.) nicht fit wird? „Dann haben wir ein Problem. Da sitzt ja keiner irgendwo auf der Couch und wartet auf unseren Anruf.“