In Hochform für den historischen Moment

Auftakt der eigenen Konzertreihe „Nulleins“ des Bruckner Orchesters unter Markus Poschner

Dirigent Markus Poschner führt die Musiker zu euphorischem Einsatz
Dirigent Markus Poschner führt die Musiker zu euphorischem Einsatz © R. Winkler

Orchesterchef Markus Poschner bestieg das Podium im Großen Saal des Brucknerhauses, um die Gründung einer eigenen Konzertreihe seines Orchesters „Nulleins“ zu feiern. Krankheitsbedingt fiel Percussion-Star Martin Grubinger als Moderator aus. Schade, es hätte lustig werden können. „Ich habe Schlagzeug geübt mit meinem Sohn“, sagte Poschner, der dann aus seinem Wissensfundus mit vielen Informationen zum Programm aufwartete.

Und dieses stand ganz im Zeichen von Bruckner und Komponisten seiner frühen Schaffensphase. Die Werke gleichsam als Symbol für den Aufbruch zu neuen Ufern, die Bruckner als Auftrag für sein sinfonisches Schaffen nahm. Aus der „Wilhelm Tell“-Ouvertüre von Gioacchino Rossini klang der Einfluss italienischer Musik auf Bruckner, und so wurde sie auch musiziert; beginnend mit den Solocelli, spannend von den acht Bässen, über die ringende Durchsetzung der Streicher bis zu dem Tutti als ein Urknall, der die Hörer in einen regelrechten Begeisterungstaumel versetzte.

Ein solcher riss auch nicht ab bei Hector Berlioz‘ Ouvertüre zu seiner kaum gespielten Oper „Béatrice und Bénédict“ op. 27, ebenfalls eine Inspirationsquelle für Bruckner, der bei einer Aufführung den Franzosen schätzen lernte. Und die Verbindung Bruckners zu Josef Strauß, dessen „Sphärenklänge“ op. 235 den ersten Programmteil beschlossen, verrät die sinfonisch gedachte Musik des Begabtesten aus der Strauß-Dynastie und gilt als Poschners Lieblingsstück. „Und weil heute alles ein bisserl anders ist“, so Poschner, „nehmen wir noch die Zugabe vorweg“, die schwungvolle „Ohne Sorgen“-Polka von Johann Strauß.

Nicht enden wollender Jubel für „Nullte“

Nach der Pause dann endlich die Verbeugung vor dem Namensgeber: Bruckners Sinfonie d-Moll, die „Nullte“, die eigentlich seine zweite Sinfonie ist, weil sie nach der „Ersten“ 1869 auf die Welt kam und erst bei der Arbeit an der „Dritten“ von Bruckner als „ungiltig und nichtig“ erklärt wurde. Die „Annullierte“ war für Poschner wieder ein demütiger Akt der Auseinandersetzung auf anderen Spuren, als man sonst dem Werk begegnet. Es ist „sein“ ureigener Bruckner in einem unverwechselbaren, oberösterreichischen, vom Orchester realisierten Klangdialekt und trifft ganz in unmittelbarer Nähe unsere Vorstellungen aller Brucknerschen Wesenszüge. Selbst die aus anderen Sinfonien vertrauten Themenketten erscheinen neu artikuliert, die Form bisweilen aufgebrochen und doch respektiert trotz dynamischer Änderungen, die die Sätze harmonisch zusammenfügen. Zu Bruckner haben schon viele andere Hörwege geführt, aber noch kaum den aufwühlenden Nerv der Wahrnehmung so getroffen, dass die geistige Tiefe und Frömmigkeit von Bruckners Musik nachwirken.

Ein nicht enden wollender Jubel zum Finale des für die 200-jährige Geschichte des Bruckner Orchesters bedeutenden Konzertereignisses.

Eine Vinyl-Schallplatte von Bruckners 8. Sinfonie unter Markus Poschner ist übrigens ab sofort im Musiktheater Linz erhältlich.

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