In Linz leidet man mit Libanesen mit

VOLKSBLATT sprach mit Bilal Zayat, dessen Eltern 80 km entfernt von Beirut Druckwelle spürten

„Das tut richtig weh, denn es ist schließlich die Hauptstadt meines Landes, die von der Explosion so stark zerstört wurde“, sagt der seit 2008 in Linz lebende Libanese Bilal Zayat im Gespräch mit dem VOLKSBLATT.

Erfahren hat der 34-jährige Angestellte einer Autofirma am Dienstagabend von der Katastrophe durch einen Anruf seines Vaters, der mit Bilals Mutter in der 80 Kilometer von Beirut entfernten Küstenstadt Tyros (117.000 Einwohner) lebt. „Er hat mir gesagt, dass sie die Druckwelle deutlich gespürt haben. Meinen Eltern geht es aber gut.“

Das Ausmaß der Zerstörungen in Beirut ist auch für Bilal Zayat (kl. Foto) kaum vorstellbar.
Das Ausmaß der Zerstörungen in Beirut ist auch für Bilal Zayat kaum vorstellbar. ©privat

Seither verfolgt der Libanese, der vor den kriegerischen Zuständen in seinem Heimatland nach Österreich floh, ebenso wie seine rund 70 Landsleute in Linz die Geschehnisse im TV und den sozialen Medien ganz genau – und leidet mit den Menschen in Beirut mit.

„Eigentlich bin ich mit meiner österreichischen Frau und meinem Kind im August immer auf Urlaub in die Heimat geflogen, aber daraus wird heuer auch wegen Corona nichts“, erzählt Zayat. Der Libanon sei ein schönes Land mit Stränden, Bergen und gutem Wetter, aber die Inflation und die Arbeitslosigkeit seien hoch.

Dazu kämen Stromengpässe und schlechte Straßen. Die Schuld daran gibt er den Politikern, die nur an sich denken würden und dem Umstand, dass in dem Sechs-Millionen-Einwohner-Land gut zwei Millionen syrische Flüchtlinge leben.

Suche nach Ursache

Unterdessen geht in Beirut die Suche nach Opern und der Ursache für die gewaltige Explosion mit mehr als 130 Toten und Tausenden Verletzten weiter. Eine Untersuchungskommission soll binnen fünf Tagen einen Bericht vorlegen.

Österreicher waren von dem Unglück nicht betroffen. Die internationale Hilfe ist angelaufen, wobei Frankreichs Präsident Emmanuel Macron einen Wiederaufbau-Vertrag anstrebt.

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