In Minute 90 starb der große Traum

Drama auf ausverkaufter Gugl: LASK entglitt die Sensation gegen Besiktas — Türken nach spätem 1:2 durch Negredo aufgestiegen

Bis zur 90. Minute fügte der LASK (Bild: Joao Victor/l. und Peter Michorl) Besiktas Schmerzen zu, dann versetze Negredo den Linzern den Todesstoß.
Bis zur 90. Minute fügte der LASK (Bild: Joao Victor/l. und Peter Michorl) Besiktas Schmerzen zu, dann versetze Negredo den Linzern den Todesstoß. © APA/EXPA/Eisenbauer

Von Christoph Gaigg

Blankes Entsetzen, unfassbare Leere. Niemand mochte wahrhaben, was sich da gerade für ein Drama abgespielt hatte. Bis zur 90. Minute hatte es nach einem der größten Europacup-Märchen der Geschichte gerochen. Doch um exakt 21.32 Uhr starb der große Traum des LASK gegen Besiktas, der sich schon so real angefühlt hatte. Negredos 1:2 war der Todesstoß für heldenhafte Linzer, die drauf und dran waren, 33 Jahre nach dem 1:0 gegen Inter Mailand für eine absolute Sternstunde zu sorgen.

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Denn die war mehr als in der Luft gehangen. Besiktas-Trainer Senol Günes und sein Starensemble mussten von Beginn an feststellen, dass sich die bis in die Haarspitzen motivierten Linzer als einer der unangenehmsten Gegner seit langem erweisen würden. Es war ein heroischer Fight, den die taktisch hervorragenden Athletiker ablieferten. Freilich nach vorne gepeitscht von einem Publikum in völliger Ekstase, das jeden Ballgewinn, jeden gewonnenen Zweikampf, ja sogar jeden Einwurf frenetisch bejubelte. Dem hatten sogar die türkischen Fans, die ebenfalls zahlreich vertreten waren und sich in Hälfte zwei sogar im nicht vorhandenen Gästesektor zusammenfanden, wenig entgegenzusetzen.

Ähnlich, wie Besiktas auf dem Rasen. Die Athletiker zogen dem letztjährigen Champions-League-Achtelfinalisten mit extrem aggressiver Vorwärtsverteidigung den Zahn, doppelten gut, stellten die Außenbahnen zu und schalteten nach Ballgewinn schnell um. Trainer Günes schien das Unheil zu ahnen, bei fast jeder Schiri-Entscheidung sprang er wutentbrannt auf, blanke Nervosität machte sich breit.

LASK brachte die Gugl zum Beben

Nicht so beim LASK, dem vor der Pause ein sensationeller Schlag gelang: Ballgewinn Holland, Trauner bediente Tetteh, der herrlich Joao Victor in Szene setzte. Der Brasilianer blieb cool, schob nach Haken zum 1:0 ein — die Gugl war völlig aus dem Häuschen. Beinahe kurz darauf ein zweites Mal, doch Ranftl verpasste das 2:0. Das holte der gerade erst eingewechselte Dominik Frieser in Hälfte zwei nach: Tettehs Schuss konnte Goalie Zengin nur kurz abblocken, der Joker staubte ab, jetzt gab’s kein Halten mehr. Bis Negredos Todesstoß kam und das Aus besiegelte.